Bei Nissan bricht der Gewinn ein

Absage an Fusion mit Renault

Foto: epa/Franck Robichon
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YOKOHAMA (dpa) - Düstere Stimmung beim japanischen Renault-Partner Nissan: Nicht nur der Skandal um den angeklagten Ex-Verwaltungsratschef Ghosn belastet Japans zweitgrößten Autobauer. Auch das Geschäft läuft schlecht. Von einer Fusion mit den Franzosen hält man bei Nissan jedoch nichts.

Der vom Fall des angeklagten Ex-Chefs Carlos Ghosn belastete Renault-Partner Nissan bekommt zusätzlich die schwache Nachfrage in den USA und auf anderen Märkten zu spüren. Der Nettogewinn im abgelaufenen Geschäftsjahr (31. März) brach um 57,3 Prozent auf 319,1 Milliarden Yen (2,6 Mrd Euro) ein, wie der Konzern am Dienstag bekanntgab. Das ist der niedrigste Gewinn seit neun Jahren. Zuvor war Nissan noch von einem Gewinn von 410 Milliarden Yen (3,3 Mrd Euro) ausgegangen. Und auch fürs laufende Geschäftsjahr sieht es düster aus: Der Nettoertrag dürfte demnach weiter empfindlich abschmelzen, und zwar um 46,7 Prozent auf 170 Milliarden Yen (1,4 Mrd Euro), wie der Konzern weiter mitteilte.

Renault strebt eine Fusion mit den Japanern an. Die neue Führung des französischen Partners habe zwar eine Integration vorgeschlagen, hieß es. Doch Nissan-CEO Hiroto Saikawa machte bei der Bilanzvorlage deutlich, dass man unterschiedlicher Ansicht sei. Jetzt sei nicht die Zeit, sich auf die Kapitalallianz mit den Franzosen zu fokussieren, sondern auf das Geschäft. Eine Fusion mit Renault halte man für unnötig, daran habe sich nichts geändert, bekräftigte Saikawa.

Renault, an dem der französische Staat beteiligt ist, hält 43,4 Prozent der Anteile an Nissan, die Japaner halten ihrerseits 34 Prozent an Mitsubishi. Nissan ist zu 15 Prozent an Renault beteiligt, hat aber dabei keine Stimmrechte. Die Allianz war vom früheren Verwaltungsratschef Ghosn einst geschmiedet und lange Zeit von ihm kontrolliert worden. Er war im vergangenen November in Japan wegen angeblichen Verstoßes gegen Börsenauflagen in Haft genommen worden.

Seither wurde er mehrfach wegen weiterer angeblicher Vergehen angeklagt und kam kürzlich zum zweiten Mal auf Kaution aus der Untersuchungshaft. Einen Termin für einen Prozess gegen den prominenten Automanager gibt es noch nicht.

Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Japans zweitgrößter Autobauer nach Toyota mit einem Umsatzrückgang von 2,4 Prozent auf 11,3 Billionen Yen (91,9 Mrd Euro), nachdem der Umsatz bereits im vergangenen Jahr um 3,2 Prozent geschrumpft war. Der globale Absatz sank um 4,4 Prozent auf 5,52 Millionen Fahrzeuge und dürfte im laufenden Geschäftsjahr nur geringfügig auf 5,54 Millionen Fahrzeuge steigen. Auf dem wichtigen US-Markt mussten die Japaner einen Absatzrückgang im vergangenen Geschäftsjahr von 9,3 Prozent auf 1,44 Millionen Autos hinnehmen, was einem Marktanteil von 8,4 Prozent entspricht. In Europa - ohne Russland - sank der Absatz um 17,8 Prozent auf 536.000 Fahrzeuge. Dies entspreche einem dortigen Marktanteil von drei Prozent, hieß es.

Auf dem weltgrößten Automarkt China, wo die Unternehmensergebnisse von Nissan auf Basis des Kalenderjahres kalkuliert werden - im Gegensatz zum Geschäftsjahr, das bis zum 31. März läuft -, steigerte der Konzern den Absatz indes leicht um 2,9 Prozent auf 1,56 Millionen Autos und kommt damit auf einen Marktanteil von 5,9 Prozent.

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