Am Anfang War das Haus

​Callolo und seine Herzallerliebste - Eine humorvolle Geschichte 

Am Anfang War das Haus

Als ich meine Nai kennenlernte, das ist nun schon über acht Jahre her, wohnte ich in einem gemieteten Appartement mitten in der Stadt. Wenn wir tagsüber die Fenster geöffnet ließen, mussten wir abends Asche und feinste Knochenreste einsammeln, die vom Tempel herübergeweht waren, wo täglich die Toten verbrannt wurden.

Dann fanden wir in einer neuen Siedlung ein Grundstück in bester Lage und kauften es.

Mein Schweizer Freund Peter, ein genialer Architekt, baute uns darauf unser Traumhaus, in dem wir seitdem glücklich, naja, mehr oder weniger glücklich leben.

Während der Bauphase begann meine Herzallerliebste täglich neue Pläne zu zeichnen:

"Callolo, die Toilette muss links neben die Küche und das Schlafzimmer nach vorn, damit wir vom Wohnzimmer aus den Blick in den Garten haben."

Unser Architekt versuchte ihr mit Engelsgeduld zu erklären, warum das eine nicht ging und das andere nicht passte: Hier waren Zuleitungen zu beachten und hier Abwasserleitungen.

Meine Herzallerliebste verstand alles und nickte, aber am nächsten Morgen hatte sie wieder völlig neue Ideen entwickelt, die genau so unmöglich waren.

Peter war ein Diplomat. Als sie das Gästezimmer ohne Bad, dafür aber unser Schlafzimmer hinter die Küche konzipiert hatte, sagte er: "Nai, du hast wirklich tolle Ideen." Und dann baute er so, wie ich es mit ihm abgesprochen hatte.

Nach sechs Monaten war das Haus fertig, und wir feierten ein großes Fest. Die Königin des Tages war natürlich meine Herzallerliebste.

Sie führte unsere Gäste durchs Haus und erklärte ihnen, warum das Schlafzimmer nach hinten gebaut war, die Küche nach vorn und das Gästezimmer ein integriertes Bad hatte.

"Wisst ihr", sagte sie, "ich bin so etwas wie ein Naturtalent für Architektur." Peter bestätigte sie darin: "Ohne ihre Ideen wäre das Haus nie so geworden, wie es ist." Später, als die Gäste gegangen waren, meinte meine Herzallerliebste: "Callolo, Architektur ist doch eigentlich ganz einfach – oder?" "Ja, Schatz", sagte ich, "Hochschulabschluss, acht Semester Studium und vier Jahre Praktikum."

"Das versteh ich nicht, Callolo", erwiderte meine Herzallerliebste, "ich mach so was mit links."

Callolo und seine Herzallerliebste und Angekommen in der Wirklichkeit

Callolo und seine Herzallerliebste

In 130 heiteren Kurzgeschichten hat Autor Carolus in zwei Büchern sich mit unterschiedlichen Erfahrungen, die sich aus dem Zusammenleben zwischen Thais und Farangs ergeben, verfasst. Die humorvollen Geschichten behandeln das Eheleben zwischen Nai und Callolo. Im Leben der beiden wird viel Toleranz abverlangt. Dass es trotzdem immer wieder ein Happy End geben kann, beweist der Autor, im ersten Buch, in vielen unerwarteten Entwicklungen. Im zweiten Werk hat der Autor seine „rosarote Brille“ abgenommen und erzählt auf ehrliche und gewohnt charmante Weise über Probleme und Schwierigkeiten, die in seiner nicht mehr ganz taufrischen Beziehung zu Nai entstehen.

Die beiden Taschenbücher können Sie im FARANG-Onlineshop bestellen.

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Derk Mielig 08/05/2021 04:10
@Harms
Wenn Sie meinen, das jemand, der nicht Ihren Slapstickhumor hat, ein ganz armer Mensch sei, dann meinen Sie das. Ok, kann ich gut mit leben. Aber fragen Sie sich ruhig einmal, wer von uns beiden zum Lachen in den Keller geht.
Oliver Harms 07/05/2021 22:20
@Mielig wieder etwas zum jaulen gefunden?
Schon mal was von Mario Barth gehört?
Meinen sie allen ernstes,daß seine Freundin vorgeführt wurde wenn er die Geschichte über die Handtaschen beim Fabrikverkauf in Nussloch erzählt?
Man,man sie sind der Don Kichot des Mutterwitzes und sind absolut langweilig und vorhersehbar.
Sie sind einganz armer Mensch.
Thomas Sylten 02/05/2021 16:12
Wieder eine "heitere Kurzgeschichte" -
aber mein Gott bin ich froh dass meine Mia nicht so ein Dummchen vom Dienst ist.

Freilich hätte ich dadurch auch weniger Material zur Hand, die grundsätzliche geistige Überlegenheit des Farangs herauszuarbeiten -
eher müsste ich in entsprechenden Geschichten eine gelegentliche Beschränktheit westlicher Problemlösungsstrategien gegenüber den durchweg pragmatischen Lösungsansätzen (übrigens auch religiösen Vorschriften gegenüber) hiesiger Ureinwohner einräumen.

Nicht weniger überraschend -
und möglicherweise sogar erkenntnisreicher für manch blauäugige "Herrlichkeit".
Derk Mielig 02/05/2021 16:12
Schön vorgeführt
die andere Hälfte der mehr oder weniger glücklichen Beziehung. Traurig.