Abschaffung der Sklaverei (auf sanfte Art)

Schritt folgte auf Schritt - vor genau 100 Jahren war es soweit

Abschaffung der Sklaverei (auf sanfte Art)

König Chulalongkorn der Grosse oder Rama V (1835-1910 - Grossvater des jetzigen Könings, Seine Majestät Bhumibol Rama IX) verkleidete sich oft als einfacher Bürger, um sich so unter dieMenschen mischen zu können. Somit konnte er die Lebensgewohnheiten im Alltagsleben seiner Untertanen gut beobachten. Das Volk nennt ihn „Piya Maharad“ - Piya heisst „beliebt“ und Maharad heisst„der Grosse“.

Unvergessen bleibt ein besonders grosses Zeichen seiner Güte: Er schaffte die Sklaverei ab, ohne dass dadurch ein Aufruhr oder Blutvergiessen entstand. Um die Abschaffung der Sklavereidurchführen zu können, musste der König die Adeligen und die Oberschichten nach und nach darauf vorbereiten, dass es in Zukunft keine Sklaverei mehr geben würde. Bei einer plötzlichenAbschaffung der Sklaverei hätte der König ja auf Widerstand stossen können, und dann wären die Sklaven vielleicht noch schlechter behandelt worden. Für die Fürsten und Herzöge bedeuteten KönigChulalongkorn‘s Massnahmen natürlich einen grossen Verlust, denn sie mussten sich von dem trennen, was sie sich mit viel Geld zugelegt hatten. Und für die Sklaven selbst würde es auch grosseProbleme geben. Wo sollten sie plötzlich hingehen, wenn sie aus der Sklaverei entlassen wurden Von wem bekämen sie dann ihre Nahrung Die Sklaven hatten ja nie gelernt, für sich selbst zusorgen. Etwas zu besitzen, das kannten sie nicht. Den Sklaven wurden von den Herrschaften keine Löhne gezahlt, und so hatten sie niemals gelernt, mit Geld umzugehen. Daher ging der Königschrittweise vor, um das Los der Sklaven zu erleichtern.

Zunächst verkündete der König ein Gesetz, das besagte, dass zu seinem Geburtstag alle Sklaven, die in diesem Jahr 20 Jahre alt wurden, die Freiheit geschenkt bekamen. Es stand den befreitenSklaven frei, weiter bei ihren Herrschaften zu leben, nur durften sie zu keiner Arbeit gezwungen werden. Im Jahr darauf erliess König Chulalongkorn ein neues Gesetz, in dem er anordnete, dassfortan alle neugebore Sklavenkinder frei von der Sklaverei sein sollten. (Kinder von den Sklaven waren vorher nach der Geburt automatisch auch Sklaven). Einige Sklaven löste seine Majestät mitseinem eigenen Geld aus und für bestimmte andere Sklaven senkte der König die Preise fortschreitend von Jahr zu Jahr, bis schliesslich der Preis für diese Sklaven die Null erreichte, und siedamit frei wurden. (Es gab 7 verschiedene Arten von Sklaven, bedingt durch ihrer Herkunft. Z.B. Sklaven vom Land neu dazu gekauft oder die im Haus geborenen, deren Eltern bei den Herrschaftenbeliebt waren usw. Sklaven, die in das Haus reinkommen durften und diejenigen, die nur ausserhalb bleiben konnten. All diese Feinheiten musste man natürlich mit grosser Sorgfaltberücksichtigen.) So folgten Schritt für Schrit Massnahmen, bis Rama V im Jahre 1905 durch ein Gesetz die endgültige Freilassung der restlichen Sklaven anordnete, und die volle Abschaffungjeglicher Form von Sklaverei verkündete.

Seine Majestät Chulalongkorn „Piya Maharad“ führte tiefgreifende Verwaltungsreformen durch. Auch Krankenhäuser, Postwesen, Ministerien, neue Kommunikations- und Transportmittel wurden von ihmeingeführt. Mit dem Bau der Eisenbahn wurden die abgelegenen Landesteile zugänglich gemacht. Er erarbeitete ein Programm für die öffentliche Erziehung und Ausbildung der Kinder und Jugendlichenund richtete Universitäten ein. Zugleich sorgte der König dafür, dass junge Thais zum Studium nach Europa oder in die USA gingen. Im Gegenzug holte er hunderte von Ingenieuren undWissenschaftler aus dem Ausland in sein Land, das keine kolonialen Interessen an Thailand hatte, also aus Ländern wie Deutschland, Osterreich, der Schweiz, Italien und Skandinavien.

Der 23. Oktober 1910 ist sein Todestag. Er wird noch heute als Nationaler Feiertag begangen. In diesem Jahr fällt der 23. Oktober auf einen Sonntag, darum wird der Feiertag auf den Montag den24. Oktober 2005 verlegt. Jedes Jahr legen Schüler, Studenten und Regierungsbeamte an seinem Todestag Kränze an seiner Reiterstatue vor dem alten Parlamentsgebäude in Bangkok nieder. Aber auchdie übrige Bevölkerung kommt zu tausenden mit Kränzen und Blumen an sein Denkmal, um in Ehrfurcht und Dankbarkeit seiner zu gedenken. Diesen Feiertag nennen die Thais „WAN PIYA MAHARAD“


Sind die Blinden die neuen Sklaven Thailands

Demonstration der Benachteilgten

Am 22. September demonstrierten mehr als 200 Blinde vor dem Regierungsgebäude in Bangkok und verurteilten die jetzige und alle vorherigen Regierungen des Landes wegen ihrer 17 „schändlichen“Versäumnisse, unter denen die Blindengemeinde zu leiden hat. Die Demonstranten trugen angebohrte Kokosnussschalen in den Händen, aus denen der Inhalt tropfte. Sie wollten damit ihre Armutverdeutlichen, denn jede Hilfe verrinne irgendwo und erreiche sie nie. Einige hatten sich Ketten um Arme und Beine geschlungen, um damit ihren Status zu symbolisieren, nämlich den gleichen wiefrüher in der Sklaverei. Alle trugen weisse T-Shirts mit der Botschaft „Befreit die Sklaven, ändert die Richtlinien und ermöglicht den Blinden ein neues Leben“.

Die Demonstration fiel nicht zufällig mit dem 100. Jahrestag der offiziellen Abschaffung der Sklaverei in Thailand zusammen. Die Gruppe forderte die Regierung auf, die Gelegenheit zu nutzen, umdie Blinden von der unfairen Behandlung zu befreien, die sie in der Vergangenheit erleiden mussten.

Monthien Boontan, Vorsitzender der Blindenvereinigung Thailands, erklärte vor der Presse, die Blinden hätten in der staatlichen Politik nie eine Rolle gespielt, seien immer draussen vor der Türgeblieben und hätten in Verhältnissen leben müssen, die denen in der Sklaverei nicht unähnlich seien. Sie seien der menschlichen Grundrechte und der Rechte normaler thailändischer Bürgerberaubt worden. „Die Blinden wurden in einem Kreislauf von Schmerzen, Armut und Unwissenheit alleingelassen. Man gab ihnen keine Chance, irgend etwas zu erlernen.“ „Sie hatten und haben auchkeinen Zugang zu normalen Arbeitsstellen. Wenn sie bettelnd auf den Strassen angetroffen wurden, nahm man sie fest, liess sie wieder frei, sperrte sie erneut ein. Das alles wiederholte sichunendlich und führte schliesslich in eine ausweglose Sackgasse“, fuhr der Vorsitzende der Blinden fort.

Die 17 „schändlichen“ Versäumnisse haben ihren Ursprung in Fahrlässigkeit und Verantwortungslosigkeit, die alle Regierungen von der Vergangenheit bis zur Gegenwart an den Tag gelegt haben.Eines der Hauptprobleme umfasst die Bürgerrechte der Blinden. Viele von ihnen sind nicht in den ominösen Hausregistrierungs-Dokumenten erfasst. Das hat zur Folge, dass man diesen Menschen keinePersonalausweise, die ID-Cards, ausstellen kann. „Doch ohne ID-Card können wir in unzählige Probleme geraten. Diese Blinden können keine Verträge unterschreiben, kein Bankkonto eröffnen und beiKommunal- oder Parlamentswahlen ihre Stimme nicht abgeben“, erklärt der Vorsitzende Monthien. Die Ausbildung ist ein anderes Sorgenkind, da in Thailand nur zwei staatliche Schulen für Blindeexistieren, in denen nicht mehr als 500 Schüler untergebracht werden können. Dieser Zahl stehen bis zu 100.000 blinde Mitbürger gegenüber, die auf eine Chance für eine Ausbildung warten. DasVerhältnis zwischen Lehrern und blinden Schülern beläuft sich auf 1 : 600. Die meisten dieser Lehrer sind zudem nicht in der Lage, Blindenschrift zu lesen oder zu schreiben, und die Regierunghat laut Monthien keinerlei Pläne, dieses Problem zu lösen. Der Vorsitzende beklagt weiter, dass thailändische Regierungen dem Recht der Blinden auf Information noch nie die geringste Beachtunggeschenkt haben. Keine einzige öffentliche Bücherei bietet Lernmaterial für Blinde an, und selbst die Websites der Regierung sind für die Behinderten wenig hilfreich. Die Strassen und diegesamte Umwelt in den Städten sind äusserst ungeeignet für Blinde. „Wir fallen oft in Abwasserkanäle, deren Abdeckungen schadhaft sind, prallen gegen Bäume oder werden auf den Bürgersteigen vonMotorrädern angefahren“, weiss Monthien. Zu den anderen Problemen, die von der Gruppe in den Vordergrund gestellt werden, gehören der Mangel an Rehabilitations-Zentren für Menschen mitverminderter Sehfähigkeit, unzureichende Berufsausbildungs-Zentren für Blinde, ausgesprochen unfreundliche staatliche Bestimmungen, die Blinde von bestimmten Berufen ausschliessen, zu geringestaatliche Unterstützung aus dem Rehabilitations-Fonds für Behinderte sowie die Ignoranz des Staates gegenüber der Diskriminierung von Blinden.

In der Gruppe ist man der Meinung, dass in der populistischen Politik von Premierminister Thaksin Shinawatra keine Hilfen für die Blinden zu erkennen sind. „Nicht mehr als 30 Blinde habeninsgesamt vom Ban Ua-Arthorn-Projekt profitiert, weniger als 100 vom Village-Fonds-Projekt, und weniger als 50 wurden Anleihen aus dem Ausbildungsfonds gewährt“, weiss Monthien.

In einer Petition, die dem stellvertretenden Premierminister Suwat Liptapanlop überreicht wurde, machte die Gruppe verschiedene Vorschläge zur Lösung der Probleme, darunter die Bildung einesNationalen Komitees der Blinden, das sowohl die Politiker als auch die Budget-Manager hinsichtlich der Belange der blinden Mitbürger beraten soll. Die Demonstranten forderten ausserdem, dasManagement des Fonds der Staatlichen Lotteriegesellschaft zu revidieren, damit den verschiedenen Behinderten-Organisationen mehr Hilfe zur Verfügung gestellt werden kann.

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