Ein wahrer Skandal mit Stars erzählt

ARD-Themenabend zu Waffenhandel

Miguel (Kristyan Ferrer) ist nach Deutschland gekommen, um als Nebenkläger im Prozess gegen HSW aufzutreten. Foto: Jürgen Olczyk/Swr/Diwa Film/dpa
Miguel (Kristyan Ferrer) ist nach Deutschland gekommen, um als Nebenkläger im Prozess gegen HSW aufzutreten. Foto: Jürgen Olczyk/Swr/Diwa Film/dpa

BERLIN/HAMBURG: Der investigative Spielfilm «Meister des Todes II» an diesem Mittwoch geht illegalen Rüstungsdeals von Deutschen nach. Viele hochkarätige Schauspieler sind dabei. Nach wahren Begebenheiten.

– In idyllischer Umgebung gelegen, produziert eine deutsche Firma Waffen und Munition, die an einem anderen Ende der Welt unschuldige Menschen töten. Das passiert dann etwa in der Stadt Iguala im mexikanischen Bundesstaat Guerrero. Obwohl in die von Gewalt und Menschenrechtsverletzungen geprägte Region ein Ausfuhrverbot des deutschen Bundeswirtschaftsministeriums besteht.

All das hatte bereits 2010 das ARD-Politikmagazin «Report Mainz» aufgedeckt. Im September 2014 beschossen Polizei und Militärs einen Bus mit Studenten auf dem Rückweg von einer politischen Protestaktion. Einige der jungen Männer starben noch am Tatort, ein anderer liegt bis heute wegen eines Kopfschusses im Koma. Noch immer verschwunden bleiben die übrigen 43 Studenten.

Dass bei der tödlichen Aktion Sturmgewehre eines deutschen Rüstungsunternehmens im Einsatz waren, wiesen SWR-Reporter bei ihren Recherchen in Mexiko nach. Es gelang ihnen sogar, den Weg von der Herstellung eines bestimmten Gewehrs bis zu dessen Einsatz beim Angriff auf die unbewaffneten Studenten nachzuvollziehen.

Aus den Recherchen schuf der engagierte Autor und Regisseur Daniel Harrich (36, «Der blinde Fleck») seinen mit Stars wie Axel Milberg («Tatort»), Veronica Ferres («Malou») und Katharina Wackernagel («Aenne Burda») besetzten investigativen Spielfilm «Meister des Todes». Das Erste zeigte ihn 2015 mit der später Grimme-Preis-gekrönten Doku «Tödliche Exporte» als Themenabend.

Die Filme, in denen Harrich die Zusammenhänge inhaltlich penibel, zugleich publikumswirksam und emotional aufbereitet, haben dank Wiederholungen mehr als zehn Millionen Zuschauer gesehen. Am Tag der Erstausstrahlung 2015 fand zudem im Bundestag eine Aktuelle Stunde zu den für den Film recherchierten Waffenlieferungen statt.

Wenig später erhob die Staatsanwaltschaft Stuttgart Anklage gegen sechs frühere Mitarbeiter aus der deutschen Rüstungsbranche aufgrund des Verdachts auf Verstöße gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und das Außenwirtschaftsgesetz bei Exporten nach Mexiko. Verurteilt wurden Ende Februar 2019 eine Sekretärin und ein Mitarbeiter aus dem Vertrieb. Bei einem weiteren Prozess gegen einen anderen Waffenhersteller kam es ebenfalls zu Verurteilungen. Beide Fälle werden derzeit vom Bundesgerichtshof in Karlsruhe geprüft.

Grund genug für Harrich und die ARD, die Problematik mit einem weiteren Themenabend «Waffenhandel» in der Bevölkerung wach zu halten («Meister des Todes 2» und die Doku «Tödliche Exporte 2 – Rüstungsmanager vor Gericht» am Mittwoch ab 20.15 Uhr im Ersten. Harrich: «Ich bin kein Waffengegner, ich bin auch kein expliziter Rüstungsexportgegner. Ich bin ein Fan der Demokratie, die wir in unserem Land haben und ein ausgesprochener Fan von den Gesetzen, die wir haben. Deshalb regt es mich auf, wenn so etwas geschieht.»

In «Meister des Todes II» kommen die Chefs der fiktiven Firma HWS endlich vor Gericht – so der Geschäftsführer und einstige Leitende Oberstaatsanwalt Heinz Zöblin (Milberg). Der Vertriebsleiter Alex Stengele (Heiner Lauterbach) hat ein Geständnis angekündigt – nicht zuletzt, um die Ehe mit seiner unter alledem leidenden Frau Sabine (Ferres) zu retten. Doch Stengele stirbt den Herztod. Seine Witwe, die bisher Trost im Alkohol suchte, reist mit der Anwältin Christiane Schuhmann (Wackernagel) nach Mexiko. Die will die wahre Dimension der Exporte ans Licht bringen und die Angehörigen in einer Nebenklage vor Gericht vertreten. Obwohl beide den Bruder (Kristyan Ferrer) eines Opfers mitbringen, lässt Richterin Wetzel (Desirée Nosbusch, «Bad Banks») die Mexikaner nicht als Nebenkläger zu. Schuhmann und Sabine Stengele wird klar, dass der Prozess zur Farce zu werden droht.

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