Zwischen Tradition und Partymarathon

Traditionelle Riten und Wasserkrieg prägen das thailändische Neujahrsfest

Party und Wasserschlacht an Songkran.
Party und Wasserschlacht an Songkran.

THAILAND: Während in den meisten Landesteilen das Songkranfest bereits im vollen Gange ist, stehen der sonnenverwöhnten Ostküste die Feierlichkeiten zum thailändischen Neujahrsfest noch bevor. So wird in Pattaya erst am 18. und 19. April das Wasserfest feuchtfröhlich zelebriert. Zehntausende Feiernde dürften auch in diesem Jahr wieder in die Touristenmetropole strömen, um an einer der größten Songkran-Sausen des Landes teilzunehmen. Urlauber und Residenten erwartet gewiss ein klatschnasses Partyvergnügen, das einer lebhaften Mischung aus Loveparade und Karneval in Rio zu gleichen scheint.

Ausgelassen, fröhlich und vor allem klitschnass wird das thailändische Neujahrsfest gefeiert. Hawaiihemden sind unter den Einheimischen an Songkran besonders beliebt. Foto: epa/Diego Azubel
Ausgelassen, fröhlich und vor allem klitschnass wird das thailändische Neujahrsfest gefeiert. Hawaiihemden sind unter den Einheimischen an Songkran besonders beliebt. Foto: epa/Diego Azubel

Wer am thailändischen Neujahrsfest zwischen dem 13. und 20. April trockenen Fußes durch Pattaya oder andere Städte des Landes kommt, hat Glück gehabt: Einheimische sowie ausländische Urlauber und Residenten feiern das Songkranfest ausgiebig, indem sie sich gegenseitig nass spritzen. Und das, so gut wie möglich! Kein Wunder, dass sich beim Wasserfest die Geister scheiden. Während junge Partytouristen aus aller Welt und thailändische Teenager der nassen Sause zur heißes­ten Jahreszeit sehnsüchtig entgegenfiebern, liegen vor allem bei älteren Residenten die Nerven blank. Sie nutzen die Feiertage, um einige erholsame Tage in ruhigeren Gefilden zu verbringen, wo wummernde Bässe und Massenbesäufnis meilenweit entfernt sind.

Doch Songkran lediglich als Partywahnsinn aufzufassen, wäre dennoch vorschnell geurteilt. Schließlich stellt das thailändische Neujahrsfest auch heute noch viel mehr dar, als den in den Touristenzentren praktizierten Wasserkrieg. Althergebrachte Songkran-Praktiken, wie das Reinigen der Buddhastatuen mit geweihtem Wasser in den Tempeln und die traditionelle Ehrerbietung der Älteren, zählen zu den rituellen Aspekten des Festes, das auf eine lange Tradition zurückblicken kann.

Eintritt in das Sternbild des Widders

Mit dem Songkranfest feiern Thais im vierten oder fünften Monat des thailändischen Mondkalenders den Eintritt der Sonne in das Sternbild des Widders, das wiederum das erste Zeichen im Tierkreis ist. Früher war es Brauch, dass sich die Bevölkerung gegenseitig Wasser als Neujahrsgruß sanft über Schultern und Kopf goss, worauf der Name Wasserfest zurückzuführen ist. Ein alter Volksglaube der vom Ackerbau abhängigen Bevölkerung besagte zudem, dass je mehr Wasser während der Feierlichkeiten zur heißen Zeit des Jahres im April verspritzt wird, desto höher die zu erwartende Niederschlagsmenge in der Regenzeit in den Folgemonaten ausfallen wird...

An Wan Songkran, dem ersten Tag der dreitägigen Feierlichkeiten, werden Buddhafiguren mit Wasser übergossen. Foto: wirakorn / Fotolia.com
An Wan Songkran, dem ersten Tag der dreitägigen Feierlichkeiten, werden Buddhafiguren mit Wasser übergossen. Foto: wirakorn / Fotolia.com

Die traditionellen Hauptfeierlichkeiten zum Songkranfest erfolgen an drei Tagen, in diesem Jahr von Freitag, 13. April bis Sonntag, 15. April. Am ersten Tag, Wan Songkran genannt, werden die Wohnungen und Häuser geputzt, die Buddha-Altäre gewissenvoll gereinigt und mit Blumen geschmückt. Während der Zeremonie Song Nam Phra Putha Rup, was sich mit „Buddha-Bildnis baden“ übersetzen lässt, werden Buddhafiguren in den Tempeln sanft mit parfümiertem Wasser übergossen. Landesweit locken farbenfrohe Paraden in die Städte, wo prachtvoll dekorierte Festwagen mit aufreizenden und im traditionellen Dress gekleideten Schönheiten sowie auch Buddhafiguren durch die Straßen gefahren werden. Begleitet von fröhlicher Musik und natürlich viel, viel Wasser!

Sand-Stupas als feste Tradition

An Wan Nao, dem zweiten Tag der Festivitäten, brutzeln Familien bereits in den frühen Morgenstunden Speisen für die buddhistischen Feierlichkeiten, die am letzten Songkrantag neben Geschenken den Mönchen übergeben werden. Fester Brauch ist auch, in Tempelnähe Sand-Stupas zu formen, die von den Thais Phrasai genannt werden. Vielerorts haben sich daraus wahre Wettkämpfe entwickelt. So erwartet die Besucher des Wanlai-Festivals in Bangsaen in der Provinz Chonburi (jedoch erst am 16. und 17. April!) eine beeindruckende Freiluft-Galerie an kunstvoll geformten Sand-Stupas direkt am Strand, weshalb die Feierlichkeiten hier zu den beeindruckendsten der Ostküste zählen. Die Künstler stellen unübersehbar unter Beweis, wie eng die Bevölkerung auch heute noch ihre althergebrachten Gebräuche zu pflegen vermag...

Spirituell gestaltet sich Wan Payawan, der dritte Songkrantag, wenn die Gläubigen in den frühen Morgenstunden die Tempel aufsuchen, um den Mönchen ihre am Vortag zubereiteten Speisen zu überreichen. Zum Erwerb von Verdiensten, auf Thai Tambun genannt, zählt auch das Spenden neuer Roben oder anderer Gebrauchsgegenstände des Tempelalltags wie Haushaltsartikel oder Kerzen und Räucherstäbchen. Fester Bestandteil des Rituals ist auch das Übergießen der Hände der Mönche mit angenehm duftendem Wasser, bevor die Gläubigen anschließend ihren Segen erhalten und somit einen guten Start für das neue Jahr...

Songkran spült Bares in die Kassen

Als Begleiterscheinung des ehemals ruhigen Wasserfestes hat sich in den Touristenzentren inzwischen ein rund siebentägiger Partymarathon entwickelt, an dem wild gefeiert wird, als wenn es kein Morgen gäbe. So haben viele Städte ihre eigenen Songkrantermine bestimmt. Schließlich zahlt sich das ausgeprägte „Sanuk“-Bedürfnis der feierwütigen Bevölkerung nicht nur in barer Münze aus, sondern kurbelt auch das Tourismusgeschäft ordentlich an. So fließt nicht nur das Wasser in Strömen, sondern auch der Alkohol und das Geld…

Beim Wanlai-Fest in Bangsaen nahe Pattaya werden direkt am Strand viele kunstvolle Stupas aus Sand geformt. Foto: dreammubb / Fotolia.com
Beim Wanlai-Fest in Bangsaen nahe Pattaya werden direkt am Strand viele kunstvolle Stupas aus Sand geformt. Foto: dreammubb / Fotolia.com

Besonders Pattaya gilt sowohl bei ausländischen als auch einheimischen Urlaubern als das Partymekka schlechthin, wird hier doch gleich vom 13. bis 19. April das Songkran-Fest feuchtfröhlich zelebriert. So veranstaltet das Einkaufszentrum CentralFestival Pattaya Beach auch in diesem Jahr wieder eine Songkran Splash Party (13. bis 19. April, 12 bis 22 Uhr) mit Musik und Wasser nonstop! Kein Wunder also, dass Jahr für Jahr unzählige Feiernde in die Touristenmetropole strömen, um an einer der größten Songkran-Sausen des Landes teilzunehmen. Die Hauptfeierlichkeiten finden in Naklua übrigens am Mittwoch, 18. April statt, in Pattaya am Donnerstag, 19. April.

Trocken bleibt garantiert niemand

Ausgestattet mit Wasserpis­tolen, Gartenschläuchen, mit Wasser oder Puder gefüllten Eimern sowie den berüchtigten und zu Recht verbotenen PVC-Rohren, die einer druckgewaltigen Wasserkanone gleichen, ziehen die jungen Wilden in den „Wasserkrieg“. Egal, ob als Fahrgast im Baht-Taxi, als (mutiger) Mopedfahrer oder auf Schusters Rappen: an Songkran bleibt keiner trocken, was sich, aufgeheizt durch den massiven Alkoholkonsum, leider auch in der Unfallstatistik widerspiegelt. Urlaubern ist ans Herz zu legen, das eigene oder gemietete Fahrzeug auf jeden Fall stehenzulassen sowie Handy, Portemonnaie und Fotokamera stets in einem wasserdichten Beutel zu verstauen, egal, ob zur Tages- oder Nachtzeit! Da es in den vergangenen Jahren immer wieder zu sexuellen Belästigungen kam, rät die Thailändische Fremdenverkehrsbehörde (TAT) Frauen, auf freizügige Kleidung zu verzichten.

Ladeflächenverbot aufgehoben

Aus großen Wasserbehältnissen spritzen die Feiernden Passanten am Wegesrand nass. Trocken bleibt da keiner!
Aus großen Wasserbehältnissen spritzen die Feiernden Passanten am Wegesrand nass. Trocken bleibt da keiner!
Nachdem im letzten Jahr ein Verbot ausgesprochen wurde, Personen während der Songkran-Feierlichkeiten auf den Ladeflächen von Pick-ups zu transportieren, ist die Regierung in diesem Jahr von der Regelung wieder abgerückt. Feiernde dürfen ab sofort wieder mit großen Wasserkübeln bewaffnet hinten auf der Transportfläche der Trucks mitfahren und andere Passanten mit dem kühlen Nass bespritzen. Jedoch nur in Gebieten, in denen die Feierlichkeiten stattfinden. Untersagt ist der nasse Spaß hingegen auf Highways oder Autobahnen. Auch, wenn der Personentransport auf den Ladeflächen auf dem Hin- und Rückweg zu den Feierlichkeiten erlaubt ist, seien Fahrzeuglenker gewarnt: es gilt ein striktes Alkoholverbot. Motorisierte mit einem Alkoholgehalt von über 0,5 Promille werden bei einer Kontrolle umgehend aus dem Verkehr gezogen und ihr Fahrzeug beschlagnahmt.

Alkoholkontrollen

Verkehrsteilnehmer müssen zu Songkran landesweit mit Alkoholkontrollen rechnen. Haben Motorisierte zu tief ins Glas geschaut, wird das Fahrzeug mindestens sieben Tage konfisziert, der Führerschein bis zu 30 Tage einbehalten, und es droht die Ausnüchterungszelle und Gerichtsverhandlung. Es gilt die 0,5-Promille-Grenze.

Reisewelle

An Songkran benötigen Reisende starke Nerven. Denn während der Feiertage ist das ganze Land auf den Beinen. Landesweit setzt eine Völkerwanderung ein: Jeder möchte das Fest zu Hause im Kreis der Familie feiern. Kilometerlange Staus auf den Autobahnen sowie überfüllte Bahnhöfe und Busstationen sind die Folge.

Keine Mautgebühr

Um lange Staus an den Mautstellen zu verhindern entfallen von Mittwoch, 11. April bis Mittwoch, 18. April die Mautgebühren auf der Motorway 7 von Bangkok nach Pattaya, auf der Motorway 9 (Outer Ring Road) von Samut Prakan nach Bang Phli sowie auf der Hochbahn von Bang Na nach Chonburi (Burapha Withi Expressway).

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Leserkommentare

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Jürgen Franke 14.04.18 19:34
In Deutschland Jugendliche
nach dem Sinn von Weihnachten oder Ostern zu fragen, würde sicherlich ein ähnliches Ergebnis bringen.
Mike Dong 14.04.18 17:42
@THOMAS / "Herbe" Wissenslücke
Ja, die "jungen Leute". Wissen weltweit ja nur noch so wenig über alles. Die Thais gehen da mit gutem Beispiel voran u minimieren jegliches Wissen. Das ein junger Thai (älter als 12) allerdings nicht Thonburi / Ayutthaya / Sukhothai als ehemalige Hauptstädte nennen kann, halte ich für Ihre persönliche Einbildung. Was kennen Sie denn da für Leute ?
THOMAS 14.04.18 12:14
Tradition
Sollen doch mal die jungen Leute fragen:Was Songkran bedeutet. Werdet überrascht sein,dass da nur dünnes heraus kommt. Viele wissen nicht mal,was die Hauptstadt vor Bangkok war.
Marc Weber 12.04.18 20:18
Songkranfest
Das ist natürlich so zu verstehen, dass der Höhepunkt der Festivitäten am 18 und 19 stattfindet. In Deutschland ist ja auch erst am Rosenmontag ein Umzug, die Leute sind aber trotzdem schon Wochen vorher verblödet. Und in Luxemburg gibt es sogar noch Wochen nach Aschermittwoch Fastnachtsumzüge. Die Leute feiern eben so wie es ihnen Spass macht. Und das ist auch gut so.
Uli 12.04.18 16:57
18+19 Pattaya ?
Na wenn das jemand liest der noch nie dort war, wird einigermaßen überrascht sein wenn er schon ab dem 10.4. in vielen Ecken Pattayas geduscht wird ;-) Bei solchen Meldungen sollte man schon korrekt recherchieren wann und wo etwas stattfindet. Und nicht nur nach den "offiziellen Terminen" gehen.