Zweite Gruppe Ukrainer in Patriot-Ausbildung

Foto: EPA-EFE/Ritchie B. Tongo
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BERLIN: Die Bundesregierung setzt bei der Militärhilfe für die Ukraine einen Schwerpunkt auf die Flugabwehr. Die Systeme sind teuer und kompliziert. Eine zweite Bedienmannschaft ist bald bereit für den Feuerkampf.

Die Bundeswehr hat ein zweite Gruppe ukrainischer Soldaten am Flugabwehrsystem Patriot ausgebildet. Das Training der etwa 70 Männer und Frauen stand nach mehr als sechs Wochen vor dem Abschluss. Die Verteidigung des ukrainischen Luftraums sei eine zentrale Aufgabe, sagte Generalleutnant Andreas Marlow, Befehlshaber des multinationalen Ausbildungskommandos («Special Training Command»), bei einem Ortsbesuch. Er verwies darauf, dass sich russische Angriffe gezielt gegen zivile Infrastruktur in der Ukraine richte.

Marlow besuchte am Freitag die Ausbildung auf einem Standort der Luftwaffe in Deutschland, der öffentlich nicht genannt werden soll. Das Ausbildungskommando selbst hat seinen Sitz in Strausberg bei Berlin und steuert die Arbeit der vor mehr als einem Jahr gestarteten EU-Trainingsmission (EUMAM) für die Ukraine. Die Bundeswehr und ihre Partner wollen bis zum Jahresende etwa 10.000 Ukrainer in unterschiedlichen Aufgaben ausgebildet haben.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte der Ukraine im Oktober weitere Waffenlieferungen und finanzielle Unterstützung zugesagt. Bei diesem sogenannten Winterpaket sei zentral all das, was zur Luftverteidigung nötig sei. So werde Deutschland der Ukraine auch ein zusätzliches Patriot-System liefern.

Patriot («Phased Array Tracking Radar for Intercept on Target») zählt zu den modernsten Flugabwehrsystemen der Welt. Damit können feindliche Flugzeuge, ballistische Raketen und Marschflugkörper bekämpft werden. Auf eine Entfernung von etwa 100 Kilometern und bis in Höhen von 30 Kilometern können die Abwehrraketen in einer gedachten Glocke um die Stellung Ziele treffen - abhängig vom eingesetzten Lenkflugkörper.

Die Ukrainer zeigten dem General in verschneitem Gelände, wie sie im Feuerleitstand arbeiten und die sogenannte Startgeräte einsatzbereit machen. Dabei handelt es sich um geländegängige Lastwagen, auf denen die Lenkflugkörper geladen sind und abgefeuert werden können. Für das Training selbst können geografisch Szenarien aus der Ukraine in die Feuerleitstände eingespielt werden. Viele der Ukrainer haben bereits Erfahrung mit Luftverteidigungssystemen wie dem in Sowjetzeiten entwickelten Flugabwehrsystem S-300.

«Die sind alle kampferfahrende Soldaten, die auch vorher im Bereich der Flugabwehr tätig waren», sagte eine deutsche Ausbilderin. «Unsere Ausbildung schließt ab mit einer zweitägigen Übung, wo wir am Ende alles das, was gelernt worden ist, nochmal abrufen.» Das Waffensystem sei sehr komplex, aber sie seien Schritt für Schritt eingeführt worden, sagte ein ukrainischer Offizier, etwa 50 Jahre alt und mit Hinweis auf Sicherheitsgründe vermummt. Er sagte: «Wir sind bereit. Aber unser Training ist noch nicht beendet.»

Marlow sagte, es sei ein Ausbildungsstand erreicht, mit dem die Ukrainer selbstständig mit diesem Waffensystem arbeiten und damit die Luftverteidigungsaufgaben wahrnehmen könnten. Entscheidender Faktor bei den Ausbildungen seien Motivation und Einsatzbereitschaft. Er sagte: «Das zweite ist, wir haben natürlich eine ganze Menge auch taktische Hinweise bekommen von den Ukrainern, was sie im Kampf mit den Russen gelernt haben, sei es von der Infanterie über Pioniere bis hin zur Luftverteidigung.» Die Bundeswehr überprüfe auf Basis solcher Informationen eigene Einsatzgrundsätze.

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