Zwei Wahrheiten

26. Februar: ein Prozess: Das neue Schirach-Drama

Ina Weisse in der Rolle der Katharina Schlüter und Godehard Giese in der Rolle von Christian Thiede beim Drehstart zum ZDF-Fernsehfilm
Ina Weisse in der Rolle der Katharina Schlüter und Godehard Giese in der Rolle von Christian Thiede beim Drehstart zum ZDF-Fernsehfilm "Sie sagt. Er sagt. Foto: Julia Terjung/Zdf/dpa

BERLIN: Der Titel von Ferdinand von Schirachs neuem Drama «Sie sagt. Er sagt» deutet schon die Kampflinien an: Eine erfolgreiche Fernsehmoderatorin behauptet, ihr ehemaliger Geliebter habe sie vergewaltigt. Im Strafprozess steht Aussage gegen Aussage.

Im September wird von Schirachs Stück in Wien uraufgeführt, in Buchform am 28. Februar veröffentlicht. Bereits zwei Tage zuvor sendet das ZDF an diesem Montag (26. Februar) den Fernsehfilm «Sie sagt. Er sagt.», zu dem von Schirach das Drehbuch schrieb und das auf dem Theaterstück basiert. In der ZDF-Mediathek ist der Film bereits zugänglich.

Das Gerichts-Drama im Zweiten wird von Matti Geschonneck als juristisches Kammerspiel inszeniert. Ina Weisse spielt darin die TV-Moderatorin Katharina Schlüter, die den Industriellen Christian Thiede (Godehard Giese) der Vergewaltigung beschuldigt. Jahrelang verband die beiden eine heimliche Affäre, jetzt sitzen sie einander im Gerichtsaal gegenüber.

Schlüter, als Nebenklägerin und Zeugin, hat das Wort – ihr Ex-Geliebter verteidigt sich schweigend. Im Zeugenstand schildert Schlüter, wie aus dem zunächst einvernehmlichen Sex in Thiedes Wohnung eine Vergewaltigung wurde. Doch reichen Indizien wie Spermaspuren auf dem Kleid, das sie an dem Tag trug, als Beweismittel aus?

Thiedes Verteidigerin Breslau (Henriette Confurius) zeichnet ein anderes Bild: Eine verlassene Geliebte will sich für die von ihr nicht gewollte Trennung rächen und hat den Vorfall frei erfunden. Schlüters Rechtsanwalt Biegler (Matthias Brandt) hingegen verweist auf die eingefrorene Karriere seiner Mandantin und die anstehende Scheidung: Die Offenlegung des heimlichen Verhältnisses im Zuge der Anzeige der Vergewaltigung hat auch das Aus ihrer Ehe bedeutet.

Was ist Wahrheit? Das ist die Frage, mit der sich Richter täglich auseinandersetzen müssen, gerade in Indizienprozessen oder wenn Aussage gegen Aussage steht. Vielleicht ist das Justizgenre gerade deshalb in Literatur und Film so beliebt, müssen sich doch auch Leser oder Zuschauer eine Meinung bilden – schuldig oder unschuldig, Wahrheit oder Lüge?

Von Schirach ist selbst Jurist und hat als Strafverteidiger gearbeitet. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Vorsitzende Richterin und der Vertreter der Staatsanwaltschaft eher blass bleiben. Es sind vor allem die Anwälte Breslau und Biegler, die hier die größte Bühne für einen juristischen Schlagabtausch erhalten. Der verläuft ein wenig aufgeregter und emotionaler als im Alltag der Strafprozesse vor deutschen Gerichten üblich.

In einem Voice-over ergreift auch der Autor selbst das Wort: Über die Schuld oder Unschuld eines Menschen werde in einem Rechtsstaat nicht in Zeitungen entschieden, nicht im Fernsehen, nicht in den sozialen Medien und nicht in den Foren des Internets, mahnt er darin. «In einem Strafverfahren versuchen die Richter, die Wahrheit herauszufinden. Sie hören Zeugen und Sachverständige, sie sehen sich sorgfältig die vorgelegten Beweise an, sie prüfen die Argumente des Staatsanwalts, des Nebenklägers und des Verteidigers. Aber es gibt keine Wahrheit um jeden Preis.»

Da ist es nur konsequent, dass am Ende des Films nicht das Urteil steht, sondern das Publikum mit den Aussagen beider Parteien konfrontiert wird. Wer hat die Wahrheit gesagt? Das offene Ende dürfte zu mancher Zuschauerdiskussion nach dem Abspann führen.

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Leserkommentare

Vom 10. bis 21. April schließen wir über die Songkranfeiertage die Kommentarfunktion und wünschen allen Ihnen ein schönes Songkran-Festival.

Tim Beam 27.02.24 10:50
Auf den Hund gekommen @see you 12.30 h
Sein Vater war vielleicht ein Bullterrier. Mein Vater aber war ein Seehund. Trotzdem bin ich ein Landei geblieben.
SeeYou 26.02.24 14:10
@Peter Joe
Danke für die schnelle und umfangreiche Beantwortung meiner Fragen! Jetzt ist alles klar bzgl. des Dackel-/Schäferhund-Vergleichs! 5555
Monruedee Kanhachin 26.02.24 13:50
Herr Peter Joe
Was ist denn ein "Schirach Drama"? Shiraz Drama-schlechten Rotwein getrunken? Oder ein Drama auf dem Abort wegen zu scharfer Sriracha Saucce?
Peter Joe 26.02.24 13:40
SeeYou @ wer sich die Augen reibt sollte sich auch einige Fragen stellen? Geschichte aus dem Wienerwald und andere Maerchen.
SeeYou 26.02.24 12:30
@Peter Joe
Wollen Sie mit Ihrem Dackel-/Schäferhund-Vergleich auf Ihre Situation aufmerksam machen oder damit den Beweis erbringen, dass es in umgekehrter Form tatsächlich funktioniert? Sorry, aber ich kenne/kannte Ihren Vater ja nicht!
Peter Joe 26.02.24 11:30
Fluechtlinge messern sich durch Europa, ist der Vater ein Dackel wird der Sohn kein Schaeferhund und der Beschuldigte wurde nach Aufnahme der Personalien wieder auf freien Fuss gesetzt. Freie Gedanken zum Schirach Drama.