Zwei ehemalige Iran-Gefangene bei Atomgesprächen im Hungerstreik

Iran ist bereit, zu den Atomgesprächen in Wien zurückzukehren. Foto: epa/Abedin Taherkenareh
Iran ist bereit, zu den Atomgesprächen in Wien zurückzukehren. Foto: epa/Abedin Taherkenareh

WIEN: Am Rande der Atomverhandlungen mit dem Iran in Wien drängen zwei Männer mittels Hungerstreiks auf die Freilassung von westlichen Langzeit-Gefangenen in der Islamischen Republik. Die beiden haben Ähnliches erlebt. Barry Rosen war als junger US-Diplomat während der iranischen Geiselkrise von 1979 bis 1981 mit Dutzenden anderen amerikanischen Botschaftsangehörigen in Haft, wie er der Deutschen Presse-Agentur am Samstag erzählte. Er fastet seit Mittwoch. Fast gleichzeitig trat Nizar Zakka in den Hungerstreik. Der US-Libanese war 2015 wegen angeblicher Spionage im Iran festgenommen worden und kam nach fast vier Jahren frei.

Aktuell werden mehr als ein Dutzend Menschen aus westlichen Ländern bekannt, die wegen angeblicher politischer Vergehen oder Spionage im Iran festgehalten werden. Dazu gehört die Deutsch-Iranerin Nahid T., die 2021 im Alter von 67 Jahren wegen angeblicher staatsfeindlicher Aktivitäten zu mehr als 10 Jahren Haft verurteilt wurde.

«Ich will, dass der Iran alle diese Geiseln sofort freilässt», sagte der 77-jährige Rosen der Deutschen Presse-Agentur. Er fordert stärkeren Druck von den USA, Deutschland, Frankreich und Großbritannien für ihre Bürger, die im Iran hinter Gittern sind. Außerdem müsse man den Gefangenen signalisieren, dass sie nicht vergessen sind, sagte der 55-jährige Zakka.

«Diese Krise hat unsere volle Aufmerksamkeit», schrieb der hochrangige US-Diplomat Robert Malley nach einem Treffen mit Rosen in Wien auf Twitter. Er forderte Rosen jedoch auf, den Hungerstreik zu beenden. Rosen hat sich im Luxushotel Palais Coburg einquartiert, wo die Verhandlungen stattfinden. Zakka wohnt im Hotel Imperial, das der US-Delegation als Stützpunkt dient.

Malley verhandelt mit Kollegen aus den drei europäischen Staaten seit Monaten über die Wiederherstellung des Atompaktes, um Teheran vom Bau von Nuklearwaffen abzuhalten. Dazu müssten US-Sanktionen aufgehoben und das iranische Atomprogramm eingeschränkt werden. US-Außenminister Antony Blinken sprach am Donnerstag bei einem Besuch in Berlin von nur «bescheidenen Fortschritten» bei den Atomverhandlungen.

Laut Rosen und Zakka sollte der Westen keiner Atom-Lösung zustimmen, wenn nicht auch Freilassungen garantiert werden. Er sei gefoltert worden, und auch jetzt noch würden Ausländer im gleichen Gefängnis in Teheran leiden wie er damals, sagte Rosen. «Die psychologischen Folgen meiner Gefangenschaft lassen mich bis heute nicht los».

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