Versetzt nach Göttingen

Lindholm ermittelt in einem Missbrauchsfall

Kommissarin Lindholm (Maria Furtwängler, 2.v.l.) und mit Karsten Scholz (Luc Feit, l) und Anaïs Schmitz (Florence Kasumba) in einer Szene des
Kommissarin Lindholm (Maria Furtwängler, 2.v.l.) und mit Karsten Scholz (Luc Feit, l) und Anaïs Schmitz (Florence Kasumba) in einer Szene des "Tatort - Das verschwundene Kind". Foto: Christine Schroeder/Ard/NDR/dpa

HANNOVER (dpa) - Maria Furtwängler wird als «Tatort»-Kommissarin nach Göttingen strafversetzt. An der Seite ihrer neuen Kollegin beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Wo ist die Frau, die auf einem verdreckten Sportplatz-Klo ein Kind zur Welt brachte? Und lebt ihr Baby noch?

Es ist ein Thema, das niemanden kalt lässt: Im neuen «Tatort» mit Maria Furtwängler steht eine 15-Jährige im Mittelpunkt, die heimlich ein Kind bekommt und dabei beinahe verblutet. Der verdrängten Schwangerschaft ist ein Missbrauch vorausgegangen. Doch von der jungen Mutter und dem Säugling fehlt jede Spur. So bleibt Kommissarin Charlotte Lindholm an ihrem ersten Tag bei der Polizei Göttingen keine Zeit, weiter über ihre Strafversetzung aus dem Landeskriminalamt Hannover zu schmollen.

Am Einsatzort, einer abbruchreifen Sportplatz-Toilette, hält sie ihre neue Kollegin Anaïs Schmitz (Florence Kasumba) beim ersten Treffen irrtümlich für die Reinigungskraft - eine Anspielung auf alltäglichen Rassismus, denn die Kommissarin ist schwarz. Kasumba gibt im Fall «Das verschwundene Kind» am Sonntag (3. Februar, 20.15 Uhr) ihr Debüt als Göttinger Ermittlerin - und sie ist eine Bereicherung für den «Tatort».

Die 42-Jährige spielte schon in dem Oscar-Anwärter «Black Panther» eine Kriegerin. Auch als Kommissarin ist sie smart und stark, hat in der Rolle aber ein Aggressionsproblem, wie Schmitz selbst zugibt. Bei der Suche nach der Mutter und ihrem Baby geraten die beiden Kommissarinnen heftig aneinander. Schmitz und Lindholm seien eben «zwei Alpha-Frauen», beschreibt es Furtwängler. Daraus könne man noch vieles Spannendes entwickeln, meint die Schauspielerin.

Göttingen hat eine hübsche Fachwerk-Altstadt, einige historische Uni-Gebäude, und nicht nur die Studierenden sind stets mit dem Fahrrad unterwegs. Abseits der Idylle kämpfen hier Menschen jeden Tag ums Überleben: Die 15-jährige Julija (Lilly Barshy) wohnt mit ihrem besitzergreifenden Vater und ihrer kleinen Schwester in einem heruntergekommenen Hochhausblock. Ein älterer Schüler, der Drogen vertickt, bezeichnet sie abfällig als «Schlampe», ein Lehrer scheint mehr an ihr interessiert, als es erlaubt ist. Und da ist noch Julijas geliebter Stiefbruder (Emilio Sakraya) - ein Kickboxer, der gerade eine Gefängnisstrafe abgesessen hat.

War einer von ihnen dabei, als Julija ihr Baby auf dem dreckigen Klo zur Welt brachte? Und wo ist das Kind jetzt? Wie lange kann ein unversorgtes Neugeborenes überleben? Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit: Die ungleichen Kommissarinnen kämpfen mit allen Mitteln dafür, das Kleine lebend zu finden.

Regelmäßig wird über ausgesetzte oder getötete Säuglinge in den Medien berichtet, aber welche Schicksale verbergen sich dahinter? Nicht funktionierende Mutterliebe sei eines der größten gesellschaftlichen Tabus, sagt Regisseurin Franziska Buch. Ihr sei es in diesem Film darum gegangen, die 15-Jährige wegen ihrer verdrängten Schwangerschaft nicht zu verurteilen. Tatsächlich spürt der Zuschauer den Schmerz des einsamen Teenagers und kommt auch anderen Kindern so nah, dass es wehtun kann. «Die Grenzen zwischen Opfer und Täter sind manchmal sehr dünn und beweglich», sagt Buch. «Das war mir wichtig bei diesem "Tatort" – alle handeln aus einer emotionalen Not heraus.»

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