Auftrag in Afrika

Spionageserie «Deutschland 86» bei Amazon

DDR-Agent Martin Rauch (Jonas Nay) und seine Kollegin Lenora Rauch (Maria Schrader) am Wild Geese Club in einer Szene der Spionageserie «Deutschland 86» (undatierte Filmszene). Foto: Anika Molnar/Amazon 2018/dpa
DDR-Agent Martin Rauch (Jonas Nay) und seine Kollegin Lenora Rauch (Maria Schrader) am Wild Geese Club in einer Szene der Spionageserie «Deutschland 86» (undatierte Filmszene). Foto: Anika Molnar/Amazon 2018/dpa

BERLIN (dpa) - Für RTL verlief die Spionageserie «Deutschland 83» vor drei Jahren nach Quoten enttäuschend - weltweit stieß die Produktion jedoch auf Anerkennung. Daher bringt Amazon Prime Video jetzt «Deutschland 86».

Preisgekrönt, von der Kritik hochgelobt und in mehr als 110 Ländern zu sehen: «Deutschland 83» war ein internationaler Erfolg. In ihrem Entstehungsland erzielte die deutsch-deutsche Spionageserie mit Jonas Nay und Maria Schrader allerdings nur eine enttäuschende Zuschauerquote, als sie im Herbst 2015 bei RTL lief. Die zweite Staffel mit dem Titel «Deutschland 86» ist zum Streamingdienst Amazon Prime Video gewandert, wo sie von Freitag (19. Oktober) an abrufbar ist. RTL hält die Rechte an der Free-TV-Erstausstrahlung des spannenden Kalten-Krieg-Thrillers.

In Berlin und Südafrika wurde die Fortsetzung gedreht. Die zweite Staffel der Serie umfasst zehn Episoden mit je 45 Minuten Länge. Die US-Premiere ist am 25. Oktober auf Sundance TV. Und bereits jetzt steht fest: Die Serie mit Jonas Nay als ostdeutschem Agent im Westen wird in eine weitere Verlängerung gehen. An «Deutschland 89» wird bereits gearbeitet.

Die zweite Staffel knüpft an die Geschichte des DDR-Grenzsoldaten Martin (Jonas Nay) an, der in die Bundeswehr eingeschleust wurde und nach diversen Verfehlungen von der Stasi nach Angola verbannt wurde. Die DDR ist im Jahr 1986 fast pleite, die SED-Führung benötigt dringend Devisen, um das Land vor dem finanziellen Untergang zu retten. Die sozialistischen Agenten, in der DDR «Kundschafter des Friedens» genannt, sollen bei riskanten Aktionen rund um den Globus Geld auftreiben.

Da werden dann auch Geschäfte mit den ärgsten Feinden gemacht. Martins ebenfalls als Agentin tätige Tante Lenora (Maria Schrader) fädelt in Kapstadt einen folgenschweren Waffendeal ein. Für die Mission rekrutiert sie auch den auf das Abstellgleis geschobenen Martin wieder. Schnell geraten die Agenten aber zwischen alle Fronten. Der Auftrag in Afrika entwickelt sich zu einem lebensgefährlichen Abenteuer - spektakuläre Action inbegriffen.

Zuhause in der DDR ordnet die HVA, die Hauptverwaltung Aufklärung, zur Devisenbeschaffung unterdessen eine dubiose medizinische Versuchsreihe eines neuen Medikaments an Patienten an. Doch die Skrupel der betreuenden Ärztin Tina (Fritzi Haberlandt) werden immer größer. Martins in der DDR zurückgebliebene Freundin Annett (Sonja Gerhardt) geht dagegen inzwischen völlig in ihrer Rolle als ehrgeizige und willfährige HVA-Mitarbeiterin auf.

Die Serie von Anna und Jörg Winger lebt von ihrem eng gestrickten Handlungsgeflecht und den vielen, fein ausgearbeiteten Charakteren - zu denen gehören auch Lavinia Wilson als Martins Geliebte und Ehefrau des westdeutschen Handelsattachés in Kapstadt, Florence Kasumba als ANC-Geheimagentin und Sylvester Groth als degradierter HVA-Mitarbeiter. In der Regie von Arne Feldhusen und Florian Cossen entspinnt sich die dramatische Story, die auch durch sorgfältig ausgewählte Musik und detailreiche Ausstattung das Lebensgefühl der 80er Jahre perfekt trifft.

Der Sound der Zeit wird bereits im Vorspann eingefangen, in dem dieses Mal die englische Version von Peter Schillings «Major Tom» zu hören ist. Das Liebesspiel von Martin und seiner Geliebten wird von Elvis Costellos «I want you» begleitet. «Such a Shame» von Talk Talk ist die musikalische Untermalung einer Schießerei in einer angolanischen Ölraffinerie, bei der am Ende in Zeitlupe blutbefleckte Dollarscheine durch die Luft wirbeln.

Ob Apartheid, Tschernobyl oder Aids - vor dem Hintergrund der Probleme der Zeit entwickelt sich die Spionagegeschichte rasant und durch TV-Ausschnitte und kurze Comic-Einschübe gut eingebettet in die politische Weltlage. Am Ende von «Deutschland 86» sieht Martin zum ersten Mal seinen Sohn Max - und er muss eine einschneidende Entscheidung treffen.

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