«Ich bin kein Sonntags-Krimi-Gucker»

Der Schauspieler Matthias Brandt im Kino Babylon vor Beginn der Premiere von «Polizeiruf 110». (zu dpa
Der Schauspieler Matthias Brandt im Kino Babylon vor Beginn der Premiere von «Polizeiruf 110». (zu dpa "Matthias Brandt: «Ich bin kein Sonntags-Krimi-Gucker»" vom 12.12.2018) Foto: Britta Pedersen/Zb/dpa

MÜNCHEN (dpa) - Am Sonntag endet eine kleine Fernseh-Ära in der ARD: Matthias Brandt hat seinen letzten Auftritt als Kommissar Hanns von Meuffels im «Polizeiruf 110» aus München. Es wurde Zeit, sagt er im Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Als Hanns von Meuffels die folgenschwere Entscheidung trifft - folgenschwer für sich selbst, folgenschwer für die «Polizeiruf 110»-Reihe - da läuft in seinem Auto eine CD mit dem Titel «Melancholia». «Drei Jahrhunderte trauriger Musik».

Es ist der traurige Soundtrack für den letzten Auftritt von Schauspieler Matthias Brandt als Sonntags-Kommissar in der ARD. Dieser Soundtrack, diese Melancholie bestimmt seine 15. und letzte Episode an diesem Sonntag (20.15 Uhr), die «Tatorte» heißt - ein kleiner Seitenhieb auf die immer noch größere Konkurrenz am ARD-Sonntagabend.

Bei all dem Abschiedsschmerz gerät von Meuffels' letzter Fall beinahe zur Nebensache - obwohl der es durchaus in sich hat. Der Kommissar muss den Mord an einer Sozialpädagogin aufklären, die vor den Augen ihrer siebenjährigen Tochter erschossen wurde. Am Tatort werden verwaschene Porno-Fotos gefunden, schnell fällt der Verdacht auf den Ex-Mann des Opfers. Schließlich lieferte sich das Ex-Paar einen erbitterten Sorgerechtsstreit. Alles scheint auf den Ex hinzudeuten, doch von Meuffels - den die Ermittlungen auch in einen Swingerclub führen - glaubt nicht an zu offensichtliche Lösungen.

Das Problem: von Meuffels ist nicht richtig bei der Sache. Herzschmerz. Seine Kollegin Constanze (Barbara Auer) hat ihn und München verlassen und unterrichtet Nachwuchs-Polizisten an der LKA-Schule in «Scheiß-Nürnberg» (O-Ton von Meuffels). Für ihre Unterrichtsstunden denkt sie sich Übungs-Tatorte aus - der Grund für den Titel.

Die Frau an von Meuffels' Seite in München ist stattdessen seine neue Assistentin Nadja (Maryam Zaree) - jung, engagiert und euphorisch, weil sie mit dem großen Kommissar zusammenarbeiten darf. Doch der macht es ihr alles andere als leicht, ist überheblich, hat Wutanfälle und lässt sie mit ihren frisch erlernten Ermittlungsmethoden immer wieder auflaufen. «Das ist doch scheiße, das ist wie im Fernsehen - Wo haben Sie denn das gelernt?» Dass sie sich mit den Kollegen anfreundet, gefällt dem Einzelgänger von Meuffels auch nicht. «Sie haben's mit Vornamen. Ein bisschen wie IKEA.»

Dabei ist es schließlich Nadja, die den Fall löst. Das hochdramatische Ende besiegelt auch das Ende der Meuffelschen Polizeikarriere. «Ich kann das nicht mehr, Constanze, ich kann das nicht mehr.»

Trotzdem ist der Fall in diesem letzten Brandt-«Polizeiruf» eigentlich nur die Kulisse für ein großes Abschiedsspektakel. Regisseur und Drehbuchautor Christian Petzold zelebriert Brandts Akt regelrecht mit immer wieder kleinen Anspielungen. Aber schließlich geht hier auch eine kleine Fernseh-Ära zu Ende.

Einmal - gegen Ende - trifft von Meuffels seine frühere Assistentin im Park. Dramaturgisch hat die Szene im Grunde keine Bedeutung. Sie sagt: «Ich dachte immer, dass Sie bald quittieren - ist ja kein Beruf, so was. Haben Sie ja immer gesagt und nicht nur einmal.»

Ob von Meuffels den Abschied bekommen hat, den er verdient? «Da habe ich mir - ehrlich gesagt - keine Gedanken drüber gemacht», sagt Brandt im Interview der Deutschen Presse-Agentur. «Ich bin nach dem letzten Drehtag und der letzten Szene frohen Herzens vom Set gegangen und habe das Gefühl, dass es so schon richtig war.»

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