Neuer Chef bei «Nord Nord Mord»

Brix tritt Nachfolge von Atzorn an

Der Schauspieler Peter Heinrich Brix, aufgenommen am Set der ZDF-Krimireihe
Der Schauspieler Peter Heinrich Brix, aufgenommen am Set der ZDF-Krimireihe "Nord Nord Mord". Der neue Krimi «Nord Nord Mord – Sievers und die Frau im Zug»wird am 15.10. 2018 im ZDF zu sehen sein. Foto: Daniel Reinhardt/Dpa

WESTERLAND (dpa) - Schauspieler Robert Atzorn hat seine TV-Karriere beendet und damit auch Sylt-Ermittler Theo Clüver in den Ruhestand geschickt. Das ZDF setzt die Reihe fort - nun gibt Peter Heinrich Brix seinen Einstand.

Der Neue auf Sylt scheint wirklich wenig Lust auf die Insel zu haben. «Sylt und ich - das passt einfach nicht», erklärt der Kieler Hauptkommissar Sievers seinen neuen Kollegen beim ersten Feierabendbier. «Da, wo ich herkomme, sind die Hecken nicht so hoch - und die Frisuren. Von den Nasen mal ganz zu schweigen.» Auf seinem Kieler Kiez koste ein Käsebrot auch keine 14 Euro. Auch sonst kommt Sievers, mürrisch und wortkarg, bei seinem Start in der ZDF-Krimireihe «Nord Nord Mord» zunächst nicht gerade sympathisch daher - ganz anders als die Paraderolle des Schauspielers Peter Heinrich Brix: der leicht trottelige Bauer Adsche in «Neues aus Büttenwarder», mit dem er zu den Publikumslieblingen gehört.

Der Film «Sievers und die Frau im Zug», den das ZDF an diesem Montag (20.15 Uhr) zeigt, ist der erste nach dem Abschied von Schauspieler Robert Atzorn (73), der damit Anfang dieses Jahres auch einen Schlussstrich unter seine TV-Karriere zog. Acht Einsätze hatte er seit 2011 als Hauptkommissar Theo Clüver, dann verabschiedete sich seine Filmfigur in den Ruhestand. Die Reihe aber, deren einzelne Folgen oft mehr als sieben Millionen Zuschauer einschalteten und die selbst mit Wiederholungen in diesem Jahr sehr gute Einschaltquoten erzielte, geht weiter. Mit an Bord nach wie vor: die beiden Ermittler Ina Behrendsen (Julia Brendler) und Hinnerk Feldmann (Oliver Wnuk), zwischen denen es weiter amüsant knistert.

Die Fußstapfen, in die er trete, seien vielleicht ein paar Nummern größer als die eigenen, sagte Brix (63) während der Dreharbeiten. «Aber ich habe da gar nicht lange überlegt, sondern empfinde das als großes Geschenk und Privileg. Es ist wie im Leben, einer geht, einer kommt - das ist doch wunderbar.» Sein Carl Sievers, der die meiste Zeit in der Kieler Heimat verbrachte und nie verheiratet war, gibt sich nicht nur spröde, er bleibt auch erst mal geheimnisvoll und behält etwa gesundheitliche Probleme für sich. Auch über den Grund für die Zwangsversetzung nach Sylt spricht er nicht. «Ich mag solche Typen mit einer ein Stück weit gebrochenen Biografie», sagt Brix. «Der ist aus dem Leben - und auch sehr nordisch.»

Kaum ist Sievers in der neuen Dienststelle angekommen, wird eine Leiche gefunden. Der Tote ist Gunnar Schneider, ein Ex-Kollege aus Kiel, von der Schutzpolizei. In seinem Sylter Hotelzimmer entdecken die Ermittler eine Kamera mit Fotos des Gastronomen Oliver Kruse (Ralph Herforth), der in Lokalen auf der Insel und in der Landeshauptstadt mit Drogen dealen soll. Spielte Erpressung eine Rolle oder geht es um einen älteren Fall, den Schneider bearbeitet hatte? Damals untersuchte er eine Fahrerflucht mit Todesfolge - die kleine Tochter von Sandy Freyer (Sinja Dieks) kam dabei ums Leben. Doch wo steckt Freyer?

Nebenbei muss sich das Ermittlertrio einspielen. Dabei hatte sich Feldmann selbst große Hoffnungen auf Sievers' Job gemacht und wird in seinen Träumen noch immer für heldenhaften Einsatz und unschätzbare Dienste zum Leiter der Dienststelle befördert. Ganz nebenbei erfährt er von Kollegin Behrendsen, dass auch sie sich beworben hatte. Doch während sie es sportlich nehmen will, wünscht er dem Neuen «Hämorrhoiden und ganz kurze Arme». Beide, noch immer kein Paar, liefern sich wieder liebevolle Frotzeleien. Er wolle generell jeden Versuch unterlassen, witziger sein zu wollen, als die beiden miteinander, erklärt Brix im ZDF-Interview.

Brix geht es darum, «den ernsten, verschlossenen Charakter von Sievers zu zeigen, der anfangs fast am Rande des Unsympathischen daherkommt». Dem neuen Einsatzort auf der Insel der Reichen und Schönen kann Sievers, der aus einfachen Verhältnissen stammt, wirklich kaum etwas abgewinnen. Er vermisst seine Stammkneipe in Kiel und findet Elvis Presleys Song «Ghetto», der gerade im Autoradio läuft, perfekt auf Sylt zutreffend. Die Slums in Chicago und Kampen - «das ist ja mal ein gewagter Vergleich», sagt Feldmann. Sein neuer Chef sieht das anders: «Ist doch auch eine soziale Minderheit, die hier abgeschottet vom Rest der Welt ihr Dasein fristet.»

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