Doku bei Arte und im Ersten

«Das Geheimarchiv im Warschauer Ghetto»

Szene der Dokumentation «Das Geheimarchiv im Warschauer Ghetto» (undatierte Filmszene). Foto: Anna Wloch/Ndr/ARTE/dpa
Szene der Dokumentation «Das Geheimarchiv im Warschauer Ghetto» (undatierte Filmszene). Foto: Anna Wloch/Ndr/ARTE/dpa

BERLIN (dpa) - Dokumente und Fotos können viele Geschichten erzählen und manchmal auch die Erinnerung wachhalten an Geschehnisse, die mancher lieber vergessen würde. Das gilt umso mehr für das «Das Geheimarchiv im Warschauer Ghetto».

Es ist ein wenig bekannte Geschichte aus der Zeit des Holocaust. Während Millionen von Juden ermordet wurden, versuchten einige wenige im Warschauer Ghetto die Erinnerung an das jüdische Leben in der Stadt und an das Schicksal der Ghettobewohner vor dem Vergessen zu bewahren. Ihrer Geschichte widmet sich der 90-minütige Dokumentarfilm «Das Geheimarchiv im Warschauer Ghetto». Er ist am kommenden Dienstag (20.15 Uhr) bei Arte und eine Woche darauf darauf (22. Januar, 22.45 Uhr) im Ersten zu sehen.

Der Film setzt am 19. September 1946 ein: Eine Frau reist mit dem Zug durch eine Landschaft voller Wälder. «Die von den Toten wiederauferstandenen Schriften sind Augenzeugenberichte unserer Tragödie und unseres Widerstandes», wird Rachel Auerbach (1903-1976) später sagen. Die Journalistin und Literaturkritikerin war Anfang 1930 nach Warschau gekommen, wo sie die Intensität und Vielfältigkeit des jüdischen Lebens sofort faszinierte.

Dort erschienen damals allein sechs jüdische Zeitungen, und es gab rund 100 moderne jüdische Schulen. Auerbach war mit Itzik Manger (1901-1969) liiert, bis der in Rumänien aufgewachsene Dichter im April 1938 aus Polen ausgewiesen wurde. Sie blieb, und sie blieb fortan allein.

Der Pädagoge und Publizist Dr. Emanuel Ringelblum, der über die Geschichte der Warschauer Juden im Mittelalter promoviert hatte, organisierte in jener Zeit Hilfsaktionen wie Suppenküchen und Waisenhäuser für alle Flüchtlinge, die nach Warschau kamen. Auerbach unterstützte ihn bei seiner Arbeit, obgleich ihre Familie sie zur Abreise drängte.

Sie und andere halfen Ringelblum dabei, Fotos und Filme zu sichern - ahnte er doch, dass Erinnerungen und Erzählungen von Menschen nicht nur geschönt werden können, sondern auch schnell zu verblassen drohen. Seine gesammelten einzigartigen Dokumente wurden in Metallkästen und Milchkannen versteckt: Plakate, Zeitungsberichte, Lebensmittelkarten, Tagebücher und Gedichte, auch Schriftstücke der Nazis.

Autorin und Regisseurin Roberta Grossmann (60, «Gloria Allred – Kämpferin der Gerechten», «Above and Beyond») lässt die damalige Zeit in nacherzählten filmischen Szenen wieder aufleben. Sie blendet dazu historische Fotos und Dokumente des Lebens und Sterbens ein, darunter auch Seiten aus dem Tagebuch von Ringelblum, der Ringelblum 1944 im Warschauer Ghetto erschossen wurde. Zehn Blechkisten mit etwa 1700 Archivposten wurden im Herbst 1946 unter den Trümmern ausgegraben und werden heute im Jüdischen Historischen Institut in Warschau aufbewahrt. Die Sammlung wurde 1999 in das Weltdokumentenerbe der Unesco aufgenommen.

Nicht zuletzt durch die Einordnungen von Historikern erfährt der Zuschauer bislang wenig bekannte Einzelheiten und Zusammenhänge aus der Zeit des Nazi-Terrors, der für die jüdischen Menschen in Warschau und im abgeriegelten Ghetto dort wie eine «Welle des Bösen und ein unvermeidbares Schicksal» über sie hereinbrach - so heißt es im Film, der anlässlich des Holocaust-Gedenktags am 27. Januar ins Fernsehen kommt. Die realistisch geschilderten Alltagsszenen aus dem Ghetto werden kaum einen Zuschauer unberührt lassen.

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