Die Arte-Serie «Giftige Saat»

zwischen Lobbyismus und Paranoia

Mathieu Bowman (Jean-Francois Sivadier) ist der Anwalt und Lobbyist des Agrarchemie-Unternehmens Saskia in einer Szene der Miniserie «Giftige Saat». Foto: What's Up Films/Arte/dpa
Mathieu Bowman (Jean-Francois Sivadier) ist der Anwalt und Lobbyist des Agrarchemie-Unternehmens Saskia in einer Szene der Miniserie «Giftige Saat». Foto: What's Up Films/Arte/dpa

BERLIN (dpa) - Die 2018 beim Fernsehfilm-Festival von La Rochelle ausgezeichnete Miniserie «Giftige Saat» fragt: Wie weit darf der Mensch gehen, um sich die Erde untertan zu machen? Eine Antwort gibt sie nicht. Gut so.

Bei Serien sind Produktionen aus den USA weit vorn. Aber auch solche aus Frankreich sind hin und wieder über die Grenzen des Landes hinaus erfolgreich - wenn auch meistens in bescheidenerem Umfang. Das dürfte auch bei «Giftige Saat» nicht anders sein. Die neue Arte-Serie startet am Donnerstag (13. Juni) um 21.45 Uhr. Es geht um das Thema Pestizid-Lobbyismus in Landwirtschaft und Politik. Doch in den fünf rund einstündigen Folgen spielt sich nicht weniger ab als in gefeierten Serienhits wie dem Politthriller «House of Cards».

Als der Landwirt Michael (Jan Hammenecker) eines Tages nach der Feldarbeit zusammenbricht und kurz darauf in ein Krankenhaus eingeliefert wird, ist der Schock groß. Die Diagnose: Leukämie - Blutkrebs. Sowohl für ihn als auch für seine Familie stellt sich vor allem eine Frage: Hat das von ihnen seit Jahren verwendete Pflanzenschutzmittel etwas mit der Erkrankung zu tun?

Michaels alter Freund Guillaume (Laurent Stocker) lässt diese Frage nicht los. Da sich die Ärzte in Schweigen hüllen, beginnt er, auf eigene Faust nachzuforschen. Als Parlamentsabgeordneter will er sich für ein Verbot von Pestiziden einsetzen und zieht damit den Zorn der Pestizid-Lobby auf sich, die sich im Namen des Agrar-Riesen Saskia vehement gegen eine Gesetzesänderung ausspricht. Die Fronten sind verhärtet, bis ein Todesfall die Karten noch einmal ganz neu mischt.

Die Bilder sind düster, die Geschichte ist komplex. Die Figuren sind ambivalent, und kaum jemand in diesem Spinnennetz aus Paranoia scheint das zu sein, als was er auf den ersten Blick erscheint. In bester Agententhriller-Manier dröselt Regisseur Jean-Xavier de Lestrade («Dreimal Manon») seine Geschichte auf und entwickelt ein Geflecht aus Verschwörungen, das erst mit der letzten Folge vollends zu durchschauen ist.

Dabei ist die Ausgangslage klar: Ein Mensch erkrankt, die Umstehenden fragen nach den Ursachen. Und erst als Guillaume sich sehr weit auf das Thema einlässt, offenbart sich, in was für ein Wespennest er hier gestochen hat. Doch «Giftige Saat» ist mehr als der vor allem von spitzfindigen Dialogen vorangetriebene Kampf gegen einen Konzern und kein David-gegen-Goliath-Szenario. Das vierköpfige Autorenteam rund um de Lestrade beleuchtet den Konflikt von mehreren Seiten.

Da sind auf der einen die Landwirte - auf gewisse Weise von den Pestiziden abhängig, um gegen die Konkurrenz anzukommen und gleichzeitig darauf angewiesen, dass ihnen die großen Konzerne keine Giftmische andrehen. Doch die Konzerne stehen auf der anderen Seite. Es geht, wie so oft, um Profit und Imagewahrung. Dazwischen finden sich Politiker und Journalisten.

Manche Figuren bleiben blasser als andere, doch das ist nicht schlimm. In «Giftige Saat» geht es in erster Linie um die Sache. Eine Emotionalisierung der Geschichte würde dem ganzen nicht gerecht, auch wenn sie so zum Teil etwas sperrig wirkt. Aber genau das macht sie auch so unbequem, wodurch sie etwas schafft, was man vielen fiktionalen Werken nachsagt, was aber nur selten stimmt: Sie regt zum Nachdenken an.

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