«Das Menschenmögliche» ist ein kritisches Drama über den Klinikalltag

BERLIN (dpa) - Kaum Personal, lange Schichten: Eine ambitionierte Ärztin muss täglich unter schwierigen Bedingungen arbeiten. Es dauert nicht lange, bis ihr ein folgenschwerer Fehler unterläuft.

In einer der ersten Szenen steht Judith (Alissa Jung) vor einer Schulklasse und erklärt, warum sie Fachärztin werden will. «Legt mal eure rechte Hand auf die linke Brust», fordert sie die die Kinder auf. «Das ist das Herz, und genau darum möchte ich mich kümmern - dass alle Herzen immer möglichst lange schlagen.» Judith, das wird schnell deutlich, brennt für ihren Beruf.

In Eva Wolfs Drama, das am Mittwoch (10. Juli) um 23.30 Uhr im ZDF in der Reihe «Shooting Stars - Junges Kino im Zweiten» zu sehen ist, kümmert sich die Protagonistin gewissenhaft um ihre Patienten. Den Angehörigen versichert sie stets, das Menschenmögliche zu tun. Doch was ist das, fragt die Regisseurin, die auch das Drehbuch geschrieben hat, in ihrem Fiction-Debüt.

Was ist das Menschenmögliche unter den Bedingungen, die Judiths Alltag in der Notaufnahme bestimmen? Die Klinik ist chronisch unterbesetzt. Patienten geistern durch die Gänge, im Warteraum drängen sich die Verletzten, und die Sanitäter bringen regelmäßig weitere Menschen, die dringend Hilfe benötigen. Judith kommt kaum hinterher und muss viel Kaffee trinken, um bis tief in die Nacht arbeiten zu können.

Der Stress hat schwerwiegende Folgen. Als sie übermüdet einen Fehler begeht, stirbt eine Patientin. Judiths Welt gerät aus den Fugen. Nicht nur dass sie an sich zu zweifeln beginnt, ihr droht auch ein Strafverfahren. Während gegen Judith eine Untersuchung läuft, macht sie Dienst im Notarztwagen. Der neue Job verändert ihre Sichtweise. Aus der Distanz zum Klinikalltag erkennt sie, wie System alle Beteiligten korrumpiert. Soll sie weiter mitschwimmen und Karriere machen oder sich dagegen stellen?

«Das Menschenmögliche» ist ein emotionsgeladenes Drama, das unter die Haut geht und zum Nachdenken anregt, indem es kritisch die Verhältnisse in den deutschen Kliniken beleuchtet. Einem ähnlichen Thema näherte sich Eva Wolf bereits in ihrer Dokumentation «Intensivstation» aus dem Jahr 2013, die damals für den Deutschen Fernsehpreis nominiert wurde. Mit «Das Menschenmögliche» beweist die Regisseurin, dass sie auch das fiktionale Fach beherrscht.

Dramaturgisch schlägt der Film keinen großen Bogen. Die Spannung ergibt sich eher aus der Intensität einzelner Situationen, in denen die Figuren in Konflikte geraten. Hauptdarstellerin Alissa Jung («Im Brautkleid meiner Schwester») brilliert dabei durch ihr energisches Spiel, das zwischen Geltungsdrang und Aufbegehren changiert. In erster Linie sind es aber die leisen Momente, die den Film so sehenswert machen.

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