Trump wollte Wahl mit Hilfe des Justizministeriums anfechten

Zeugen

Ehemaliger US-Präsident Donald Trump. Foto: epa/Adam Davis
Ehemaliger US-Präsident Donald Trump. Foto: epa/Adam Davis

WASHINGTON: Der damalige US-Präsident Trump wollte seine Wahlniederlage nicht einräumen. Deswegen versuchte er, auch das Justizministerium für seine Zwecke einzuspannen. Nach Aussage eines ranghohen Zeugen brachte er das Land damit an den Rand einer Verfassungskrise.

Ex-Präsident Donald Trump wollte das US-Justizministerium nach Angaben der damaligen Führung des Ressorts dafür missbrauchen, seine Niederlage bei der Präsidentenwahl 2020 abzuwenden. Der damalige geschäftsführende Justizminister Jeffrey Rosen und dessen Stellvertreter Richard Donoghue schilderten bei einer Anhörung des Untersuchungsausschusses zur Erstürmung des US-Kapitols, wie Trump sie vehement unter Druck gesetzt habe. Bei der Sitzung am Donnerstag gaben Zeugen außerdem an, dass mehrere republikanische Abgeordnete um eine vorauseilende Begnadigung Trumps gebeten hätten.

Dokumente und aufgezeichnete Aussagen von ehemaligen Mitarbeitern des Weißen Hauses zeigten bei der Sitzung des Ausschusses, dass sich nach dem 6. Januar unter anderem die Abgeordneten Matt Gaetz, Mo Brooks, Scott Perry und Louie Gohmert um eine solche Begnadigung auch für sich selbst bemüht haben, um vor Strafverfolgung geschützt zu sein. Auch der Name der für die Verbreitung von rechten Verschwörungstheorien bekannten US-Kongressabgeordneten Marjorie Taylor Greene fiel in der Anhörung in diesem Zusammenhang - die Zeugin gab an, von einer solchen Anfrage Greenes gehört zu haben. Einige Angeordnete wie Perry und Gohmert wiesen den Vorwurf zurück. Greene warf dem Ausschuss vor, sich auf Hörensagen zu verlassen.

Die Zeugen Donoghue und Rosen, die unter Trump im Justizministerium arbeiteten, gaben an, dass der damalige Präsident ihnen damit gedroht habe, die Spitze des Hauses neu zu besetzen, um ein Vorgehen der Behörde gegen angeblichen Wahlbetrug zu erreichen. Rosen erklärte, in seiner kurzen Amtszeit an der Spitze des Ministeriums habe Trump ihn vom 23. Dezember 2020 bis zum 3. Januar 2021 praktisch täglich angerufen oder in Videoschalten mit ihm gesprochen. Donoghue erklärte, Trump habe «ein Arsenal an Behauptungen» zu angeblichen Fällen von Wahlbetrug gehabt, «auf das er sich stützen wollte». Der Präsident habe mit Nachdruck gefordert, das Justizministerium solle diese untersuchen. Es habe sich dabei aber um grundlose Behauptungen oder Verschwörungstheorien gehandelt. «Diese Behauptungen waren schlicht gegenstandslos», sagte Donoghue.

Das Justizministerium habe sich an das Recht und die Fakten gehalten, betonte Rosen. Trump habe unter anderem versucht, das Ressort dazu zu bewegen, in einem Schreiben zu erklären, dass die Wahl korrupt gewesen sei, schilderte Donoghue. Trump sagte demnach, den «Rest» - also das Kippen des rechtmäßigen Wahlergebnisses - würden dann er und seine republikanischen Verbündeten im Kongress erledigen. Donoghue betonte, das Schreiben hätte das Ministerium auf gefährlich Weise politisch instrumentalisiert. «Es hätte uns wohl in eine Verfassungskrise abgleiten lassen», sagte er.

Angesichts der Weigerung der Ministeriumsspitze, ihn zu unterstützen, drohte Trump demnach damit, Rosen durch den Spitzenbeamten Jeffrey Clark zu ersetzen, der willens war, die Behörde zur Untergrabung der Wahl zu nutzen. Bei einem dramatischen Meeting im Weißen Haus sei Trump deswegen am 3. Januar klargemacht worden, dass in diesem Fall fast die gesamte Führungsspitze des Ministeriums sofort zurücktreten würde, schilderten Rosen und Donoghue übereinstimmend. Rosen betonte, auch der Rechtsberater des Weißen Hauses, Pat Cipollone, habe Trump abgeraten, die Spitze des Ministeriums zu feuern.

Ein Mitglied des Untersuchungsausschusses, der republikanische Abgeordnete Adam Kinzinger, fasste es so zusammen: «Präsident Trump hat versucht, seine Wahlniederlage durch die Ernennung eines unqualifizierten Manns an der Spitze des Justizministeriums ungeschehen zu machen. Es war ein Schachzug, um um jeden Preis zu gewinnen - unabhängig vom Willen der Menschen in Amerika.» Für Trump seien Tatsachen dabei «irrelevant» gewesen. «Was bringen ihm Fakten, wenn diese nur seine Niederlage bestätigen würden?», fragte Kinzinger, der bei den Republikanern im Kongress einer der wenigen prominenten Trump-Kritiker ist. «Zusammengefasst: Er war bereit, unsere Republik zu opfern, um seine Präsidentschaft zu verlängern.»

Rosen und Donoghue waren erst im Dezember 2020 für die letzten Wochen von Trumps Amtszeit auf ihre Posten gekommen, nachdem Justizminister William Barr im Streit über das Ergebnis der Präsidentenwahl seinen Rücktritt eingereicht hatte. Barr hat Trumps Betrugsfantasien inzwischen als «Schwachsinn» (Original: Bullshit) und «verrückt» bezeichnet.

Trump behauptet bis heute ohne Belege, durch Betrug um den Sieg bei der Wahl im November 2020 gebracht worden zu sein. Sein Lager scheiterte mit Dutzenden Klagen. Über Wochen hinweg versuchte der Republikaner mit fragwürdigsten Methoden, den Erfolg des Demokraten Joe Biden zu kippen. Der Widerstand gipfelte im Angriff auf das Kapitol, den Sitz des Parlaments.

Anhänger Trumps hatten am 6. Januar 2021 gewaltsam den Parlamentssitz in der Hauptstadt Washington gestürmt. Dort war der Kongress zusammengekommen, um Bidens Wahlsieg zu zertifizieren. Bei den Krawallen kamen fünf Menschen ums Leben, darunter ein Polizist. Der Angriff auf das Herz der US-Demokratie erschütterte das Land.

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Ingo Kerp 24.06.22 15:10
Der Egomane Trump hat mit der verlorenen Wahl wohl eine der tiefsten Niederlagen 2020 erlitten. Wie er auch gelogen und erpreßt hat, er kam nicht weiter. Da verwundert es nicht, wenn er, nachtragend, jetzt jeden diffamiert, der ihm seinerzeit seine Lügen nicht abgenommen hat und ihm die Zustimmung verweigert hat. Sollte er 2024 wieder antreten und seine verblendete Anhängerschaft ihn wählen, dann wird sich die Welt verändern. Nicht zum Besseren.
Norbert Schettler 24.06.22 14:20
Ling Uaan
Man dankt für Ihre Berichtigung. Stimmt natürlich was Sie schreiben. Und wie ich eben lese, hat es sich von dunkel- in hellgrau gewandelt. Der Senat hat ja wohl eine Verschärfung des Waffengesetzes im Auge, bzw. schon beschlossen.
Ling Uaan 24.06.22 13:00
Khun Schettler,
es wurde nicht „das Recht auf Tragen von Waffen im BS New York gekippte.“

Sondern das Verbot „concealed firearms“ ohne Grund und Lizenz in der Öffentlichkeit zu tragen. Das offene, sichtbare Tragen z.B. im Halfter an der Hose war und ist erlaubt.
Norbert Schettler 24.06.22 12:10
Johann
Der nächste, zumindest "dunkelgraue" Tag in den USA war gestern, als der Supreme Court das Recht auf Tragen von Waffen im BS New York kippte. Weitere Staaten werden bestimmt folgen, very crazy das Ganze.
Johann Mueller 24.06.22 08:40
6. Januar 2021
Ein schwarzer Tag in der Geschichte der USA !