Zeugen sollen Mord an Tankstellen-Kassierer gesehen haben

Der Ko-Vorsitzende der Partei Alternative für Deutschland (AfD), Jörg Meuthen. Foto: epa/Filip Singer
Der Ko-Vorsitzende der Partei Alternative für Deutschland (AfD), Jörg Meuthen. Foto: epa/Filip Singer

IDAR-OBERSTEIN: Bei der Tat von Idar-Oberstein gab es nach neuesten Erkenntnissen Augenzeugen. Unterdessen hat die AfD eine Mitschuld an der Radikalisierung von «Querdenkern» von sich gewiesen.

Der tödliche Schuss auf einen Kassierer in einer Tankstelle in Idar-Oberstein ist von Augenzeugen beobachtet worden. Das teilte die Staatsanwaltschaft in Bad Kreuznach am Donnerstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Nähere Angaben zu den Zeugen, die bei der Tat eines 49-Jährigen am Samstagabend vor Ort gewesen waren, wollte die Behörde nicht machen. Die Ermittlungen zu dem tödlichen Angriff, der im Streit um das Tragen einer Corona-Maske ausgelöst worden sein soll, dauern an. Zuvor hatte der SWR über die Tatzeugen berichtet.

Dem 49-jährigen Deutschen wird vorgeworfen, dem 20 Jahre alten Kassierer in der Tankstelle in den Kopf geschossen zu haben. Der junge Mann hatte ihn zuvor auf die Maskenpflicht hingewiesen. Nach seiner Festnahme sagte der Täter den Ermittlern zufolge, dass er die Corona-Maßnahmen ablehne. Der zuvor nicht polizeibekannte Deutsche sitzt wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft. Die Tat löste bundesweit großes Entsetzen und Anteilnahme aus.

Die Staatsanwaltschaft rechnet mit wochenlangen Ermittlungen. «Wir müssen uns jetzt erstmal selbst ein klares Bild machen», hatte Oberstaatsanwalt Kai Fuhrmann zuvor gesagt. Dazu gehörten auch Untersuchungen über die Herkunft der Tatwaffe und den anderen Waffen, die bei dem Mann sichergestellt worden waren. Er habe sie illegal besessen.

Die Polizei prüft derzeit auch die Aktivitäten des Täters in den sozialen Medien. Es seien sehr viele Hinweise dazu eingegangen, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Trier. Nach gemeinsamen Recherchen des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel» und des auf Verschwörungsideologien spezialisierten Thinktanks CeMAS fiel der mutmaßliche Schütze bereits vor zwei Jahren auf einem Twitter-Profil mit nebulösen Gewaltfantasien auf.

Unterdessen hat AfD-Chef Jörg Meuthen im Interview mit dem ARD-Hauptstadtstudio Vorwürfe zurückgewiesen, der mutmaßliche Täter könne mit seiner Partei in Verbindung gebracht werden. Meuthen nannte es «absurd», einen Zusammenhang zwischen der AfD und der Gewalttat von Idar-Oberstein herstellen zu wollen: «Das ist so erkennbar konstruiert, ich glaube nicht, dass man damit durchkommt», so die Einschätzung von Meuthen. Man habe es bei dem Täter mit einem «durchgeknallten Irren» zu tun.

Unionskanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) hatte «Querdenkern» und der AfD das Schüren von Hass vorgeworfen. «Die AfD muss verschwinden aus deutschen Parlamenten», sagte er am Mittwochabend in Rottenburg am Neckar in Baden-Württemberg. «Den Hass, den die AfD in deutsche Parlamente getragen hat, den Hass, den sie im Deutschen Bundestag in jeder Sitzungswoche artikuliert - gegen Minderheiten, mit Ressentiments - dem stellen wir uns entgegen.» Auch die «Querdenker» würden Hass in diesen Tagen im Internet verbreiten, sagte Laschet. «Hass im Netz folgt am Ende die böse Tat.» Das habe man etwa in Idar-Oberstein erlebt, wo ein junger Mann ermordet worden sei, nur weil er an die Maskenpflicht erinnert habe.

Der innenpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Konstantin Kuhle, sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND): «Die AfD ist der oberste Agent der politischen Radikalisierung in Deutschland.» Indem Rechtsextremisten während der Corona-Pandemie ihre wirren Diktatur-Vorwürfe verbreiteten, trügen sie eine Mitverantwortung für die Radikalisierung bestimmter Bevölkerungsgruppen, zu denen auch der Täter aus Idar-Oberstein gehöre.

Auch die innenpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Ute Vogt, macht der AfD Vorwürfe. «Die AfD hat seit ihrem Einzug in den Deutschen Bundestag erheblich dazu beigetragen, dass Hass und Hetze auf den Straßen und in den Sozialen Medien enorm angestiegen sind», sagte sie dem RND. Der innenpolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Bundestag, Mathias Middelberg, sagte dem RND: «Die Gründe für diese entsetzliche Tat allein bei der AfD zu suchen, ist zu einfach.» Und er betonte weiter: «Aber natürlich trägt die AfD mit ihren gezielten Provokationen zu einer immer stärkeren Polarisierung unserer Gesellschaft bei.»

Der Co-Vorsitzende der SPD, Norbert Walter-Borjans, hat ein frühes und entschlossenes Handeln der Behörden gefordert. «Wenn sich Anzeichen ergeben, dass sich eine Tat so anbahnt, so dass es wirklich zu einer hasserfüllten Auseinandersetzung kommt, dann muss der Staat reagieren», sagte Walter-Borjans im «Frühstart» von RTL und ntv.

Die Fachstelle für Betroffenenstärkung und Demokratieentwicklung in Rheinland-Pfalz wertet die Tat als «einen Verdachtsfall rechter Gewalt». Bisher bekannt gewordene Äußerungen des 49-Jährigen von vor und nach der Tat würden auf eine «Widerstandsrhetorik» verweisen, «wie sie in rechtsextremen und verschwörungsideologischen Milieus verbreitet» ist, teilte die 2017 zur Beratung für Betroffene von rechtsextremer Gewalt gegründete Fachstelle m*Power in Koblenz mit.

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Michael Pooch 24.09.21 18:44
Verstehen
Jeder so wie er es versteht Herr Obermeier, nur verstehen manche eben nichts, oder Herr Obermeier? Es ist eigentlich unfassbar, was gerade in Deutschland passiert. Die Gesellschaft wird gespalten, und das hat allein die Regierung zu verantworten! Es werden geimpfte gegen ungeimpfte aufgehetzt, die jungen gegen die alten, die starken gegen die Schwachen. Wo, wann und wie wird das alles enden? Egal was, es ist grundsätzlich immer die AFD schuld. Das ist natürlich sehr einfach. Und ich würde Wetten, die am lautesten umherschrein, haben sich nie über die AFD Informiert. Sie plappern wie kleine Kinder alles nach, was Mama und Papa von sich geben, völlig egal was es ist. Denn wenn die das sagen, dann muss es einfach stimmen. Einfach mal versuchen sich eigene Gedanken zu machen, das fällt dem einen oder anderen sicher schwer, und erst recht, wenn er das nie gelernt hat. Vollpfosten und extreme gibt es in jeder Partei oder Gruppierung. Und nein, ich gehöre nicht der AFD an! Und ja ich bin 2 mal geimpft, aber nur aus dem Grund, Reisen zu dürfen, und nicht ausgegrenzt zu werden. Denn damit könnte ich nicht umgehen, ich bin sehr Harmonie bedürftig. Aber egal was den Menschen erzählt wird, diese Impfung kann nicht sicher sein ! Das ist in der Kürze der Entwicklungszeit, unmöglich ! Das ist meine Persönliche Sicht der Ereignisse.
Joerg Obermeier 24.09.21 15:00
Meine 2cent
Da braucht es für mich keinen Wahlkampf um bei dieser "Alternative" den politischen Arm von Rechtsextremisten und Terroristen zu erkennen. Dazu ein Sammelbecken von Verschwörungstheoretikern aller Art. Von Reichsbürgern, Corona-Leugnern, Nicht-Denker, etc. pp. Und Taktgeber für so völlig Durchgeknallte wie diesen Irren aus Idar-Oberstein.
Derk Mielig 24.09.21 13:06
Die böse AfD
Das ich die mal verteidigen würde.
Ich sehe hier mitnichten einen Zusammenhang AfD/Mord. Coronamaßnahmenverweigerer und -Leugner gibt es in allen politischen Lagern.

Auch Hooligans, Linke und Islamisten verbreiten Hass in diesen Tagen im Internet, dass Laschet das scheinbar nicht weiß, wundert mich in der Woche vor dem Wahlkampf nicht. Hier wird also, kurz gesagt, der Mord an einen Studenten für Wahlkampfzwecke missbraucht.
Hartmut Wirth 24.09.21 12:40
Idar-Oberstein
Es ist schon erstaunlich: da geschieht ein Mord, Täter gefasst, aber durch die Medien und die Politik wird ein anderer Schuldiger festgestellt! Nein, nicht nur die gescholtene AfD trägt eine Mitschuld, sondern auch diejenigen, die jetzt vollmundig mit ihren Schuldzuweisungen daherkommen. In fast 2 Jahren Corona-Pandemie haben sie nämlich auch keine Geschlossenheit gezeigt: 16 Bundesländer haben den Corona-Schutz gemäß ihren eigenen politischen Vorstellungen ausgelegt. In einem Bundesland war etwas verboten, in einem anderen nicht. Und die "Vorbilder" in der Politik haben ja gezeigt, was sie von ihren eigenen gesetzlichen Vorschriften und Verordnungen halten. Dass dann Verschwörungstheorien, Querdenker und Aluhutträger auftauchten, war nur eine Frage der Zeit. Und was diese Kritiker nicht bedenken: durch ihr Verhalten haben sie auch sehr stark zu dieser Verunsicherung beigetragen. Da mussten die so Gescholtene nicht mehr viel dazu tun. Einfach abwarten und diese "verunsicherten" Menschen aufsammeln. Einfach Tür aufmachen und das sagen, was diese verunsicherten Menschen erwarten zu hören. Nennt man "offene Türen eintreten/einrennen" Und es funktioniert.