Zero-Dollar-Touren sind zurück in Thailand

Chinesische Reisegruppe in Bangkok. Archivbild: epa/Barbara Walton
Chinesische Reisegruppe in Bangkok. Archivbild: epa/Barbara Walton

BANGKOK: Die thailändische Tourismusbranche steht erneut vor einer Herausforderung: Die berüchtigten „Zero-Dollar“-Reisen sind zurück in Thailand und bieten nun noch niedrigere Preise an. Diese richten sich insbesondere an Touristen aus China, Russland und Indien, und sorgen für erhebliche Verwerfungen auf dem Markt.

Sisdivachr Cheewarattanaporn, der Präsident der Association of Thai Travel Agents (Atta), erklärt, dass diese Art von Reisen es für lizenzierte thailändische Reiseveranstalter zunehmend schwer macht, wettbewerbsfähig zu bleiben. Laut Sisdivachr haben sich in jüngster Zeit vermehrt ausländische Gruppen auf dem Markt etabliert, die mit Hilfe von thailändischen Strohmännern Reiseunternehmen in Thailand betreiben und dabei rechtliche Grauzonen ausnutzen.

Diese illegalen Anbieter locken mit unverschämt niedrigen Preisen oder bieten sogar komplett kostenlose Reisepakete an. Die tatsächlichen Kosten für die Touristen entstehen jedoch erst während der Reise, wenn sie in speziellen Geschäften zu überhöhten Preisen einkaufen müssen.

Diese Praktiken waren bereits auf dem chinesischen Markt verbreitet, jetzt aber richten sich die illegalen Anbieter auch gezielt auf den russischen und indischen Markt. „Dies ist das schlimmste Geschäftsumfeld, das ich jemals in der Reisebranche erlebt habe“, betonte Sisdivachr in einem Gespräch mit Premierminister Srettha Thavisin.

Die Strategie dieser Anbieter zielt darauf ab, durch Preisdumping einen überwältigenden Marktanteil zu erlangen, um später die Preise willkürlich erhöhen zu können. Diese Vorgehensweise steht im starken Kontrast zu den „pro fai mai“-Angeboten (brennend heiße Werbung), die als legitime Marketinginstrumente angesehen werden, um kurzfristig freie Plätze zu besetzen.

Die Folgen der Zero-Dollar-Touren sind verheerend: Sie schaden dem Image Thailands als Reiseziel, indem sie das Land als billig und unsicher darstellen. Touristen werden oft physisch oder verbal zum Kauf von ungewünschten Produkten gedrängt, was dem Ansehen und der Wirtschaft Thailands schadet.

Sisdivachr fordert eine kooperative Lösung des Problems durch die Regierung, den privaten Sektor und chinesische Beamte innerhalb eines Jahres. Er warnt, dass eine Fortsetzung dieser Praktiken langfristig katastrophale Auswirkungen auf die Tourismusindustrie haben wird. Viele lizenzierte Reiseveranstalter haben bereits begonnen, ihr Geschäft umzustellen und sich auf Incentive-Gruppen oder Freizeittouristen zu konzentrieren, statt auf reine Volumengeschäfte.

Zum Abschluss betont Sisdivachr, dass die Festnahme einiger weniger illegaler Anbieter nicht ausreicht. Die Behörden müssen das gesamte Netzwerk zerschlagen, da viele dieser Unternehmen mehrere Betriebe unterhalten. Atta hofft, bald ein Treffen mit dem Minister für Tourismus und Sport, Sermsak Pongpanit, zu arrangieren, um konkrete Schritte zu diskutieren.

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Hans-Jürgen Thomas Kirchner 19.06.24 17:40
@ michael von wob
Zitat aus diesem Artikel: "Laut Sisdivachr haben sich in jüngster Zeit vermehrt ausländische Gruppen auf dem Markt etabliert, die mit Hilfe von thailändischen Strohmännern Reiseunternehmen in Thailand betreiben und dabei rechtliche Grauzonen ausnutzen."
Ingo Kerp 19.06.24 14:20
Man bekommt immer das, was andere clevererweise daraus machen. Da werden Visavergünstigungen eben ausgenutzt, um noch mehr Geld zu generieren, als zuvor. Absolut legales Vorgehen der Billigunternehmen. Manchmal ist es ganz gut, wenn man Vergünstigungen vergibt und vorher durchspielt, was alles zum eigenen Nachteil passieren kann. Aber, leider ist Thailand in dieser Beziehung zu geldgierig, um darüber nachzudenken.
Arthur Küpper 19.06.24 13:10
Das kommt davon, wenn man den Besuch von Menschen nur noch in kalte Zahlenspiele presst. Ist ja schön, wenn man mit Visa-Tricks und Schönfärberei 40 Millionen "Qualitäts"-Touristen "generieren" kann...wie man sieht. Aber jeder bekommt, was er verdient. Lächeln tun in diesem Land nur noch die Anderen. Ich hab vor ein paar Tagen den Fehler begangen und bin mal wieder runter nach Phuket geflogen. Musste aber nach drei Tagen abbrechen: Meine Russischkenntnisse haben leider nicht ausgereicht. Dass aber die Dollars nicht mehr in thailändische Taschen fließen, war schon nach einem Tag absolut klar!
michael von wob 19.06.24 11:40
@ Kirchner, rechtlichen Grauzonen ?
Wo sind sie ? Noch nie davon was gehört oder gelesen. Daß die Chinesen , Inder und Kasachen kein Geld ausgeben wußten wir schon immer und haben nie verstanden warum sie die Visabefreiung bekommen.
Hans-Jürgen Thomas Kirchner 19.06.24 11:20
Super
Wie wäre es denn, die rechtlichen Grauzonen einfach mal zu schließen? Das kann doch wirklich nicht so schwer sein.
Bernd Berger 19.06.24 10:50
Richard
Es lebe die Visa-Befreiung!

Da kommen denn eben nur die gewünschten "Qualitätstouristen...