Zeitungen zum Geschehen am Sonntag

Foto: Pixabay/Gerd Altmann
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«Frankfurter Rundschau» zum Eurovision Song Contest

Der Triumph des nonbinären Nemo lässt sich als Nachweis der tiefen Grundtoleranz einer breiten europäischen Mehrheit gegenüber queeren Lebensentwürfen.

Auch der Rausschmiss des Niederländers Joost Klein wegen Fehlverhaltens gegenüber einer Kamerafrau zeigt: Die Toleranzschwelle in Fragen toxischer Männlichkeit ist gesunken. Gut so. Im Mittelpunkt der Chaostage von Malmö aber stand eine Andere. Es ist unfassbar, dass eine jüdische Sängerin wie Eden Golan sich Pfiffe und Buhrufe in der ESC-Arena anhören muss, bloß weil sie Israelin ist. Es ist unfassbar, dass ein Mob inklusive der Klimaaktivistin Greta Thunberg Terroristen verherrlichen und seine historische Ahnungslosigkeit zur Schau stellen darf. Es ist unfassbar, dass ESC-Kollegen Eden Golan hinter den Kulissen mieden, mobbten und wie eine Aussätzige behandelten, bloß um der eigenen Social-Media-Bubble zu gefallen. Jeder Einzelne, der Eden Golan beim Song Contest ausgebuht oder theatralisch lächerlich gemacht hat, möge sich schämen.


«Frankfurter Allgemeine Zeitung» zum Gedenken an das Ende der Berlin-Blockade

Gerade in den vergangenen Jahren gewinnen in Deutschland politische Kräfte an Gewicht, die sich entweder Lehren aus der Geschichte völlig verweigern oder aus der Vergangenheit Schlüsse ziehen, die man mit guten Gründen abwegig nennen kann.

Im Bundestag sind heute ganz links und ganz rechts Parteien vertreten, die nichts dabei finden, den Nachfolgern derer nachzulaufen, die einst den freien Teil Berlins durch die Blockade aushungern wollten. (?) Es ist aber die Pflicht aller Demokraten, das Wahlvolk darauf hinzuweisen, wes Geistes Kinder da auf den Wahlzetteln stehen. Niemand sollte sagen können, das habe man ja alles nicht gewusst. Dass es überhaupt so weit kommen konnte, stellt der historischen Bildungsarbeit ein schlechtes Zeugnis aus.


«Münchner Merkur» zu FDP/Rentenpaket/5-Punkte-Plan

In der FDP schreiben sie gerade viele Briefe an die Ampelpartner.

Schon der ?12-Punkte-Plan zur Beschleunigung der Wirtschaftswende? kurz vor dem Parteitag wurde in Berlin als Scheidungsbrief apostrophiert. Heute folgt das nächste, noch schärfere Ultimatum. Parteichef Lindner lässt sein Präsidium auch noch über einen ?5-Punkte-Plan? für eine ?generationengerechte Haushaltspolitik? abstimmen. Wenn die SPD und Grüne in den Etatverhandlungen zur Überbrückung der riesigen Milliardenlücke nicht klipp und klar die Einhaltung der Schuldenbremse und Einsparungen bei den Sozialausgaben akzeptieren, platzt das Rentenpaket ? und die Koalition. Lindner setzt zum Sprung an, weil er seine Partei nur noch so vor dem Untergang retten zu können glaubt. Doch muss der FDP-Tiger nun auch durchziehen, wenn er nicht als Bettvorleger landen will.


«The Observer»: Humanitäre Katastrophe im Sudan wird verdrängt

LONDON: Die britische Sonntagszeitung «The Observer» kommentiert den Bürgerkrieg im Sudan:

«Seit dem Ausbruch eines sinnlosen Bürgerkriegs vor etwas mehr als einem Jahr wurden Schätzungen zufolge bis zu 150.000 Menschen getötet. Etwa 9 Millionen Einwohner, vor allem in der westlichen Region Darfur, wurden vertrieben. Nach Angaben von humanitären Organisationen sind 25 Millionen Menschen dringend auf Hilfe angewiesen. Der Zusammenhalt eines Landes, das bereits 2011 durch die Abspaltung des Südsudan erschüttert wurde und das mit dem Auseinanderbrechen des Nachbarlandes Libyen konfrontiert ist, steht auf dem Spiel. Auf der Skala des modernen Horrors ist der Sudan mit diesen schrecklichen Zahlen die schlimmste humanitäre Katastrophe der Welt. (?)

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch schlägt eine neue UN-Mission zum Schutz der Zivilbevölkerung, weitere Sanktionen gegen Anführer der paramilitärischen Gruppe Rapid Support Forces (RSF), ein internationales Waffenembargo sowie beschleunigte Untersuchungen von Kriegsverbrechen durch den Internationalen Strafgerichtshof vor. Das ist völlig richtig und sinnvoll. Aber wird es geschehen? Das ist zu bezweifeln. Die USA, Großbritannien und die EU haben bisher nur begrenzte Maßnahmen ergriffen. Nach der Ukraine und jetzt dem Gazastreifen ist es offensichtlich, dass ihre Aufmerksamkeit woanders liegt. Aber das kann ihre Gleichgültigkeit weder erklären noch rechtfertigen.»


«El País»: Katalonien-Wahl mit weitreichenden Folgen

MADRID: Die spanische Zeitung «El País» kommentiert die Regionalwahl am Sonntag in der separatistischen Region Katalonien:

«(...) Die Katalanen wählen ihre Vertreter für das Regionalparlament. Ihre Stimme wird über die parlamentarische Mehrheit und den Präsidenten der Generalitat, der verfassungsmäßigen und historischen Institution ihrer Selbstverwaltung, entscheiden. (...) Sie üben damit das Recht aus, über den Kurs Kataloniens zu entscheiden, basierend auf der Pluralität politischer Projekte anstelle (...) eines Selbstbestimmungsreferendums, das von den Befürwortern der Unabhängigkeit zwanghaft gefordert wird.(...)

Umfragen zufolge spricht alles dafür, dass die Sozialistische Partei (PSC) die meisten Abgeordneten stellt und sogar die besten Chancen hat, eine Regierung zu bilden, entweder allein mit externer Unterstützung oder in einer Koalition mit einer oder zwei linken Parteien. Das Fortbestehen der üblichen separatistischen Mehrheit ist also die wichtigste Frage, die heute bei den Wahlen entschieden wird. Ein Sieg der Separatisten (...) wäre (...) eine Niederlage auch für (Spaniens Regierungschef) Pedro Sánchez. Die Entscheidung der Katalanen, wer sie regieren soll und ob sie für Stabilität optieren, hat also weitreichende Folgen.»

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