Zeitungen zum Geschehen am Mittwoch

Foto: Adobe Stock/©elis Lasop
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Der deutsche Fußball muss seine Doppelmoral ablegen.

Mehr Geld war immer willkommen, solange Sponsoren es einbrachten. Nun blickt man bange auf institutionelle Investoren, die als Return on Invest wasserdichte Zahlen sehen wollen, statt sich mit dem Versprechen zufriedenzugeben, dass der Werbefetzen am Trikotärmel im TV schon auffallen wird. Die Klubs, die Fans müssen sich entscheiden, was sie wollen. Eine romantisierte Version des Spiels ist möglich, ist aber dann international nicht mehr wettbewerbsfähig. Die europäische Konkurrenz wird nicht auf Investorengelder verzichten, nur weil die Bundesliga es tut. Und sinkende Investitionen bedeuten: keine Arenen für 80.000 Menschen, keine Champions-League-Finals gegen Manchester, Paris, Madrid und keine Spieler mehr wie Harry Kane.


«Frankfurter Rundschau» zu VW-Dieselskandal

Großer Erkenntnisgewinn war von der Vernehmung Martin Winterkorns im Dieselprozess nicht zu erwarten.

Der einstige VW-Chef setzt die Riege der Zeugen fort, die auf zwei Dinge Wert legen: Sie haben nichts vom Betrug gewusst, aber alle Gremien im VW-Konzern haben funktioniert. Der Widerspruch ist offensichtlich, scheint die Beteiligten aber nicht zu belasten. Es muss so gewesen sein, um ungeschoren durch die Gerichtsverfahren zu kommen und dem Konzern weitere Milliardenzahlungen zu ersparen. Vor allem aber ist es nötig, um das Selbstbild vom erfolgreichen Macher zu retten. Das kann nicht gelingen. Selbst wenn man ihm jedes Wort glaubt, ist schwer nachzuvollziehen, wie das Problem der Abgaswerte über zehn Jahre immer wieder auftauchen kann, ohne vertiefte Aufmerksamkeit des Chefs wert zu sein. Mit der eigenen Unschuld bezeugt Winterkorn massives Versagen.


«Rzeczpospolita»: Schlechtes Klima in Deutschland für Wiedergutmachung

WARSCHAU: Bei seinem Antrittsbesuch in Berlin hat Polens Regierungschef Donald Tusk auch eine Wiedergutmachung für die Schäden des Zweiten Weltkriegs thematisiert. Dazu meint die polnische Tageszeitung «Rzeczpospolita» am Mittwoch:

«Tusk hat das Thema Weltkriegs-Reparationen nicht begraben, obwohl das erwartet wurde. Er hat es jedoch von der Ebene der Konfrontation und des Drucks in die Sprache des Dialogs verlagert. Indem er auf die Notwendigkeit von Wiedergutmachung anstelle von harten Reparationen hinwies, sprach er tatsächlich über eine freiwillige Wiedergutmachung für Unrecht, welche sich aus einer moralischen Reflexion oder dem «Erledigen der Hausaufgaben der Geschichte» ergibt. Ist dieser Weg wirksamer? Man kann daran zweifeln.

Die deutsche Geschichtspolitik gegenüber Polen war ziemlich reich an Worten und Gesten, aber spärlich an wirklichen Taten. Selbst minimalistische Pläne, ein polnisches Haus in Deutschland zu bauen oder Denkmäler zum Gedenken an die Opfer zu errichten, verliefen im Sande. Heute scheint das Klima für eine sanfte Wiedergutmachung des Unrechts immer ungünstiger geworden zu sein. Veränderungen in der deutschen Gesellschaft, die wachsende Rolle der nationalistischen AfD und vor allem der Lauf der Zeit, der die Geschichte und das Gefühl der Verbundenheit mit den Tätern und damit der Verantwortung verwischt, erschweren solche Bemühungen erheblich.»


«Svenska Dagbladet»: Wir müssen ohne die USA klarkommen

STOCKHOLM: Die konservative schwedische Tageszeitung «Svenska Dagbladet» meint am Mittwoch zu Donald Trumps Infragestellen des US-Beistandes für Nato-Partner:

«Trumps Kritik an wirtschaftlichen Schwarzfahrern ist weder neu noch falsch. Doch seine Aussage ist, ungeachtet des Wahrheitsgehaltes der Anekdote, ein Bombenangriff auf die tragende Konstruktion der Verteidigungsallianz - die bedingungslose Solidarität im Fall eines Angriffes auf ein Mitgliedsland.

Im Grunde ist Europa Russland in wirtschaftlicher sowie industrieller Stärke überlegen. Wir müssen nicht auf Kriegswirtschaft umstellen, um der Ukraine beizustehen und unsere eigene Verteidigung zu stärken. Aber wir müssen uns sowohl praktisch als auch mental anpassen. Es geht darum, die Nato mit Personal und Material auszurüsten, damit sie ohne die USA klarkommt. Trump beabsichtigt nachweislich nicht, dass die USA die gegenseitigen Verpflichtungen im Vertrag der Organisation einhalten sollen.

Europa muss die volle Verantwortung für seine eigene Sicherheit und militärische Stärke übernehmen, damit so wenig Schäden wie möglich entstehen, wenn Putin und Trump tun «what the hell they want».»


«Corriere della Sera»: Kamala Harris fehlt Charisma

ROM: Die italienische Zeitung «Corriere della Sera» beschäftigt sich am Mittwoch mit der Frage einer möglichen Präsidentschaft von Kamala Harris in den USA:

«Kamala Harris fehlt es an Charisma. Es stimmt, dass manche Frauen, vor allem aus Minderheiten, in dem Bild, das von der ersten Vizepräsidentin der Vereinigten Staaten gezeichnet wird, auch ein Element von Sexismus und Rassismus sehen. Es stimmt auch, dass sie objektive Fehler gemacht hat.

Aber Charisma ist für jeden US-Präsidenten von entscheidender Bedeutung. Es ist eine undefinierbare Eigenschaft. Man hat sie oder man hat sie nicht. Und es stimmt auch, dass viele Vizepräsidenten nicht charismatisch waren (es ist schwierig, das Wort «Charisma» mit Mike Pence in Verbindung zu bringen). Aber bei Harris ist das etwas anderes: Bidens Alter - am Ende einer möglichen zweiten Amtszeit wäre er 86 - bedeutet eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass sein Running Mate der nächste Präsident wird.»


«La Vanguardia»: Das Baltikum wird zum neuen Ziel Russlands

MADRID: Zur Aufnahme von Estlands Regierungschefin Kaja Kallas und von anderen hochrangigen baltischen Politikern auf eine russische Fahndungsliste schreibt die spanische Zeitung «La Vanguardia» am Mittwoch:

«Das Baltikum wird zum neuen Ziel Russlands (...) Die Region wird ein Schauplatz wachsender Spannungen zwischen der Nato und Russland sein. Aber warum startet Moskau gerade jetzt diese Repressalien? Weil Putin sich stark fühlt, nachdem er gesehen hat, dass der Preis für den seit zwei Jahren anhaltenden Krieg (gegen die Ukraine) nicht so hart war wie erwartet. Der russische Präsident fühlt sich weniger isoliert als noch vor einigen Monaten. Er wird die Wahlen im März ohne Gegenkandidaten gewinnen und hat sich in wirtschaftlicher Hinsicht Asien zugewandt, um die westlichen Sanktionen gegen sein Öl zu umgehen. China und Indien sind seine wichtigsten Partner geworden.

Im militärischen Bereich ist der russische Verteidigungshaushalt um 70 Prozent gestiegen. Der Kauf von Rüstungsgütern aus dem Iran und Nordkorea garantiert Putin, dass seinem Land die Waffen nicht ausgehen werden. Und hinzu kommt, dass der Gaza-Krieg, der nun für den Westen Priorität zu haben scheint, ihm politisch und medial Oberwasser gegeben hat.»


«The Telegraph»: Ein selbst verschuldeter Schlamassel

LONDON: Wegen antiisraelischer Aussagen hat die britische Labour-Partei ihrem Bewerber für den nordenglischen Wahlkreis Rochdale die Unterstützung entzogen. Dazu meint der Londoner «Telegraph» am Mittwoch:

«Der beschämende Schlamassel, in dem sich die Labour-Partei bei den Nachwahlen in Rochdale befindet, ist völlig selbst verschuldet. Die Partei distanzierte sich von ihrem Kandidaten Azhar Ali, weil er behauptete, Israel habe die Ermordung seiner eigenen Bürger am 7. Oktober zugelassen, um eine Invasion in Gaza zu rechtfertigen.

Diese beleidigende Verschwörungstheorie wurde von Azhar Ali nicht in einer privaten Versammlung geäußert, sondern auf einer Sitzung der Lancashire Labour Party, bevor er zum Kandidaten für Rochdale gewählt wurde. (...) Erst nachdem immer mehr solcher giftigen Aussagen durchgesickert waren, zog der Parteivorsitzende Sir Keir Starmer die Unterstützung der Partei für Ali zurück. Aber er wird weiter als offizieller Labour-Kandidat auf dem Wahlzettel geführt, weil die Frist für Änderungen bereits abgelaufen ist. (...)

Die Beseitigung des antisemitischen Schandflecks, der unter dem Labour-Vorsitzenden Jeremy Corbyn an der Partei haftete, war ein zentrales Ziel des neuen Parteivorsitzenden. Insofern stellt diese Episode sein Engagement und sein Urteilsvermögen infrage. Sir Keir behauptet, entschlossen gehandelt zu haben. Aber jeder kann sehen, dass er wieder einmal um des politischen Vorteils willen so lange gezögert hat, bis ihm keine andere Wahl blieb.»


«NZZ»: Trump steht vor der Tür und poltert

ZÜRICH: Zur Verteidigungsfähigkeit Europas meint die «Neue Zürcher Zeitung» am Mittwoch:

«Nur 11 der 31 Nato-Staaten geben heute die zugesicherten 2 Prozent des Inlandprodukts für die Verteidigung aus. Zwar wenden diese Staaten zusammen dreimal so viel Geld fürs Militär auf wie die Russen. Aber es wird falsch investiert: Von der gemeinsamen Rüstungsbeschaffung und der militärischen Aufgabenteilung - Voraussetzungen für die Verteidigungsfähigkeit - sind die Europäer so weit entfernt wie je.

Doch jetzt steht wieder Trump vor der Tür und poltert. Gefragt, ob er den Europäern bei einem Angriff der Russen beispringen würde, will er einem Spitzenpolitiker gesagt haben: «Ich würde euch nicht verteidigen. Ich würde sie sogar ermutigen, mit euch zu machen, was zum Teufel sie wollen. Ihr müsst endlich zahlen!»

Mit dem letzten Satz jedenfalls hat er recht. Eigentlich muss man ihm für seinen Ausfall sogar dankbar sein. Denn er macht klar: Es ist unvernünftig, sich in Zukunft einfach auf den großen amerikanischen Bruder zu verlassen. Und das gilt, ob Trump der nächste Präsident wird oder nicht.»


«Wall Street Journal»: Zahlungen für UNRWA einstellen

NEW YORK: Nach schweren Vorwürfen Israels gegen das UN-Palästinenserhilfswerk UNRWA, wonach Mitarbeiter an den Terrorakten der islamistischen Hamas vom 7. Oktober beteiligt gewesen seien, beginnt am Mittwoch eine unabhängige internationale Expertengruppe mit einer Überprüfung der Organisation. Dazu schreibt das «Wall Street Journal»:

«Nun stellt sich heraus, dass mindestens zwei der drei Agenturen, die für diese unabhängige Überprüfung ausgewählt wurden, Erklärungen abgegeben haben, in denen sie sich gegen Israel aussprechen oder UNRWA verteidigen. Einer der Gutachter ist das Dänische Institut für Menschenrechte. Im Januar lobte einer seiner leitenden Forscher, Peter Vedel Kessing, Südafrikas Klage vor dem Internationalen Gerichtshof, in der Israel des Völkermordes beschuldigt wurde. Raten Sie mal, auf wessen Seite er steht? Ein weiterer Gutachter ist das norwegische Chr. Michelsen-Institut. (...)

Dann ist da noch Catherine Colonna, die ehemalige französische Außenministerin, die mit der Leitung der unabhängigen Untersuchung der UNRWA beauftragt wurde. (...) Es ist schwer vorstellbar, dass diese Personen und Gruppen eine faire Einschätzung der Verbindungen von UNRWA zur Hamas abgeben. Im Jahr 2023 zahlten die USA 153,7 Millionen Dollar an UNRWA, was bedeutet, dass sie zur Finanzierung von UN-Mitarbeitern beitrugen, die der Hamas bei ihren Massakern halfen. Es ist unwahrscheinlich, dass sich UNRWA ändert. Daher ist es am besten, die Zahlungen für sie einzustellen.»

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Leserkommentare

Vom 10. bis 21. April schließen wir über die Songkranfeiertage die Kommentarfunktion und wünschen allen Ihnen ein schönes Songkran-Festival.