Zeitungen zum Geschehen am Freitag

Foto: Adobe Stock/©elis Lasop
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«Stuttgarter Zeitung» zu Krieg gegen die Ukraine

Deutschland hat in den vergangenen zwei Jahren einen bemerkenswerten Lernprozess durchlaufen.

Mit sieben Milliarden Euro pro Jahr ist Deutschland nach den USA inzwischen der stärkste Unterstützer der Ukraine. Doch abgeschlossen ist die von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) ausgerufene Zeitenwende nicht - weder hierzulande noch im Verhältnis zur Ukraine. So müssen Deutschland und Europa sich auf einen Ausfall der USA in der Unterstützung vorbereiten, sollte Donald Trump Präsident werden. Und Scholz sollte überdenken, ob das Risiko, Taurus-Lenkwaffen an die Ukraine zu liefern, nicht viel geringer ist, als sie den - man muss es so sagen - heldenhaft kämpfenden Ukrainern vorzuenthalten. Außerdem wäre es notwendig, die Munitionsproduktion in der EU vorwiegend auf die Ukraine auszurichten.


«Frankfurter Rundschau» zu Cannabis-Legalisierung

Der Bundestag hat die Legalisierung von Cannabis beschlossen.

Nach jahrzehntelangen Debatten ist das ein Sieg der Vernunft. Für die Freigabe sprechen mehr Gründe als dagegen: Cannabis kann zwar psychisch abhängig machen und Psychosen auslösen, doch so lebensgefährlich wie Alkohol im Übermaß und Tabak ist die Droge nicht. Und obwohl sie verboten ist, gibt es sie überall. Die Verbotspolitik hat den Konsum nicht gebremst. Auch wenn die Legalisierungspläne der Ampel nur halbherzig sind, weil der Verkauf aus Sorge vor der EU weiter verboten bleibt, gilt: Jedes Gramm Cannabis, das künftig auf dem heimischen Fensterbrett oder in einer Anlage eines Cannabis Social Clubs geerntet wird, wird nicht mehr auf dem Schwarzmarkt beschafft. Außerdem ist es sauberer Stoff. Und niemand muss mehr fürchten, durchs Kiffen kriminalisiert zu. Die Legalisierung macht den Konsum sicherer und trägt dazu bei, dass die Drogenmafia geschwächt wird.


«The Globe and Mail»: Nawalnys Mut wird Putins Grausamkeit überdauern

TORONTO: Zum Tod des russischen Oppositionelle Alexej Nawalny schreibt die kanadische Tageszeitung «The Globe and Mail»:

«(Russlands Präsident Wladimir) Putin versucht, Stärke durch Grausamkeit und eine selbstgefällige Gleichgültigkeit (...) zu demonstrieren. Sein Gemetzel an ukrainischen Zivilisten, die Folterung gefangener ukrainischer Soldaten und die massenhafte Entführung ukrainischer Kinder sind nur ein Teil davon. Ebenso grausam ist er innerhalb der russischen Grenzen, wo er Männer als Kanonenfutter an die Front schickt und jeden inhaftiert, der auch nur den leisesten Widerstand zu seinem illegalen Krieg äußert oder es wagt, öffentlich um den Tod von Nawalny zu trauern (...).

Doch im Gegensatz zu Nawalny lebt Putin in Angst: vor der Stärke seines eigenen Volkes, vor der Bedrohung, dass es sich gegen ihn erheben könnte, und vor den Wahrheiten, die ihn zu Fall bringen könnten (...).

(...) Die Geschichte zeigt uns, dass Monster wie Putin und die von ihnen errichteten Regime niemals Bestand haben. Eines Tages werden seine Statuen abgerissen und auf einen Schrottplatz geworfen werden.

Alexej Nawalny ist dank seines unerschütterlichen Glaubens daran, dass Russland wieder ein freies Land sein kann, derjenige, an den man sich erinnern wird, wenn dieser Tag kommt.»


«Dagbladet»: Lasst Biden fluchen

OSLO: Die norwegische sozialliberale Boulevardzeitung «Dagbladet» (Oslo) kommentiert am Freitag die verbalen Seitenhiebe von US-Präsident Joe Biden gegen Kremlchef Wladimir Putin, den er unter anderem als einen «verrückten SOB» bezeichnete. Die Abkürzung «SOB» steht im Englischen für «son of a bitch»:

«Es ist nicht gerade übliche diplomatische Sitte, Schimpfwörter über andere Staats- und Regierungschefs der Welt zu gebrauchen, aber in der letzten Woche hat Präsident Joe Biden dies zweimal gegenüber seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin getan. Nur wenige auf diesem politischen Topniveau schlagen Biden im Fluchen. Das wird vielleicht einige überraschen, die in den vergangenen Jahren einen eher zurückhaltenden und höflichen älteren Mann gesehen haben. In Washington hingegen ist Biden für eine deutlich saftigere Sprache berüchtigt. Viele Wähler mögen das. Es erinnert sie daran, dass er trotz allem aus einem irisch-amerikanischen Arbeiterviertel in Scranton, Pennsylvania, kommt und in armen Verhältnissen aufgewachsen ist. Und Biden muss hart auftreten, um dem Bild eines Alternden und Schwachen entgegenzuwirken, das von ihm gezeichnet wird. In einer solch dramatischen Zeit für die ganze Welt ist es aber das geringste Problem, dass Biden flucht.»


«DNA»: Schwäche gegenüber Russland ist unzulässig

STRAßBURG: Zwei Jahre nach Start des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine kommentiert die französische Regionalzeitung «Les Dernières Nouvelles d'Alsace» am Freitag den Konflikt:

«(...) Das Wort «Front» wurde während des Ersten Weltkriegs geprägt und beschreibt eine militärische Blockade, deren Folgen über die Schützengräben hinausgehen. In der französischen Öffentlichkeit haben sich Müdigkeit und Pessimismus breitgemacht, und die Ukraine und die Waffenlieferungen werden kritischer betrachtet. Europa gewöhnt sich nicht an den Krieg, im Gegensatz zu Russland, das auf Zeit spielt, um seine Wirtschaft anzupassen und seine Reserve zu aktivieren. (...)

Der Blitzeinfall wurde zu einer Sackgasse für Wladimir Putin, zu Treibstoff für die Nato und zu einem Elektroschock für die Europäer. Doch der Sumpf fördert die Ausbreitung des Konflikts in anderen Formen und auf anderen Gebieten.

Der russische Wille, die Weltordnung, wie sie sich nach dem Zusammenbruch des Ostblocks herausgebildet hat, infrage zu stellen, mischt sich in Wahlkämpfe, den Cyberspace, die soziale Destabilisierung und in das Herz der europäischen Nationen ein. Der Kreml verwischt die Grenzen zwischen Friedens- und Kriegszeiten, zwischen konventionellem und unkonventionellem Krieg. Eine solche Perspektive darf keinen Raum für Schwäche und Naivität lassen.»


«La Stampa»: Ukrainer und Russen wieder am Nullpunkt

ROM: Die italienische Tageszeitung «La Stampa» meint am Freitag zum zweiten Jahrestag des russischen Angriffs auf das Nachbarland Ukraine:

«Nach zwei Jahren sind Ukrainer und Russen wieder auf dem Nullpunkt des Konflikts angelangt. Sie haben ihre von Anfang an unerreichbaren Ziele aufgegeben und sie durch ein leeres Gebilde ersetzt. Für beide kann der Sieg nur die Vernichtung des Feindes bedeuten. Und wenn er nach einem Waffenstillstand gefragt wird (aber wer tut das schon?), antwortet jeder von ihnen voller Verachtung mit dem überwältigenden Argument von Homers Athena: Die Toten wollen ihn nicht.»

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Leserkommentare

Vom 10. bis 21. April schließen wir über die Songkranfeiertage die Kommentarfunktion und wünschen allen Ihnen ein schönes Songkran-Festival.