Zeitungen zum Geschehen am Freitag

Foto: Pixabay/Gerd Altmann
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«Stuttgarter Zeitung» zu Tod von Alexej Nawalny

Während sich der Westen mit absolut ­berechtigten Schuldzuweisungen an Russlands Diktator und seine Schergen überschlägt, während Staatsmänner aus aller Welt Familie und Freunden des Verstorbenen kondolieren, wird in Russland vergleichsweise wenig zu hören sein von dem Vorfall in der fernen Strafkolonie mit dem Namen Polarwolf, in der eben ein Gefangener gestorben ist.

So wie es in Prag und Vilnius schon heute Nemzow-Plätze gibt, werden im Westen auch Nawalny-Plätze entstehen. In Russland hat weder der eine noch der andere einen Platz. Nicht jetzt. Doch eine Hoffnung bleibt: Keine Herrschaft währt ewig.


«Frankfurter Rundschau» zu Fan-Protest gegen Investoren-Deal

Es regt sich massiver Protest gegen den Investoren-Deal der DFL.

Der Druck könnte wirken. Seit Wochen begehren die Kurven dagegen auf, dass die Deutsche Fußball-Liga sich auf der Zielgerade wähnt, für 20 Jahre einem Investor aus der Finanzbranche die Tür zu öffnen. (.) Das Dilemma könnte kaum größer sein. Mit einem Investor auf dem Spielfeld möchte die DFL die Marke Bundesligafußball aufhübschen. Derzeit passiert das Gegenteil: Die Fanproteste schaden dem Produkt. Im Frühjahr sollen die Sender und Streaming-Plattformen ihre Gebote für die nationalen Bundesligaübertragungen 2025 bis 2029 abgeben. Schon bei der letzten Auktion sanken die Preise. Um das nochmals zu verhindern, muss der Ball verlässlich rollen. Noch nie in 61 Jahren Bundesliga war die Macht der Kurven so groß wie jetzt.


«Frankfurter Allgemeine Zeitung» Zu Sicherheitsabkommen mit Kiew

Die "historische" Vereinbarung, die (.) Scholz und (.) Selenskyj in Berlin unterzeichneten, reicht bei Weitem nicht an den Pakt heran, dem Kiew lieber heute als morgen beiträte - dem NATO-Vertrag (.).

Das Papier geht auch kaum über das hinaus, was ohnehin schon zwischen beiden Staaten geschieht und verabredet ist. Doch hat die Ukraine es nun auch schriftlich, dass Deutschland ihr mindestens für zehn Jahre im Abwehrkampf gegen Russland helfen will (.) In dem Papier wird genau aufgelistet, mit wie vielen Milliarden Deutschland zum zweitgrößten Unterstützer der Ukraine nach den USA geworden ist. Doch könnte Berlin Washington nicht ersetzen, wenn es den Republikanern weiter nur um den Sieg in der Präsidentenwahl geht, nicht aber darum, Putins Vormarsch in der Ukraine und auch über deren Grenzen hinaus zu stoppen. (.).


«Pravda»: Tucker Carlson hat das Richtige gemacht

BRATISLAVA: Die slowakische Tageszeitung «Pravda» schreibt am Freitag zur Diskussion über das umstrittene Putin-Interview von Tucker Carlson:

«Der Grundsatz "Audiatur et altera pars", also "Man soll auch die andere Seite hören" stammt aus dem römischen Recht. Abgesehen von Juristen haben ihn sich aber auch Journalisten angeeignet. Vor Gericht geht es dabei um das Recht des Angeklagten, sich zu rechtfertigen, also um Gerechtigkeit. Im Journalismus geht es um Objektivität. Anständiger Journalismus überlässt dem Leser selbst, sich eine Meinung zu bilden. Doch gerade diesen trivialen journalistischen Grundsatz muss Tucker Carlson jetzt Kritikern erklären, die angewidert sind, dass auch die Gegenseite angehört wurde, anstatt ihre Sicht zu verschweigen.

Das enorme Interesse am Interview von Carlson mit dem russischen Präsidenten (Wladimir Putin) zeigte, dass es offenbar eine Nachfrage nach Meinungen auch der anderen Seite gibt. Menschen, denen selbstständiges Denken nicht weh tut, gibt es immer noch genug. Und sie schätzen die Möglichkeit, auch die andere Seite zu hören. (...) Über Carlsons Interviews, auch das mit Putin gilt: So soll das gemacht werden. Er spricht mit seinen Gästen, unterbricht sie nicht, sondern versucht zu verstehen. Er ist das Ohr, über das Millionen von Amerikanern Informationen bekommen, die sie sonst nicht hören. Die andere Seite auch anzuhören ist nützlicher, als nur die eigene Meinung über die andere Seite zu verbreiten.»


«Dagens Nyheter»: Bodenoffensive in Rafah hätte verheerende Folgen

STOCKHOLM: Die liberale schwedische Tageszeitung «Dagens Nyheter» kommentiert am Freitag die geplante Bodenoffensive des israelischen Militärs in Rafah:

«Wohin flüchtet man, wenn man am Ende des Weges angekommen ist? Das ist eine Frage, die sich ungefähr anderthalb Millionen Palästinenser in Rafah stellen müssen - die allermeisten von ihnen sind schon auf der Flucht.

Israels Bodenoffensive richtete sich zunächst gegen den nördlichen Gazastreifen. Hunderttausende Menschen flüchteten von dort, unter anderem nach Chan Junis im Süden. Seitdem dort im Dezember großangelegte Operationen eingeleitet wurden, hat sich der Flüchtlingsstrom weiter nach Rafah bewegt.

Der Krieg im Gazastreifen hat enormes Leid verursacht. Eine umfassende Bodenoffensive in Rafah würde das, was ohnehin schon eine humanitäre Katastrophe ist, deutlich verschlimmern. Es besteht offensichtlich die Gefahr, dass die Funken von dort auch das Pulverfass an der Grenze zwischen Libanon und Israel zum Explodieren bringen.

Sowohl Großbritanniens Außenminister David Cameron als auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron warnen deutlich vor einer Offensive in Rafah. Das tun auch Israels engste Verbündete, die USA. Auch die zurückhaltende schwedische Regierung sollte das ansprechen.

Der menschliche Preis einer Bodenoffensive in Rafah könnte unheimlich hoch werden. Und für Israel wäre es ein weiterer Schritt weg von der Sicherheit, die das Land verdient. Seine Freunde können nicht einfach stumm zusehen.»


«La Stampa»: Europa muss Putin standhalten

ROM: Die italienische Tageszeitung «La Stampa» meint am Freitag zu den Drohungen des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump in Richtung Europa:

«Trump hat die Nato und Europa schon als Kandidat ins Trudeln gebracht. Stellen wir uns nur vor, was geschieht, falls er wieder Präsident wird. Aber das Problem, das die Europäer angehen müssen, und zwar dringend, ist nicht er, sondern Wladimir Putin. Die Lösung liegt nicht darin, Donald Trump bei Laune zu halten; sie liegt in einer Verteidigung Europas, die Wladimir Putin die Stirn bieten kann.

Diese Verteidigung beginnt mit der Ukraine. Mit - hoffentlich - oder ohne die Amerikaner, denn der russisch-ukrainische Krieg ist ein Krieg in Europa, ein Angriff auf die europäische Sicherheit. Wenn Kiew standhält, hält Europa stand. Und umgekehrt.»

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