Zeitungen zum Geschehen am Dienstag

Foto: Adobe Stock/©elis Lasop
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«Frankfurter Rundschau» zu Wasserstoff-Initiative von 39 Staaten

Wasserstoff soll das neue Erdöl werden, denn das für die Klimawende in der Industrie zentral wichtige Gas ist ähnlich vielseitig verwendbar.

Das Problem: Zumindest in der klimaneutralen Variante, für die man viel und möglichst billigen Ökostrom braucht, wird es bisher kaum produziert. Daher ist es gut, dass sich auf dem UN-Klimagipfel in Dubai ein Staatenbündnis zusammengeschlossen hat, dass die H2-Wirtschaft beschleunigt voranbringen will. Deutschland ist einer der Initiatoren des Bündnisses. Die Breite des Zusammenschlusses ist allerdings auch ein Problem. Denn hinter der Formulierung, dass nicht nur «erneuerbarer» Wasserstoff erzeugt und vertrieben werden soll, sondern auch solcher, bei dessen Produktion «geringe CO2-Emissionen» entstehen, öffnet die Tür auch für H2 aus Erdgas und CO2-Endlagerung via CCS-Technik sowie mit Atomkraft als Energiequelle. Realistisch gesehen ist ein reiner «grüner» Wasserstoff-Weltmarkt nicht machbar. Deswegen muss diese Kröte geschluckt werden.


«Frankfurter Allgemeine Zeitung» zu Ergebnissen der PISA-Studie

Seit mehr als zwanzig Jahren stellt sich Deutschland alle drei Jahre dem PISA-Test für Fünfzehnjährige und schneidet jedes Mal schwächer ab.

(...) aufschlussreicher als die Ergebnisse selbst wären Antworten auf die Frage, was andere Länder (...) besser machen. Wie steuert Kanada die Einwanderungen so, dass Schüler mit Migrationsgeschichte nicht selten besser abschneiden als einheimische? Wie sieht die Lehrerausbildung in Singapur aus, und warum sind die Fortbildungen für Lehrer dort so viel effektiver? Es wird Zeit, dass Deutschland seine Teilnahme an Studien reduziert. (...) Vielversprechender wäre es, mehr Geld in Unterrichtsforschung zu stecken und sich an der TALIS-Studie zu beteiligen, die Aufschluss über die Arbeitsbedingungen von Lehrern und Schulleitern in unterschiedlichen Ländern gibt.


«Verdens Gang»: Die Huthi-Miliz erhöht das Risiko im Nahen Osten

OSLO: Die norwegische Boulevardzeitung «Verdens Gang» (Oslo) kommentiert am Dienstag die Angriffe der jemenitischen Huthi-Miliz auf Schiffe im Roten Meer:

«Wie Irans Stellvertreter im Libanon, die Hisbollah, will auch die Huthi-Miliz im Jemen mit der Hamas in den Krieg gegen Israel ziehen. Sie hat Raketen und Drohnen gegen Israel eingesetzt. Sie kapert Handelsschiffe, von denen sie glaubt, dass sie israelischen Eigentümern gehören. (...) Am Sonntag schoss der amerikanische Zerstörer «USS Carney» drei Kampfdrohnen ab, die aus von den Huthis kontrollierten Gebieten im Jemen kamen. Auch sollen mehrere Raketen von Land aus abgefeuert worden sein. In der Nähe befanden sich Handelsschiffe aus 14 Ländern.

Der Iran steht hinter einer sogenannten Achse von Widerstandsbewegungen, die sich gegen Israel richten. Bislang waren die Angriffe der Hisbollah auf den Norden Israels begrenzt. Zu dieser Achse gehört auch die Huthi-Miliz. (...) Die USA haben ihre militärische Präsenz in der Region verstärkt, um den Iran und seine Stellvertreter abzuschrecken. Es ist ein Spiel mit hohem Einsatz, bei dem das Risiko von Missverständnissen oder Fehleinschätzungen groß ist.»


«Kommersant»: Beispiellose Annäherung zwischen China und Belarus

MOSKAU: Zum Besuch des autoritären belarussischen Machthabers Alexander Lukaschenko in China schreibt die Moskauer Tageszeitung «Kommersant» am Dienstag:

«Der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko kam zu einem Arbeitsbesuch nach China, was für ihn bereits die zweite Reise nach Peking in diesem Jahr war. Bei einem Treffen mit dem chinesischen Staatschef Xi Jinping verkündete er eine «historische Steigerung des Niveaus der Beziehungen» zwischen beiden Staaten und er räumte erstmals ein, dass ihrer Annäherung «gemeinsame Ideologien» zugrunde liegen. Peking und Minsk beschränken sich nicht auf die Entwicklung von Handels- und Wirtschaftsbeziehungen, sondern bündeln ihre Kräfte, um die «Systeme der globalen Führung» zu verändern. (...)

Der zweitägige Besuch des belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko in Peking (...) setzte eine beispiellose Annäherung zwischen den beiden Ländern fort, die nicht nur durch das Interesse an der Entwicklung von Geschäftsbeziehungen verursacht wurde, sondern auch durch die zunehmend konfliktreiche Geopolitik.»


«Libération»: Hätte Pariser Messerangriff verhindert werden können?

PARIS: Zu dem islamistisch motivierten Messerangriff auf einen Deutschen am Eiffelturm durch einen als Gefährder eingestuften Täter schreibt die französische Tageszeitung «Libération» am Dienstag:

«(...)Einige ziehen es vor, die Verantwortung für den Anschlag auf jemand anderen abzuwälzen, wie der Innenminister, der am Montag von einem «Fehlschlag» bei der psychiatrischen Betreuung des Terroristen sprach und damit umgehend einen Aufschrei der Psychiater auslöste. In Wirklichkeit ist es leider sehr schwierig, zwischen psychiatrischen Fällen und Radikalisierung zu unterscheiden. Beide können sich gegenseitig befruchten, da radikalisierte Personen häufig unter psychischer Instabilität leiden (...). Wenn man dann noch bedenkt, dass es sehr schwierig, wenn nicht gar unmöglich ist, Menschen unter Zwang zu behandeln, versteht man die Schwierigkeit der Aufgabe.


«El País»: Fragwürdiger Vorsitz der Weltklimakonferenz

MADRID: Zu den Berichten über fragwürdige Aussagen des Präsidenten der Weltklimakonferenz in Dubai, Sultan al-Dschaber, zum Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas schreibt die spanische Zeitung «El País» am Dienstag:

«Die COP28 ist von entscheidender Bedeutung, um auf einem ehrgeizigen Weg voranzukommen und die Kohlendioxid- und Treibhausgasemissionen zu verringern, erneuerbare Energien zu entwickeln und eine faire Anpassungspolitik für den gesamten Planeten zu beschließen. Aufgrund der strategischen Rolle des Vorsitzes der Konferenz bei der Erleichterung der Debatten und bei der Förderung von Vereinbarungen wäre es ratsam gewesen, jemanden zu wählen, dessen Kriterien besser mit dem Ziel des Gipfels übereinstimmen.

Die Konferenz läuft noch bis zum 12. Dezember. Hoffentlich ist bis dahin Zeit genug, damit die Debatten den Skeptikern die Augen öffnen. Und vielleicht werden tatsächlich Vereinbarungen getroffen, die möglichst viele Länder in die Pflicht nehmen, insbesondere diejenigen, die durch ihre Politik am meisten zum Klimawandel beitragen.»


«Corriere della Sera»: Streit über Stabilitätspakt beenden

ROM: Die italienische Tageszeitung «Corriere della Sera» meint am Dienstag zu den Beratungen über einen neuen europäischen Stabilitätspakt:

«Die Eurozone kämpft am Rand einer Rezession, zwei Kriege wüten an Europas Grenzen und in den USA, Großbritannien, Russland, Taiwan sowie der EU selbst beginnen Wahlkämpfe, die das internationale Gleichgewicht in den nächsten zwölf Monaten verändern könnten, und zwar nicht zugunsten einer größeren Stabilität der Beziehungen zwischen den Großmächten. Der Kontext sollte Europas Regierungen ermutigen, sich schnell und vernünftig auf einen neuen Stabilitätspakt zu verständigen.

Der letzte Luxus, den sich die Eurozone heute leisten kann, besteht darin, sich weiterhin über die Regeln des Miteinanders zu streiten, während draußen die Welt in Aufruhr ist. Vernunft und Geschwindigkeit sind in Brüssel nicht immer zu Hause, insbesondere wenn sich die wichtigsten Regierungen zugleich von zwei Geistern beherrschen lassen: gegenseitigem Misstrauen und Verdächtigungen. In einigen Hauptstädten gibt es zudem Probleme und Widersprüche, die seit Jahren dauern und sich auf die Beziehungen in Brüssel auswirken. Das offensichtlichste Beispiel dafür ist Deutschland.»


«NZZ»: Klimakonferenzen sollten sich auf den Kern konzentrieren

ZÜRICH: Zur UN-Klimakonferenz COP28 in Dubai meint die «Neue Zürcher Zeitung» am Dienstag:

«Die Mammutveranstaltung am Persischen Golf zeigt, dass die Uno-Klimakonferenzen eine enorme Eigendynamik entwickelt haben. Die Zahl derer, die mit dem hehren Wunsch teilnehmen, etwas Gutes für das Klima zu tun, wird im Verhältnis zu all denen, die aus ganz pragmatischen, oft eher eigennützigen Gründen dabei sein wollen, immer kleiner. (...)

Bei der hohen Zahl an Konferenzteilnehmern vor Ort reibt man sich die Augen: Hat es nicht gerade eine Pandemie gegeben, in der wir gelernt haben, wie leicht sich persönliche Zusammenkünfte ersetzen lassen? Zwar gibt es auch in Dubai die Möglichkeit, per Videoschalte an Konferenzveranstaltungen teilzunehmen. Aber davon machen nur wenige Gebrauch.

Es wäre zu wünschen, man würde sich bei den Uno-Klimakonferenzen in Zukunft wieder etwas stärker auf ihren Kern konzentrieren: Delegierte aus aller Welt treffen sich, um über gemeinsame Regeln für den Klimaschutz zu beraten - und über Maßnahmen, welche die Anpassung an den Klimawandel erleichtern sollen. Viele darüber hinaus gehende Veranstaltungen könnten in die virtuelle Welt verlegt werden.»

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Hermann Hunn 07.12.23 10:00
Pisa-Studie
@Herr Bernd Lange: Wie soll das funktionieren? Niveau senken, damit der Abituranteil steigt? Werden jetzt (nur) solche Schüler zum Abitur zugelassen, deren (geistiges) Niveau unter dem Gefrierpunkt angesiedelt ist?

Das Sprichwort “Wie der Herr, so sein Gesindel“ hat nach wie vor seine Gültigkeit nicht verloren. Wer andere Kulturen als „Primaten“ schimpft, ist definitiv keine Vorbild für die jüngere Generation (Schwake, 17:10h).

Immerhin: Dem ersten Punkt Ihres Kommentar von 16:30h kann ich voll zustimmen. Mangels Kenntnis der DE-Politik kann und will ich mich zum zweiten Punkt nicht äussern. In der CH jedoch wollen die Linken (bezüglich Schulgeld) „Schulbildung für alle gleich“. Das ist aber nicht kongruent mit „gleiche Schulbildung für alle“. Ja, die deutsche Sprache hat seine Feinheiten, welche je länger je mehr den Bach runter gehen!
Norbert Schrader 07.12.23 00:00
PISA Studie
Aktuell wird auch hier in DACH in den "gleichgeschalteten Zeitungen" über die PISA Studie diskutiert. Aber auch im persönlichen Umfeld ( geprägt durch 3 junge Lehrerinnen).
Ich wurde gefragt, wie erkläre ich den Dreisatz? Ich gab zu, dass ich davon schon gehört habe, vielleicht auch vor 50 Jahren gelernt, aber erklären? Bin ja kein Lehrer gewesen.
Dann wurde die Frage gestellt: wenn du auf 100 km 7 ltr. Benzin verbrauchst, wieviel verbrauchst du auf 300 km? Das konnte ich beantworten. Also verstand ich den Dreisatz (ok die Frage ist nur der 2Satz), nur erklären konnte ich nicht. Wäre also bei PISA auch durchgefallen.

Wäre mal interessant, wenn man die PISA Studie bei über 60jährige macht.
michael von wob 06.12.23 19:00
@ Bernd Lange,
Die Pisastudie hat nix mit Abiklassen zu tun. 15jährige werden für diese Studie verglichen !
Bernd Lange 06.12.23 18:30
@von Wob-Ja was Sie gesagt haben kommt noch dazu
die Araber und Migranten kommen meist gar nicht in die ABI-Klassen- ich kenne Fälle wo Lehrer aufgefordert wurden das Klassennivoe durch Änderung der Noten nachträglich zu senken, damit der Abituranteil steigt!
michael von wob 06.12.23 17:10
@ Bernd Lange,
Quatsch ! Zu wenig Lehrer , zu viele Araber in den Klassen und Mathe ist zu schwer für die Handygeneration !
Rolf W. Schwake 06.12.23 17:10
Wie lange ...
... müssen wir uns noch täuschen lassen? Anläßlich einer familiären Diskussion über bildungsferne Einwanderundswellen in unsere Sozialsysteme und erforderlichem Fachkräftezuzug erklärte mein 12jähriger Enkelsohn, er sei der einzige Deutsche in seiner Klasse, worauf meine 11jährige Enkeltochter erwiderte, ihr ginge es etwas besser, denn sie wäre mir ihrer Freundin die beiden einzigen Deutschen in ihrer Klasse. Wenn man das Bildungsniveau auf den IQ eines Primaten senkt, hat man das Abi für alle, bei der PISA-Studie dagegen einen der hinteren Plätze. Ich bin froh, nicht mehr jung zu sein.
Bernd Lange 06.12.23 16:30
Die dummen deutschen Schüler-hausgemacht!
Hier gibt es zwei entscheidende Gründe:
1 . Die Vernachlässigung der Entwicklung des Schulsystem, Versäumnis der Lehrerausbildung!
2.Politische Wunsch der Linken nach gleicher Schulbildung, Können und Wissen-Menschen kann man zwar gleich erziehen-sie werden damit aber nicht gleich-somit hat man das Niveau so weit runtergedrückt, so daß auch der Dümmste einen Schulabschluß erhalten kann!