Zeitungen kommentieren das Weltgeschehen am Sonntag

Foto: Adobe Stock/©elis Lasop
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«Münchner Merkur» zu Scholz/Längere Coronahilfen

Wichtiger als immer neue Hilfszusagen für Corona-Betroffene wäre jetzt das klare Bekenntnis der Parteien zu einer Wende in der Viruspolitik.

Ohne Vertrauen geht es nicht: Wer in einer Branche ums Überleben kämpft, über die eine übervorsichtige Regierung bald den Delta-Lockdown verhängen könnte, überlegt sich dreimal, ob er trotz Staatsknete durchhalten soll. Gastronomie, Hotellerie, Kultur und Sport müssen darauf bauen können, dass steigende Inzidenzen nicht zur nächsten Vollbremsung führen. Bürger und Betriebe brauchen das Signal, dass jetzt, da jeder ein Impfangebot hatte, der Nanny-Staat die Verantwortung in die Hände der Bürger zurücklegt, auch unter Inkaufnahme einer höheren Zahl von Erkrankungen. Das wäre auch ein Signal an Impfzögerer, sich doch noch aufzuraffen.


«Sunday Times»: Absurde Corona-Reiseregeln

LONDON: Die Londoner «Sunday Times» kritisiert die britischen Corona-Reiseregeln:

«Der erfreuliche Rückgang der Neuinfektionen seit dem «Tag der Freiheit» am 19. Juli hat gezeigt, dass die Menschen auch bei Lockerungen der Regeln nicht gleich alle Vorsicht aufgeben. Der gesunde Menschenverstand bleibt erhalten. Doch wenn es um Auslandsreisen geht, verharrt die Regierung im Modus des Bevormundungsstaates und läuft damit Gefahr, sich in absurde Maßnahmen zu verstricken. Selbst doppelt Geimpfte müssen bei der Rückkehr aus Frankreich in Quarantäne.

Nun wird auch noch angedeutet, die Regierung wolle Spanien und Italien auf die so genannte Amber-Watchlist setzen, so dass diese Länder jederzeit auf die selbe Weise behandelt werden könnten wie Frankreich. Diese Situation ist nicht nur für die Reisebranche ärgerlich, sondern bringt auch Millionen von Menschen in Schwierigkeiten, was wiederum negative Folgen für die Wirtschaft haben könnte.»


«La Repubblica»: Krise in Tunesien ist europäisches Problem

ROM: Zur Rolle Europas in der politischen Krise Tunesiens schreibt die italienische Zeitung «La Repubblica» aus Rom am Sonntag:

«In Tunesien versucht die EU, bisher ohne großen Erfolg, den Zusammenbruch der einzigen arabischen Demokratie vor ihrer Haustür zu verhindern, nachdem sie diese im Kampf gegen eine fürchterliche Wirtschaftskrise und einer grassierende Covid-Epidemie de facto alleingelassen hat. Erneut haben Ägypten und die Emirate, wie schon bei Libyen, schneller und effektiver gehandelt und die europäischen Interessen kaputt gemacht. Früher hätte man Frankreich und vielleicht Italien für die tunesische Krise für zuständig gehalten.

Heute ist es augenscheinlich ein europäisches Problem, auch weil der Brand droht, sich auf das benachbarte Algerien auszuweiten und die Auswirkungen nicht nur an den politischen Schäden gemessen werden, sondern auch an der Möglichkeit einer erneuten Flucht von Menschen in Booten über das Mittelmeer.»


«NZZ am Sonntag»: China schüchtert Bürger ein

ZÜRICH: Die «Neue Zürcher Zeitung am Sonntag» kommentiert die Verurteilung eines Aktivisten in Hongkong zu neun Jahren Haft:

«Nun wissen die Hongkonger, was es geschlagen hat. Das erste Urteil gegen die Protestbewegung gemäß dem neuen Sicherheitsgesetz wurde gefällt. Neun Jahre muss ein 24-Jähriger ins Gefängnis, weil er unabsichtlich und ohne jemanden zu verletzen, mit einem Motorrad in eine Gruppe Polizisten fuhr und eine Fahne bei sich hatte mit dem Spruch «Befreit Hongkong, Revolution unserer Zeit».

Dieser Strafe fehlt jedes Maß. Die Absicht ist klar: Chinas Regime zeigt, dass es Kritik und eine Gefährdung seiner Macht gnadenlos bestraft. Das Volk soll eingeschüchtert und sein Widerstand gebrochen werden. Die freie Rede und der Rechtsstaat, zu denen sich Peking 1997 bei der Übergabe Hongkongs durch die Briten verpflichtete, sind endgültig abgeschafft.»

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