Zeitungen kommentieren das Weltgeschehen am Sonntag

Foto: Adobe Stock/©elis Lasop
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«The Sunday Times»: Einigung auf Mindesteuer muss umgesetzt werden

LONDON: Zur Einigung der G7-Finanzminister auf eine weltweite Mindeststeuer für Digitalkonzerne meint die Londoner «Sunday Times»:

«Nicht jeder wird der Vereinbarung Beifall spenden, die zudem noch erhebliche Hürden überwinden muss, bevor sie umgesetzt werden kann - die nächste ist der G20-Gipfel in Venedig im Juli. Irland ist mit seiner niedrigen Unternehmenssteuer eines der wenigen Länder außerhalb der Steueroasen mit einem Steuersatz, der unter dem nun vorgeschlagenen globalen Minimum liegt. Es wird einige seiner Vorteile durch dieses Abkommen verlieren und könnte Einnahmen einbüßen.

Die großen Technologiefirmen, die immer klagen, dass ihr gesellschaftliches Engagement als Unternehmen unterschätzt wird, werden die Vereinbarung ebenfalls nicht mögen. Sie können jedoch nicht sagen, dass sie nicht gewarnt wurden. Dies hat sich über Jahre hinweg angebahnt.

Die Herausforderung besteht nun darin, die Abmachung durchzuziehen und sicherzustellen, dass es weder bei den G20 noch in den Korridoren der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in der Versenkung verschwindet. Historische Vereinbarungen gibt es nicht oft. Diese verdient es, erfolgreich zu sein.»


«NZZ am Sonntag»: Schweiz muss jetzt kreative Lösungen finden

ZÜRICH: Die G7 haben sich auf eine weltweite Mindeststeuer von 15 Prozent für Großkonzerne geeinigt. Dazu meint die «Neue Zürcher Zeitung am Sonntag»:

«Die Schweiz bietet zwar keine Hand für die aggressiven Steuervermeidungskonstrukte, die dazu führen, dass gewisse Konzerne fast gar keine Steuern entrichten. Doch in einer Reihe von Kantonen bezahlen Firmen Steuersätze von weniger als 15 Prozent, was nun unter Druck geraten dürfte. Für diese Standorte sollte die Schweiz kreative Lösungen finden, die es ihnen erlauben, wettbewerbsfähig zu bleiben - auch vor dem Hintergrund unserer hohen Lohnkosten. Dafür brauchen wir nichts Neues zu erfinden. In vielen Ländern gibt es akzeptierte Abzugsmöglichkeiten, um die offiziell ausgewiesenen Steuersätze zu senken. Ein Klassiker sind dabei Forschungssubventionen. Solche Anreize können Firmen sogar dazu bewegen, bei uns jene Aktivitäten auszubauen, die besonders zukunftsträchtig sind.»


«La Repubblica»: Digitalsteuer ist ein atlantischer Erfolg

ROM: Zur Einigung der sieben führenden Industrienationen (G7) auf wichtige Pfeiler einer Digitalsteuer schreibt die italienische Zeitung «La Repubblica» aus Rom am Sonntag:

«Die grundsätzliche Einigung der G7-Finanzminister auf die globale Mindeststeuer ist ein «atlantischer» Erfolg, der Joe Bidens Methode belohnt. Wenige Tage nach seiner Ankunft in Europa stellt der US-amerikanische Präsident bereits die konkreten Vorteile einer auf Bündnisse eingehenden und gegenüber befreundeten Ländern respektvollen Außenpolitik zur Schau. Steuern für multinationale Konzerne anzupassen und Räume der legalen Umgehung zu schließen, ist für die Wirtschaftsstrategien von Biden und auch vieler europäischer Verbündeter essenziell.

Die «Konkurrenz der Verbilligung» zwischen den Staaten, um Großinvestoren ins eigene Haus zu locken, hat den großen Akteuren des Kapitalismus exorbitante Privilegien verschafft und die sozialen Ungleichheiten verschärft. Der Fiskus hat sich in der Mittelschicht verbissen, um das an anderer Stelle verlorene steuerpflichtige Einkommen zurückzubekommen.»

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