Zeitungen kommentieren das Weltgeschehen am Sonntag

Foto: Adobe Stock/©elis Lasop
Foto: Adobe Stock/©elis Lasop

«Süddeutsche Zeitung» über Parteien/Wahlkampf/Klimaschutz

Wer sich in den knapp vier Monaten bis zur Wahl glaubhaft als Klimaschützer verkaufen will, wird konkrete Antworten liefern müssen.

Worthülsen reichen nicht mehr. Egal, wer am Ende dieses Land regiert: Die Entscheidungen werden so unbequem, wie sie überfällig sind. Und wenn die Karlsruher Entscheidung eines lehrt, dann das: Der Abschied von Kohle, Öl und Gas wird umso schmerzhafter, je länger Politik und Gesellschaft ihn hinauszögern.


«Frankfurter Allgemeine Zeitung» zur grün-schwarzen Koalition/BaWü

Ihrer Zeit voraus sein - das will die neu aufgelegte grün-schwarze Koalition in Baden-Württemberg aus Sicht der CDU.

Kein schlechtes Motto. Allerdings eins, das nicht wenige zurzeit eher mit den Grünen verbinden, unabhängig von deren Personal und Politik. Immerhin ist es ein Erfolg, das Bündnis im Südwesten fortsetzen zu können, wenn auch als ausgelaugter Juniorpartner, der sich neu aufstellen muss. Dazu darf man sich nicht nur selbst verwalten, muss überzeugen, also nicht irgendwem hinterherlaufen, sondern auch man selbst sein. Das muss auch die CDU insgesamt in ihrer Findungsphase berück-sichtigen. (...).


«El País» über getötete Journalisten: Der hohe Preis der Wahrheit

MADRID: Die spanische Zeitung «El País» kommentiert am Sonntag die Tötung von zwei spanischen Krisen- und Kriegsberichterstattern sowie eines irischen Umweltschützers vermutlich durch Dschihadisten in Burkina Faso:

«Die Spanier David Beriain (43) und Roberto Fraile (47) drehten einen Dokumentarfilm über Wilderei in Burkina Faso, als sie von Dschihadisten umgebracht wurden. Ihr Tod wirft ein Schlaglicht auf die Gefahren eines Berufs, der Konflikten und Einschüchterungen durch kriminelle Organisationen ausgesetzt ist, die verhindern wollen, dass ihre Verbrechen ans Licht kommen. Laut Reporter ohne Grenzen wurden 2020 weltweit insgesamt 50 Medienmitarbeiter umgebracht, wobei Mexiko das tödlichste Land für Journalisten ist. Seit 2000 sind mehr als 100 von ihnen in diesem Land bei der Ausübung ihres Berufs gestorben.

Die Drohungen und Verbrechen gegen Journalisten, von denen die meisten ungestraft bleiben, haben die vielen Medienmitarbeiter weltweit aber nicht davon abhalten können, weiter über offene und verdeckte Konflikte zu berichten. Das Gedenken an Beriain und Fraile sollte das Ansehen eines Berufs stärken, bei dem es im Kern darum geht, die Wahrheit herauszufinden und sie auszusprechen.»


«Sunday Times»: Großbritanniens Einheit ist in Gefahr

LONDON: In Schottland finden am 6. Mai Wahlen statt. Dazu meint die britische Sonntagszeitung «The Sunday Times»:

«Wenn die Pro-Unabhängigkeits-Parteien so gut abschneiden wie erwartet, wird es schwer sein, einem weiteren Referendum (über die Unabhängigkeit Schottlands) zu widerstehen. Downing Street kann beten, dass dann wie 2014 der gesunde Menschenverstand siegt, aber eine Garantie gibt es dafür nicht. Es gibt auch keine Garantie dafür, dass die aktuellen starken Argumente für den Erhalt der Union - das Impfprogramm und die beispiellose wirtschaftliche Unterstützung Schottlands aus der Staatskasse - viel Gewicht haben werden, sollte es zu einem Referendum kommen. Bis jetzt sieht die Antwort der Regierung auf die Unabhängigkeitsgefahr dürftig aus. (...)

Jeder sollte besorgt sein über das, was in Schottland und Nordirland passiert. Schottland scheint auf dem Weg zu einer weiteren schädlichen Abstimmung über die Unabhängigkeit zu sein, während die Politik in Nordirland gefährlich instabil aussieht. Die Union ist in Gefahr und braucht dringend eine einigende Führung.»


«NZZ am Sonntag»: Osteuropäer wagen Kräftemessen mit Putin

ZÜRICH: Die «Neue Zürcher Zeitung am Sonntag» kommentiert die kritische Haltung osteuropäischer Länder zu Russland:

«Auf Sanktionen der Europäer folgen Gegensanktionen der Russen, und mit jedem diplomatischen Schlagabtausch sinken die Beziehungen nun nahezu täglich auf ein neues Tief. Beispiellos seit dem Ende der Sowjetunion vor bald 30 Jahren ist die Einreisesperre, die Moskau jetzt gegen führende Vertreter der EU verhängt hat, allen voran gegen den Präsidenten des Europaparlaments und gegen die EU-Kommissarin für Werte und Transparenz. Dies ist die Antwort auf Sanktionen gegen vier russische Offizielle, mit denen die EU gegen die Behandlung des Oppositionspolitikers Alexei Nawalny protestierte. (...) Das wirkliche Kräftemessen mit Wladimir Putins Russland liefern sich die Osteuropäer. Auf sie muss man schauen. Von den baltischen Republiken bis nach Bulgarien haben nun alle osteuropäischen Staaten - mit Ausnahme Ungarns - russische Diplomaten ausgewiesen. Dies ist ein Akt der Solidarität mit Tschechien, das den russischen Geheimdienst für die Explosion in einem Munitionsdepot 2014 verantwortlich macht. Es sind die Osteuropäer, die eine rote Linie für die Umtriebe des Kreml ziehen und dafür mehr Vergeltung riskieren als der Westen.»

Überzeugen Sie sich von unserem Online-Abo:
Die Druckausgabe als vollfarbiges PDF-Magazin weltweit herunterladen, alle Artikel vollständig lesen, im Archiv stöbern und tagesaktuelle Nachrichten per E-Mail erhalten.
Pflichtfelder

Es sind keine Kommentare zum Artikel vorhanden, bitte schreiben Sie doch den ersten Kommentar.