Zeitungen kommentieren das Weltgeschehen am Sonntag

Foto: Adobe Stock/©elis Lasop
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«Augsburger Allgemeine» zu den Corona-Maßnahmen

Ginge es nach der Lehre der reinen Vernunft, könnten die Ministerpräsidenten ihre Sitzung an diesem Mittwoch auch gleich absagen: Der Anstieg der Corona-Neuinfektionen mag sich verlangsamt haben - doch die Zahlen sind nach wie vor hoch.

Die Zeit für Lockerungen ist unter medizinischen Gesichtspunkten noch längst nicht gekommen und wird wohl auch an Weihnachten kaum erreicht sein. Und doch bedeutet Krisenmanagement eben mehr als nur nüchterne Bestandsaufnahme. Es ist gerade die Mischung aus virologischen Erkenntnissen und politischen Abwägungen, die im Moment gefragt ist. Anders gesagt: Nicht alles, was aus medizinischer Sicht angemessen ist, ist aus politischer Sicht auch angebracht. Das gilt besonders für die Festtage. Natürlich wäre es besser, jeder feiert für sich. Doch die Regierung ist darauf angewiesen, die Moral der Menschen aufrechtzuerhalten - und mit kleinen Lichtblicken für Entspannung zu sorgen.


«Corriere della Sera»: Frauenquote ist ein Geschenk Merkels

ROM: Zum 15-jährigen Amtsjubiläum von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und über die Pläne ihrer Regierung für eine Quote von mindestens einer Frau für Vorstände börsennotierter Unternehmen schreibt die italienische Zeitung «Corriere della Sera» aus Mailand am Sonntag:

«Angela Merkel hat sich für die 15 Jahre ihrer Wahl zur Kanzlerin, die heute gefeiert werden, ein Geschenk gemacht. Nach Monaten sehr schwieriger Verhandlungen hat die große Koalition eine Einigung über verbindliche Frauenquoten in den Vorständen deutscher Unternehmen erzielt. Es ist ein historischer Wendepunkt, der das Gesicht des rheinischen Kapitalismus verändern soll, der immer von Männern dominiert wurde. Die Einzelheiten des neuen Gesetzes müssen noch festgelegt werden, aber der Kern der Vereinbarung ist bereits klar definiert. (...) Der von Justizministerin Christine Lambrecht und Familienministerin Franziska Giffey, beides Sozialdemokratinnen, angekündigte Kompromiss ist das Ergebnis eines im vergangenen Januar gestarteten Projekts. Das ursprüngliche Ziel war ehrgeiziger und schlug mindestens zwei Frauen im Vorstand der privaten Unternehmen vor, stieß jedoch auf Widerstand seitens eines Teils der CDU/CSU. Zu Beginn des Sommers schien die Initiative in eine Sackgasse zu geraten. Die Intervention der Kanzlerin brachte die Wende.»


«NZZ am Sonntag»: Niemand will mit Macron große Ideen wälzen

ZÜRICH: Die «Neue Zürcher Zeitung am Sonntag» beschäftigt sich mit der Rolle von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron auf der politischen Weltbühne:

«Emmanuel Macron ist ein einsamer Mann. Will er Frankreichs verkrustete Strukturen reformieren, ist ihm der Widerstand der Gewerkschaften und der Druck der Straße gewiss. Ruft er seine europäischen Partner zu mehr Engagement in der gemeinsamen Sicherheitspolitik auf, erntet er Achselzucken. Und verteidigt er die Meinungsäußerungsfreiheit gegen islamistischen Furor, wird er willentlich missverstanden. (...)

Vielleicht hat Macron sein Amt einfach zur Unzeit angetreten. Unter anderen Zeitumständen wäre er möglicherweise ein höchst erfolgreicher Präsident. Doch im Moment zeigen seine Partner in der EU keinerlei Ambition, Europa zwischen den USA, Russland und China strategisch zu positionieren und ideell weiterzubringen. Sie sind tief in der Innenpolitik verstrickt, schlagen sich mit Corona und dem Populismus herum, befinden sich wie Angela Merkel im Herbst ihrer Laufbahn oder denken - wie die sogenannten «frugalen vier» (die Niederlande, Dänemark, Schweden und Österreich) - ein paar Nummern kleiner als der Mann in Paris. Da ist niemand, der gemeinsam mit Macron die Weltbühne bespielen und große Ideen wälzen will.»


«Observer»: Erhöhung der Militärausgaben ist unverantwortlich

LONDON: Die Londoner Sonntagszeitung «The Observer» kritisiert die geplante Erhöhung der britischen Militärausgaben:

«Das chronische Fehlen einer durchdachten Strategie wurde in der vergangenen Woche auch durch die Ankündigung zur Verteidigungspolitik deutlich, die mit grandiosen Johnson-typischen Behauptungen und schlagzeilenträchtigem Schnaufen gespickt war. Es ist bestimmt sinnvoll, Großbritanniens Cyber-Verteidigung zu modernisieren, doch ob das Land ein eigenes «Weltraumkommando» braucht - und damit jenes von Donald Trump nachahmt - ist eher fraglich.

Zusätzlich zum inflationsgeschützten Jahresbudget von 41,5 Milliarden Pfund satte 16,5 Milliarden Pfund für die Verteidigung bereitzustellen, ohne zu erklären, wie dies die Bevölkerung sicherer macht oder wie es finanziert werden soll, ist unverantwortlich.»


«Sonntagszeitung»: Demokratietaugliche Ansätze Asiens nutzen

ZÜRICH: Zum Vorgehen gegen Corona in asiatischen Ländern heißt es in der Zürcher «Sonntagszeitung»:

«Es gibt demokratietaugliche Ansätze, die uns über den Winter bringen könnten. Was ist das Erfolgsrezept von demokratischen Ländern wie Taiwan und Südkorea? Was kann man von China lernen? Die Asiaten halten die AHA-Regel (Abstand, Hygiene, Alltagsmasken) konsequent ein. Wer nicht mitmacht, der wird bestraft, und jeder versteht das. Beim Maskentragen geht es im asiatischen Verständnis nicht um Selbstverantwortung, sondern es ist schlicht unhöflich, seine Mitmenschen zu gefährden. Weiter setzten die Asiaten die Digitalisierung konsequent zur Pandemiebekämpfung ein. Das Contact-Tracing wird ernsthaft durchgeführt, auch auf Kosten des Datenschutzes, aber mit dem Ziel, die Pandemie in den Griff zu bekommen. Bei uns weigern sich noch immer viel zu viele Menschen, die Corona-App zu laden und damit funktionstüchtig zu machen.»

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