Zeitungen kommentieren das Weltgeschehen am Samstag

Foto: Adobe Stock/©elis Lasop
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«Berliner Morgenpost» zu Encrochat-Verfahren

Ermittler sprechen von einer "Zeitenwende" im Kampf gegen die organisierte Kriminalität.

Der Grund sind die entschlüsselten Chats der sogenannten Encrochat-Handys. Verbrecher nutzten den Krypto-Dienst zur Abwicklung von Waffen- oder Drogengeschäften. Der Haken: Zur Bearbeitung der Fälle ist jede Menge zusätzliches Personal nötig. Während Hamburg kräftig investierte und dort bereits fast 50 Encrochat-Verfahren abgeschlossen wurden, gibt es in Berlin erst eine einzige Verurteilung - aber mehr als 500 offene Polizei-Fälle, die noch nicht mal bei der Staatsanwaltschaft angekommen sind. Das ist ein Armutszeugnis - und bedarf dringend der Korrektur. Denn je mehr sich die Verfahren in die Länge ziehen, desto leichter können Kriminelle abtauchen und Beweismittel vernichten - und in aller Ruhe neue Deals einfädeln.


«The Guardian»: Zukunft nach Merkel ist unklar

LONDON: Der Londoner «Guardian» kommentiert am Samstag den Wahlkampf in Deutschland:

«Hätte Angela Merkel kandidiert, würde sie mit großer Wahrscheinlichkeit gewinnen. Nach 16 Jahren im Amt ist das ein Kompliment für ihre politischen Fähigkeiten und ihren konsensorientierten Regierungsstil. Aber da Deutschland vor großen Herausforderungen steht, wie der Erfüllung einiger der ehrgeizigsten Klimaziele der Welt und dem Umgang mit einer schnell alternden Bevölkerung, wird sich eine neue Generation von Führungskräften in neuen Zeiten profilieren müssen.

Wie sich eine künftige Koalition zusammensetzen wird, lässt sich kaum vorhersagen, so unsicher ist das Rennen, in dem die Führung bereits dreimal gewechselt hat. Die wirtschaftsliberale FDP könnte - zum Beispiel - nach dem 26. September zum Königsmacher werden und die Bekenntnisse der Mitte-Links-Parteien zu höheren Steuern, mehr Staatsausgaben und grünen Investitionen aushebeln. Drei Wochen vor dem Wahltag schauen die Deutschen in die Zukunft ihres Landes nach der Ära Merkel, doch sie erkennen nur ungewisse Konturen.»


«De Telegraaf»: EU soll mit Flüchtlingen erpresst werden

AMSTERDAM: Belarus versucht, die EU mit Flüchtlingen unter Druck zu setzen. Dazu heißt es am Samstag in der niederländischen Zeitung «De Telegraaf»:

«Die Europäische Union ist mit einer neuen Form der Erpressungspolitik konfrontiert. Die Waffe: Migranten. Zu Tausenden werden sie illegal über die Grenze gejagt, um so Druck auszuüben. Wie kann Brüssel dem Einhalt gebieten? Die Migrationspolitik ist die Achillesferse der EU. Angesichts des zu erwartenden Flüchtlingsstroms aus Afghanistan herrscht jetzt wieder Panik. Regime, die mit einem Mitgliedstaat oder der gesamten Union ein Hühnchen zu rupfen haben, nutzen dies in letzter Zeit dankbar aus. Der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko geht dabei am weitesten.

Der Despot hat Tausende von Migranten aus dem Irak unter Vorspiegelung falscher Tatsachen nach Belarus gelockt, um ihnen dann den Weg nach Polen, Lettland und Litauen zu weisen. Auf diese Weise versucht er, der EU wegen der Verhängung von neuen Sanktionen zu schaden und Nachbarländer für die Unterstützung von geflüchteten Oppositionellen zu bestrafen. Die Folge ist ein Chaos an der Grenze. Polen hat sogar den Ausnahmezustand ausgerufen.»


«NZZ»: Laschet muss Profil zeigen

ZÜRICH: Zum Wahlkampf in Deutschland schreibt die «Neue Zürcher Zeitung» am Samstag:

«Die CDU kann sich nicht in die eigene Spielfeldhälfte zurückziehen und auf Konterchancen warten. Sie muss stürmen und sich auf wenige, aber prägnante Botschaften konzentrieren. Laschet braucht kein Team mit unbekannten Gesichtern, er braucht stattdessen drei Dinge: Profil, Profil und Profil. Zugegeben, die drei Wochen bis zur Wahl sind eine kurze Zeit. Aber viele Wähler sind unentschlossen und bilden sich ihr Urteil erst auf den letzten Metern.

Es liegt also an Laschet, ob er die Chance nutzt. Gelingt ihm das, hat er von den drei noch immer die besten Aussichten, ins Kanzleramt einzuziehen. Baerbock hat sich mit ihrem kreativen Verhältnis zur Wahrheit unmöglich gemacht. Scholz ist populär, seine Partei ist es nicht. Die Deutschen wählen Personen, aber eben auch Parteien. Und eine Partei mit Saskia Esken als Vorsitzender kann für Wähler der Mitte nicht wählbar sein.»

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