Zeitungen kommentieren das Weltgeschehen am Samstag

Foto: Adobe Stock/©elis Lasop
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«El Mundo»: Deutschland braucht Gas aus Spanien

MADRID: Die spanische Zeitung «El Mundo» kommentiert am Samstag das Projekt einer Pipeline für Erdgas von der Iberischen Halbinsel über die Pyrenäen durch Frankreich nach Mitteleuropa:

«Der Krieg in der Ukraine und Putins Erpressung mit fossilen Brennstoffen haben die Widersprüche im Energiebereich der EU-Staaten offengelegt. Unzählige Male hat zum Beispiel der deutsche Bundeskanzler die Politik beklagt, die Berlin seit so vielen Jahren betrieben und die zu einer absoluten Abhängigkeit von russischem Gas geführt hat. Die Scholz-Regierung braucht dringend Lösungen angesichts der Gefahr, dass Moskau den Hahn zudreht. Und es ist verständlich, dass der Kanzler nun darauf drängt, den Bau einer Gaspipeline von der Iberischen Halbinsel nach Frankreich wiederzubeleben, um ganz Europa mit Gas zu versorgen, ein Projekt, das vor 15 Jahren angedacht, aber dann eingestellt wurde.

Spanien verfügt über 35 Prozent aller Flüssiggasterminals in der EU und rund 50 Prozent der Speicher. Außerdem würde unsere Verbindung nach Algerien es uns ermöglichen, mehr Gas bereitzustellen. Spanien würde sozusagen zum Eingangshafen von Kraftstoff für Europa. Und die Gaspipeline würde nicht mehr nur dem Transport von Erdgas dienen, sondern auch grünen Wasserstoff durchleiten.»


«The Telegraph»: Rushdie ehren heißt Meinungsfreiheit verteidigen

LONDON: Der Londoner «Telegraph» kommentiert am Samstag den Angriff auf Salman Rushdie:

«Heutzutage braucht es gar keinen Ajatollah, um Schriftsteller zu verurteilen. Einheimische Aktivisten sind mehr als bereit, Todesdrohungen gegen diejenigen auszusprechen, deren Meinung sie ablehnen. Man braucht nur J. K. Rowling, die beliebte Harry-Potter-Autorin, zu fragen, die wegen ihrer Haltung zu Transgender-Rechten entsetzliche Drohungen erhalten hat.

In unserem internetbesessenen Zeitalter beherrschen Bilder die Massenkommunikation. Aber Worte bleiben unübertroffen, wenn es darum geht, Ideen hervorzubringen und zu vermitteln. Schriftsteller wie Sir Salman, die die Gabe haben, diese Vorstellungen mit künstlerischem Einfallsreichtum voranzutreiben, sind sich dieser Tatsache nur allzu bewusst. Aber das wissen auch ihre Gegner: diejenigen, die sie zum Schweigen bringen, sie ausschalten, auslöschen, umbringen wollen.

Abgesehen davon, dass sie die Brillanz seiner Romane zu schätzen wissen, besteht die größte Ehrerbietung, die Sir Salmans zahlreiche Anhänger ihm erweisen können, darin, auf der Redefreiheit zu beharren, die seine Feder beflügelt hat. Sie sollten das Recht verteidigen, anderer Meinung zu sein, die Freiheit zu unterstützen, zu widersprechen und den Austausch von Ideen zu feiern.»


«De Telegraaf»: Abzug aus Afghanistan bleibt Bidens Achillesferse

AMSTERDAM: Zur politischen Lage in den USA schreibt die niederländische Zeitung «De Telegraaf» am Samstag:

«Die Durchsuchung der Wohnräume Donald Trumps in Florida durch das FBI ist ein Unsicherheitsfaktor. Ob der Ex-Präsident sie zur Mobilisierung seiner Anhängerschaft nutzen kann - die genau wie Trump glaubt, dass eine Hexenjagd auf ihn im Gange ist -, hängt davon ab, was dort gefunden wurde. Sollte es allerdings wirklich um belastende Dokumente gehen, könnte US-Präsident Joe Biden seine Aviator-Sonnenbrille aufbehalten, denn dann würde die Sonne dieses Sommers weiter für ihn strahlen. (...)

Zudem scheint sich die Wirtschaft langsam zu erholen, die Arbeitslosigkeit ist niedrig und die Inflation kühlt sich ebenso ab wie die Benzinpreise. Soweit also ein bemerkenswerter Sommer. Doch am Montag bricht für Biden wieder die Hölle los. Dann ist es ein Jahr her, dass in Afghanistan wieder die Taliban die Macht übernahmen. Nach chaotischen Szenen zog sich das mächtige Amerika wie ein Hund mit eingezogenem Schwanz aus Afghanistan zurück. Der beschämende Abzug bleibt für alle Zeit Bidens Achillesferse.»


«NZZ»: Umverteilung treibt die Inflation nur weiter an

ZÜRICH: Zu den staatlichen Maßnahmen zur Bekämpfung der Inflation in Deutschland meint die «Neue Zürcher Zeitung» am Samstag:

«Die Folgen des Kaufkraftverlusts für die Arbeitnehmer sollte der Markt über Lohnanpassungen regeln. Und der Staat kann bei den Steuern die kalte Progression mit einem Inflationsausgleich stoppen, wie dies der deutsche Finanzminister Christian Lindner sinnvollerweise fordert (und es in der Schweiz längst Usus ist). Soziale Härten lassen sich zudem mit direkt auf die Bedürftigen zielenden temporären Erleichterungen vermeiden.

Doch lieber schnürt die Politik erneut große Hilfspakete, welche die Kosten der Inflation möglichst global kompensieren. Die deutsche Koalitionsregierung unter Kanzler Olaf Scholz kümmert sich nach eigenem Bekunden darum, «dass alle Bürgerinnen und Bürger gemeinsam gut durch diese Zeit kommen». 30 Milliarden Euro gibt sie für zwei Inflations-Entlastungspakete aus. Darin enthalten sind Ermäßigungen für alle, außerdem das Neun-Euro-Ticket für die Bahn. Doch wenn alle für alle zahlen, erhöht das bloß die Nachfrage und die Umverteilung und treibt die Inflation weiter an.»

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