Zeitungen kommentieren das Weltgeschehen am Samstag

Foto: Adobe Stock/©elis Lasop
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«Washington Post»: Nordkoreas Raketen helfen nicht gegen Covid

WASHINGTON: Zu den ersten gemeldeten Corona-Todesfällen im abgeriegelten kommunistischen Nordkorea und den kürzlich erfolgten neuen Raketentests schreibt die «Washington Post»:

«Mit dem Abschuss dreier ballistischer Kurzstreckenraketen ins Meer hat Nordkorea am Donnerstag seinen 16. Waffentest in diesem Jahr unternommen. Doch weitaus bedeutsamer war eine große Explosion im Land selbst: die Bekanntgabe eines Ausbruchs des Coronavirus, an dem 525.400 Menschen erkrankt und 27 gestorben sind. Der nordkoreanische Staatschef Kim Jong Un ordnete eine Notabriegelung an. Das Land befindet sich in einer noch größeren humanitären Krise als zuvor - und Raketen werden nicht helfen. (...)

Für den Westen könnte Nordkoreas Notlage eine kleine Chance darstellen. Seit dem gescheiterten Gipfeltreffen in Hanoi 2019 liegen die Bemühungen, Nordkorea wieder einzubeziehen, auf Eis. Warum nicht die hochwirksamen mRNA-Impfstoffe - oder überhaupt alle Impfstoffe und Medikamente - ohne Bedingungen im Zusammenhang mit Kims Waffenprogrammen anbieten? Seine Kriegslust und seine Waffenprogramme machen dies schwierig. Die schlimmste Option ist jedoch, nichts zu tun, um eine Tragödie zu verhindern.»


«Nepszava»: Putins Krieg stärkt Nato

BUDAPEST: Zur Rolle der Nato seit Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine schreibt die oppositionelle ungarische Tageszeitung «Nepszava» am Samstag:

«Lord (Hastings Lionel) Ismay, dem ersten Nato-Generalsekretär, zufolge bestand der Sinn des Bündnisses darin, die Russen draußen, die Amerikaner drinnen und die Deutschen unten zu halten. Das hat sich jetzt dahingehend geändert, dass auch die Deutschen eine ihrer Wirtschaftskraft entsprechende Aufrüstung begonnen haben. Die Amerikaner wiederum (...) denken gar nicht daran, sich aus Europa zurückzuziehen. Im Gegenteil, sie haben ihre hiesigen Truppen noch um mehrere Zehntausend Mann verstärkt. Bis zum 24. Februar war eine ständige amerikanische Präsenz auf den Territorien der Nato-Nachbarländer Russlands tabu, doch auch das ist nicht mehr so, denn vom Baltikum bis zum Schwarzen Meer sind überall Kampftruppen erschienen.

Jedes Mitgliedsland steigert seine Rüstungsausgaben, Washington muss sie gar nicht mehr dazu drängen. Hinzu kommt der (geplante) Beitritt der Schweden und der Finnen, was eine weitere 1340 Kilometer lange Grenze zwischen dem Nato-Gebiet und Russland schafft und auch noch den Zugang zur Ostsee verschließt. Zugleich trennt sich Europa von den russischen Energieträgern. Das ist eine wahre Erfolgsserie. Natürlich wäre es gut zu wissen, wessen Pläne Putin umsetzt. Kann es sein, dass er ein amerikanischer Agent ist?»


«La Vanguardia»: Wachsende ökologische Verschuldung

MADRID: Die spanische Zeitung «La Vanguardia» befasst sich in einem Kommentar am Samstag mit der zunehmenden Umweltzerstörung:

«Spanien hat gestern seinen Erdüberlastungstag erreicht, etwa zwei Monate früher als der gesamte Planet. Das bedeutet, dass das Land nun bereits alle natürlichen Ressourcen verbraucht hat, die es dieses Jahr regenerieren kann, und die Kohlendioxidemissionen die Aufnahmekapazität der Wälder übersteigen. 1970 war die Welt praktisch noch im Gleichgewicht, da sie erst am 29. Dezember ins ökologische Minus rutschte. Es ist eine dramatische Entwicklung, die zeigt, dass wir den bisherigen Weg, der uns direkt in die Selbstzerstörung führt, nicht weitergehen können.

Notwendig ist ein entschlosseneres Vorantreiben der globalen Nachhaltigkeit, des Sparens und der Effizienz im Umgang mit natürlichen Ressourcen und vor allem der Förderung der Kreislaufwirtschaft. Die Länder, die sich dessen am stärksten bewusst sind, wie die europäischen, sollten am schnellsten vorangehen. Jedes Land muss sein Möglichstes tun, um seine ökologische Verschuldung abzubauen und so zur Rettung des Planeten beizutragen.»


«de Volkskrant»: Nato-Beitrittswunsch Finnlands nachvollziehbar

AMSTERDAM: Zum sich abzeichnenden Nato-Beitritt von Finnland und Schweden meint die niederländische Zeitung «de Volkskrant» am Samstag:

«Bis vor kurzem fühlten sich die Finnen und Schweden mit dem Status quo in Europa und ihrer Position außerhalb der Nato - mit der sie bereits eng zusammenarbeiteten - sicher. Aber diese Kalkulation zu ihrer nationalen Sicherheit hat sich nun geändert. Es geht nicht, wie die russische Propaganda behauptet, um aggressive Pläne gegenüber Moskau, sondern um die Stärkung der Sicherheit der eigenen Bürger. Seit dem 24. Februar ist die Angst, gegen Putins Russland allein dazustehen, größer, als die Angst vor russischen Drohungen für den Fall eines Beitritts. (...)

In einigen Nato-Ländern wird von Rechten und Linken vor einer «Eskalation» gewarnt. Doch das klingt hohl, da Russland jeden Tag Zivilisten und zivile Ziele in der Ukraine bombardiert und beschießt und die Bevölkerung in den besetzten Gebieten terrorisiert. Putin befindet sich bereits im militärischen Overdrive - nur Gegengewalt und Abschreckung können ihn aufhalten. Die Entscheidung Finnlands und Schwedens ist sehr nachvollziehbar. Die Nato sollte sie mit offenen Armen empfangen.»


«Tages-Anzeiger»: Schwarz-Grün in NRW wäre für Scholz ein Albtraum

ZÜRICH: Zur Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen heißt es am Samstag im Zürcher «Tages-Anzeiger»:

«Wie bedeutsam die Wahl zwischen Rhein und Weser ist, zeigt sich darin, dass sich sowohl Kanzler Olaf Scholz (SPD) als auch Oppositionsführer Friedrich Merz (CDU) außergewöhnlich stark engagiert haben - ganz anders als bei den vorherigen Landtagswahlen in den kleinen Bundesländern Saarland und Schleswig-Holstein. Merz stammt aus dem westfälischen Sauerland, Scholz ist zwar Hamburger, trat aber trotz des Kriegs in der Ukraine nicht weniger als viermal mit (dem SPD-Kandidaten Thomas) Kutschaty auf.

Ein Sieg würde Scholz in seinem Anspruch stärken, nicht nur Deutschland zu regieren, sondern gar ein «sozialdemokratisches Jahrzehnt» einzuläuten. Die Zweifel an seiner Führungsfähigkeit würden fürs Erste wieder verstummen. Merz wiederum könnte sich bei einem Sieg in seiner Arbeit bestätigt sehen, die Union als Oppositionskraft zu konsolidieren und wieder landesweit zur stärksten Partei zu machen. (...) Ein Sieg von CDU und Grünen in Düsseldorf und eine mögliche Koalition der beiden Parteien danach wäre für Kanzler Scholz und seine SPD so etwas wie ein perfekter Albtraum.»


«Corriere della Sera»: Musks Argument nicht glaubwürdig

ROM: Zum ausgesetzten Twitter-Deal von Tech-Milliardär Elon Musk schreibt die italienische Zeitung «Corriere della Sera» am Samstag:

«Warum bremst Musk nun wegen Fake Accounts, die sicherlich kein Geheimnis sind? Im Gegenteil, (...) die Rechtfertigung ist kaum glaubwürdig. Denn in allen Quartals- und Jahresberichten von Twitter wurde stets darauf hingewiesen, dass die Anzahl der Bot- (oder Fake-) Konten niedriger sein könnte als die der echten. Und das war lange vor dem 25. April, als Musk das Angebot machte. (...) Ist dies also ein Trick, um aus dem Geschäft herauszukommen oder einen niedrigeren Preis zu erzielen?»


«The Guardian»: Stellenstreichung im öffentlichen Dienst ist pervers

LONDON: Großbritanniens Premierminister Boris Johnson will 91.000 Jobs im öffentlichen Dienst streichen. Dazu meint der Londoner «Guardian» am Samstag:

«In einer Zeit, in der die wirtschaftliche Not derart schnell zunimmt und wohl noch weiter zunehmen wird, tritt die Mehrheit des Kabinetts weiter für extreme Ausgabenkürzungen im öffentlichen Sektor ein. Das hilft, die Ankündigung zu erklären, dass 91.000 Stellen im öffentlichen Dienst gestrichen werden müssen, damit die Steuern gesenkt werden können.

Von allen Prioritäten, mit denen Großbritannien konfrontiert ist, ist die Kürzung im öffentlichen Dienst um ein Fünftel eine, die ganz hinten anstehen sollte. Sie ist ideologisch, willkürlich und unspezifisch, und im Kontext der aktuellen nationalen und internationalen Bedürfnisse und Verpflichtungen der Regierung nahezu rätselhaft.

Es ist schwer, die Kürzung mit der steigenden Nachfrage nach Sozialleistungen, der Notwendigkeit des Wiederaufbaus des staatlichen Gesundheitsdienstes oder der Schaffung von Voraussetzungen für die Reform der Sozialfürsorge in Einklang zu bringen. Sie ist pervers angesichts der Verzögerungen und des bürokratischen Aufwands, mit denen die Wirtschaft infolge des Brexits konfrontiert ist. Einzig als rhetorische Schlagzeile für den rechten Flügel der Partei ergibt sie einen Sinn.»


«Die Presse»: Russland-Abhängigkeit im Vergleich zu China lächerlich

WIEN: Russland schlachte die Tatsache aus, dass es mit seiner großen Getreideernte die Not in vielen Ländern lindern könnte, daran aber durch die westlichen Sanktionen wegen des Angriffskriegs in der Ukraine gehindert werde, schreibt die Wiener Zeitung «Die Presse»:

«Es war die Globalisierung, die im vergangenen Jahrzehnt Millionen von Menschen aus der bittersten Armut geführt hat. Und es sind die unterbrochenen Lieferketten, die hervorgerufen durch Pandemie und Krieg die Welt wieder in alte Schablonen zurückwerfen. Statt von einer «Redimensionierung» der Globalisierung zu sprechen, braucht es vielmehr eine diversifizierte Globalisierung. Denn eines muss allen klar sein: Die Abhängigkeit von Russland mag schon schlimm genug erscheinen, aber im Vergleich zu China ist sie geradezu lächerlich. Russland ist wirtschaftlich gesehen ein Schwellenland. Ein Schwellenland allerdings mit einem gigantischen Atombombenarsenal.»

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