Zeitungen kommentieren das Weltgeschehen am Samstag

Foto: Adobe Stock/©elis Lasop
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«De Telegraaf»: Russland verdient trotz Sanktionen Geld

AMSTERDAM: Zu den Sanktionen gegen Russland schreibt die niederländische Zeitung «De Telegraaf» am Samstag:

«Russlands Wirtschaft wird länger durchhalten als die Verteidiger des Stahlwerks von Mariupol. Der Westen mag davon reden, dass die Sanktionen härter sind als je zuvor, und mit der Zeit werden die Russen dies sicherlich zu spüren bekommen. Aber trotz der soliden westlichen Front gibt es noch immer Gelegenheit für Russland Geld zu verdienen. Die größte Hintertür der Welt: China, eine wirtschaftliche Supermacht mit 1,4 Milliarden Einwohnern. Die zweite große Tür ist Indien, ein Konkurrent Chinas, aber dennoch ist das 1,3-Milliarden-Einwohner-Land, wie China, bereit, russisches Öl zu kaufen. (...)

Zwei arabische Länder, die eigentlich unter dem Schutzschirm der USA leben, verweigern ihr die Hilfe. Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate profitieren von den hohen Preisen auf dem Ölmarkt, die durch den Einmarsch Russlands in der Ukraine verursacht wurden. Sie könnten den USA und dem Westen helfen, indem sie selbst mehr Öl auf den Markt bringen, aber sie zögern, dies zu tun. Da stellt sich die Frage: Auf welcher Seite stehen sie? Es überrascht nicht, dass es nicht die Seite der demokratischen Kräfte ist.»


«The Telegraph»: Politik in Nordirland dürfte instabiler werden

LONDON: Der Londoner «Telegraph» kommentiert am Samstag den Erfolg der katholisch-republikanischen Partei Sinn Fein bei der Wahl zum nordirischen Regionalparlament:

«Es wäre falsch anzunehmen, dass das relativ gute Abschneiden der Hardliner-Nationalisten von Sinn Fein ein Zeichen wachsender Unterstützung für ein Vereinigtes Irland ist. Es gibt kaum Hinweise darauf, dass die öffentliche Meinung in der Provinz eine Abstimmung über die Grenze befürwortet. Sinn Fein konzentrierte sich daher im Wahlkampf eher auf Fragen der Lebenshaltungskosten als auf verfassungsrechtliche Angelegenheiten.(...)

Dennoch wird die nordirische Politik in den kommenden Monaten wohl instabiler werden. Der naheliegendste Grund dafür ist die anhaltende Verärgerung über das Nordirland-Protokoll, das als Teil des Brexit-Abkommens vereinbart wurde und das die Provinz in Handelsfragen anders behandelt als den Rest des Vereinigten Königreichs. (...) Dieser Status quo ist eindeutig unhaltbar. Wenn sich daran nichts ändert, könnte es für die Parteien im Nordirland-Parlament unmöglich werden, eine Einheitsregierung zu bilden.»


«NZZ»: Boris Johnson ist das Glück hold

ZÜRICH: Die «Neue Zürcher Zeitung» kommentiert am Samstag die Kommunalwahlen in Großbritanniens:

«Wieder einmal ist dem britischen Premierminister Boris Johnson das Glück hold. Die mit Spannung erwarteten Kommunalwahlen in Teilen Englands sowie in Wales und Schottland haben zwar schwere Verluste für die Konservativen gebracht. Sie haben aber kein Erdbeben ausgelöst. Johnson an der Partei- und Regierungsspitze dürfte deshalb wohl weiter wanken, aber nicht unmittelbar stürzen. Sein wichtigster Rettungsanker bleibt die relative Schwäche der Labour-Partei. (...)

Johnson der Magier darf sich aber nicht zu sicher sein. Vor ihm türmt sich ein Berg von Problemen. Da sind zum einen die großen Verluste der Konservativen bei den Kommunalwahlen im wohlhabenden Süden Englands. Zwar vermag Johnson im strukturschwachen Norden weiterhin zu punkten - obschon er diesem viel versprochen, aber bisher wenig eingehalten hat. Doch was ihn dort populär macht, wird ihm in konservativen Wahlkreisen zunehmend zur Last: Sein regelwidriges Verhalten, sein willkürliches Verhältnis zur Wahrheit, die Schnoddrigkeit gegenüber den politischen Institutionen - immer mehr Konservativen wird es langsam zu viel.»

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