Zeitungen kommentieren das Weltgeschehen am Montag

Foto: Adobe Stock/©elis Lasop
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«Frankfurter Rundschau» zur Debatte über das Impfen von Jugendlichen

Mit Stiko-Bashing kommt man nicht weiter.

Je mehr Druck aufgebaut wird, desto verstockter scheinen die Mitglieder zu werden. Zudem wird die Debatte in der Öffentlichkeit unnötig emotional aufgeladen. Motto: Die übergriffige Politik gegen die standhaften Medizinerinnen und Mediziner. Übrigens sind es jetzt die Querdenker, die plötzlich die Wissenschaft loben. Auch das sollte der Stiko zu denken geben. Zunächst sah es danach aus, als stecke die Politik den Kopf in den Sand, um beim verunsicherten Wahlvolk nicht anzuecken. Doch glücklicherweise hat sich bei Bund und Ländern die Erkenntnis durchgesetzt, dass Nichtstun fahrlässig wäre. Insofern ist der angekündigte Beschluss der Gesundheitsministerinnen und -minister überfällig, alle Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Kinder und Jugendliche, die sich in Absprache mit ihren Eltern impfen lassen wollen, dafür schnell und unkompliziert die Gelegenheit bekommen. Damit sichert die Politik Chancengleichheit - wofür sie zuständig ist.


Zeitungen kommentieren das Weltgeschehen am Montag

«Süddeutsche Zeitung» zur Diskussion über eine Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche

Nichts gegen positive Anreize, nach der Bratwurst ist vor dem Freibier.

Die Politik aber muss trotzdem dringend darauf hinarbeiten, dass spätestens im Herbst der Alltag für all diejenigen Erwachsenen maximal unbequem wird, die sich nicht impfen lassen wollen, obwohl es für sie genügend Vakzin und eine klare Impfempfehlung gibt. Nachdem Kinder und Jugendliche eineinhalb Jahre lang mitgeholfen haben, die Älteren zu schützen, obwohl sie selbst ein geringeres Risiko hatten, schwer zu erkranken, müsste inzwischen noch der letzte Erwachsene kapiert haben, dass er jetzt dran ist. Offensichtlich aber klappt das nicht gut genug. Die Reaktion der Politik darauf sollten kostenpflichtige Schnelltests sein, Stadion- und Restaurantbesuche nur noch für Geimpfte oder mit teurem PCR-Test. Stattdessen forcieren Bund und Länder die Impfung von Kindern. Vor der Drohkulisse des neuen Schuljahres wird dieses Angebot der anderen Art seine Wirkung bei vielen nicht verfehlen. Fair aber ist das nicht.


«Münchner Merkur» zu Belarus

Die unverhohlene Drohung gegen die eigene Olympionikin kann nur eines zur Folge haben: den sofortigen Ausschluss von Belarus von den olympischen Spielen.

Europa muss nicht nur unverzüglich seine Wirtschaftsbeziehungen zu diesem Schurkenstaat abbrechen. Es sollte auch dafür sorgen, dass das Schleuserregime in Minsk die baltischen Nachbarländer nicht weiter destabilisiert, indem es Migranten in großer Zahl gegen Europas Ostflanke in Marsch setzt. Dagegen helfen keine Appelle, sondern nur Zäune und befestigte Grenzanlagen. Sie sind keineswegs die von den Grünen bejammerten Bankrotterklärungen der Menschlichkeit. Sondern ein wirksames Mittel, um sich gegen Erpressung und Minsker Staatsterror zu schützen. Mit etwas mehr Realitätssinn hätte man das auch früher schon erkennen können.


«Duma»: USA wieder in zwei Lager gespalten

SOFIA: Zum Auslaufen eines wegen der Pandemie in den USA verhängten Moratoriums für Zwangsräumungen von säumigen Mietern schreibt die bulgarische sozialistische Zeitung «Duma» am Montag:

«Die enorm gelobte (US-)amerikanische Demokratie scheiterte bei einem neuen Test in puncto Gleichheit und Gerechtigkeit. Sie zog das Geld und nicht die Menschlichkeit vor. Das geht aus der Weigerung des Kongresses hervor, über das Moratorium für Zwangsräumungen von Mietern, die wegen der schweren wirtschaftlichen Folgen der Covid-Pandemie zahlungsunfähig geworden sind, abzustimmen. Das einjährige Moratorium lief am 31. Juli aus. (...) Amerika spaltete sich in zwei Lager. Das eine ist (das Lager) dieser, die die Verwundbaren und Schwachen verteidigen. Das ist das Lager der Empathie und Solidarität, der Menschlichkeit. Das Gegenlager ist das Gegenteil von all dem.»


«La Vanguardia»: Proteste gegen Corona-Regeln sind verständlich

MADRID: Zu den Protesten gegen Impfpflicht und schärfere Corona-Regeln in Frankreich, Deutschland und anderen Ländern Europas schreibt die spanische Zeitung «La Vanguardia» am Montag:

«Die westlichen Gesellschaften sind müde angesichts einer Reihe von Vorsichtsmaßnahmen und Einschränkungen, die unsere Lebensweise in einer Weise verändern, wie es nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr passiert war. Aber nicht nur wegen des Faktors Ermüdung ist es verständlich, dass es solche Proteste gibt. Auch wegen des Ausmaßes der Einschränkungen von Grundrechten wie der Bewegungsfreiheit, des Rechts auf Geheimhaltung von persönlichen Gesundheitsdaten oder des Rechts auf Intimität.

Zur Überwindung der Pandemie sind nicht alle Mittel akzeptabel. Aber es ist auch nicht akzeptabel, dass die notwendigen Einschränkungen zu unrechtmäßigen ideologischen Zwecken manipuliert werden (...) Es muss deshalb unbedingt klargestellt werden, dass es sich um Ausnahmemaßnahmen handelt, um zeitlich begrenzte Beschränkungen, die nicht von Dauer sein werden und auch nicht darauf abzielen, Gewohnheiten zu ändern oder neue Lebensweisen aufzuzwingen. Freiheit und Respekt vor dem Individuum und dessen Entscheidungsfreiheit gehören zu den wichtigsten Werten des Alten Kontinents, die uns von anderen Wirtschaftsmächten wie etwa China unterscheiden. Wir müssen unsere Bürger aber um ein wenig mehr Geduld bitten.»


«Pravda»: Die Krise der Zukunft hat schon begonnen

BRATISLAVA: Die linksliberale slowakische Tageszeitung «Pravda» warnt am Montag angesichts von Bränden und Meeresverschmutzungen in der Türkei:

«Nach offiziellen Angaben wüteten in den letzten sieben Monaten in der Türkei 133 Waldbrände, am schlimmsten war die Situation in den Touristengebieten im Süden. Diese apokalyptischen Nachrichten vom Mittelmeer kommen zusammen mit Nachrichten vom Marmarameer im Nordwesten der Türkei, wo man seit drei Monaten mit einer neuen Art von Verschmutzung des Meerwassers mit Viskosefasern kämpft. Sie kommen aus den Abwässern der Ballungsräume an den Küsten an und lassen Fischer bereits vor dem völligen Ende des Fischfangs warnen.

(...) Die türkischen Waldbrände kommen zugleich mit Warnungen vor nie dagewesenen Hitzeperioden in ganz Südeuropa, die neben weiteren Bränden auch eine ganze Reihe anderer Probleme mit sich bringen. In deren Folge werden weitere Branchen so wie jetzt die türkischen Fischer ihr nahes Ende vorhersagen, was wiederum eine ganze Reihe sozialer Erschütterungen zur Folge haben wird. (...) Brände wüten auch in Finnland, durch Mitteleuropa fegen Tornados, Hitzewellen und Überschwemmungen häufen sich immer zerstörerischer. (...)

Das Beispiel der langfristigen Zerstörung der Amazonas-Urwälder mit seinen katastrophalen Auswirkungen auf das Weltklima ebenso wie für die lokale Bevölkerung zeigt, wie eng Umweltzerstörung und Vernichtung wirtschaftlicher Existenzen mitsamt ihren sozialen Konsequenzen einander sind. (...) Erstmals in der Geschichte können wir die universale Krise der Zukunft schon als Gegenwart erleben.»


«Aftenposten»: Haiti muss sich selbst vertrauen

OSLO: Die konservative norwegische Tageszeitung «Aftenposten» (Oslo) wirft am Montag einen Blick auf die Lage in Haiti nach der Ermordung von Präsident Jovenel Moïse:

«Jovenel Moïse war äußerst unpopulär, aber wer kann sich sicher in einem Land fühlen, in dem selbst der Präsident so einfach getötet werden kann? Wenn Länder in solche Krisen geraten, ist es einfach, die Weltgemeinschaft um Unterstützung zu bitten. Was soll man auch anderes tun? Vor allem muss sich das Land aber selbst vertrauen. Die Polizei hat bei der Aufklärung des Mordes an Moïse Festnahmen getätigt, und es ist wichtig, dass dieser Prozess glaubwürdig abläuft und Ergebnisse bringt. Es braucht zudem eine gut durchgeführte Wahl in einer so stabilen Situation wie möglich. Und es ist auch notwendig, dass haitianische Politiker eine größere Verantwortung übernehmen - und nicht nur ihre eigene Machtgier befriedigen.»


«La Repubblica»: Tanker-Angriff vor Oman nur Spitze des Eisbergs?

ROM: Zum Angriff auf einen Tanker vor Oman schreibt die italienische Zeitung «La Repubblica» aus Rom am Montag:

«Nach dem Angriff auf den Tanker «M/T Mercer Street» im Golf von Oman vom vergangenen Freitag erweitert sich das Spiel auf weitere internationale Akteure und damit der Umfang möglicher Reaktionen: auf dem japanischen Schiff, verwaltet von der Firma Zodiac Maritime mit Sitz in London, die dem israelischen Milliardär Ejal Ofer gehört, haben zwei Männer der Crew ihr Leben verloren, ein Brite und ein Rumäne.

Der Drohnenangriff auf den Tanker ist die neueste Episode dessen, was Israelis die «Schlacht zwischen den Kriegen» nennen, die Israel und der Iran seit Jahren im Halbdunkeln an mehreren Fronten führen. Am bekanntesten ist Syrien, wo die israelische Luftwaffe regelmäßig die Interessen Teherans trifft. Die Konfrontation auf dem Meer, die hauptsächlich vor dem Persischen Golf stattfindet, hat in den vergangenen sechs Monaten etwa zehn Vorfälle verzeichnet, könnte aber nur die Spitze des Eisbergs sein.»


«Financial Times»: Ein Geschenk für Putin

LONDON: Die Londoner «Financial Times» kritisiert am Montag die Einigung zwischen den USA und Deutschland im Streit um die Gaspipeline Nord Stream 2:

«Nord Stream war von Anfang an ein geopolitisches Projekt. Es wird Russland die Möglichkeit geben, fast seine gesamten derzeitigen Gasexporte nach Westeuropa unter der Ostsee hindurch direkt nach Deutschland zu liefern und so die Transit-Pipeline durch die Ukraine zu umgehen. (...)

Dass sich Washington und Berlin auf ein für die Interessen der Ukraine entscheidendes Abkommen einigen, ohne dass jemand aus Kiew beteiligt ist, ist ein Geschenk an Putin, nach dessen Ansicht es für Großmächte in Ordnung ist, über das Schicksal kleinerer Mächte zu entscheiden. Auch der Zeitpunkt kurz vor den deutschen Wahlen im September ist sonderbar. Es wäre sicherlich sinnvoll gewesen, mit der nächsten Berliner Regierung zusammenzuarbeiten, zu der wahrscheinlich auch die Grünen gehören, die Nord Stream ablehnen.»


«Times»: Irans Hardliner wollen Atomgespräche verlassen

LONDON: Zum Angriff auf den Tanker «M/T Mercer Street», für den der Iran verantwortlich gemacht wird, meint die Londoner «Times» am Montag:

«Mit der Wahl eines solchen Ziels hat Teheran klar gezeigt, dass die Hardliner um den neuen iranischen Präsidenten Ebrahim Raisi wenig Interesse an einer Verbesserung der Beziehungen zu anderen Ländern haben, dass sie entschlossen sind, sich für die israelische Sabotage ihrer Atomanlagen zu rächen, und dass sie sich darauf vorbereiten, die ins Stocken geratenen Gespräche in Wien zu verlassen. Diese Gespräche sollten die amerikanischen Sanktionen lockern und das von der Trump-Regierung aufgekündigte Abkommen zur Begrenzung des iranischen Atomprogramms wiederbeleben. (...)

Der Mann, der in seinem engstirnigen Dogmatismus extremer ist als die meisten seiner Vorgänger, der enger mit der mächtigen Revolutionsgarde verbunden ist und sich selbst als Nachfolger des obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei positioniert, ist zu keinerlei Zugeständnissen an die Amerikaner bereit, denen er nach eigenen Angaben noch nie getraut hat.»


«De Tijd»: Impfrate wird an Bedeutung gewinnen

BRÜSSEL: Zur Ausbreitung der Corona-Variante Delta meint die belgische Zeitung «De Tijd» am Montag:

«Was als Sommer der Freiheit gedacht war, ist allmählich zum Sommer der Delta-Variante geworden. Das wirft einen langen Schatten auf den Herbst. (...) Die Welt leidet also unter der Delta-Variante. Was das bedeutet, ist kaum absehbar. Was das soziale Leben betrifft, so wird die Durchimpfungsrate zunehmend an Bedeutung gewinnen. Je mehr Impfungen, desto weniger Menschen werden ernsthaft erkranken.

In wirtschaftlicher Hinsicht wird es immer schwieriger, die Entwicklung vorherzusagen. Unter den gegebenen Umständen bedeutet dies, dass die am besten geschützten Gesellschaften die großen Gewinner sein werden. Global gesehen bedeutet das jedoch zugleich, dass die Ungleichheit immer größer wird. Das ist der Preis für diese Pandemie und ihre Delta-Variante. Wir sind noch nicht in Sicherheit.»


«NZZ»: In Afghanistan ist Hoffnung nicht gestorben

ZÜRICH: Zur Lage in Afghanistan nach dem Abzug der Nato-Truppen schreibt die «Neue Zürcher Zeitung» am Montag:

«In dem Land, das oft verächtlich als «hoffnungsloser Fall» abgetan wird, ist die Hoffnung nicht gestorben. Millionen haben in den letzten 20 Jahren eine Ahnung davon bekommen, wie ein selbstbestimmtes, würdiges Leben aussehen könnte. Zu verdanken haben sie das nicht nur, aber auch dem Einsatz der Nato-Truppen. Natürlich ist das Erreichte in Gefahr, sollten die Taliban wiederkehren. Aber viele Erfolge sind irreversibel und werden bleiben.

Bleiben werden sie, weil die Menschen für sie kämpfen werden. Es ist nicht so, dass die Afghanen per se «rückständig» sind und «eigentlich» eine Taliban-Herrschaft befürworten würden. Ein Grossteil der Afghanen hält von den Taliban gar nichts, und die Glaubenskrieger sind nur erfolgreich, weil sie aus Pakistan, Saudi-Arabien, Katar und Iran mit Waffen versorgt werden, weil sie morden, drohen und erpressen. (...)

Die Menschen wissen, was sie erreicht haben. Selbst wenn die emanzipierten Frauen erst einmal zurück ins Heim und an den Herd gezwungen werden: Für die Taliban und ihre Welt der islamistischen Intoleranz sind sie für immer verloren.»


«Wall Street Journal»: Iranische Ohrfeige für Biden

NEW YORK: Zum Angriff auf den Tanker vor der Küste Omans, für den Israel, Großbritannien und die USA den Iran verantwortlich machen, schreibt das «Wall Street Journal»:

«Wie viele iranische Ohrfeigen braucht (US-) Präsident (Joe) Biden, um zu akzeptieren, dass er Teherans bösartiges Verhalten nicht ändern kann, indem er zum (Atom-) Abkommen von 2015 zurückkehrt? Die jüngste Provokation war ein Angriff auf einen kommerziellen Öltanker am Donnerstagabend im Arabischen Meer, bei dem zwei Besatzungsmitglieder getötet wurden. (...)

Hier ist eine Idee: Hören Sie auf, mit dem Iran über ein Atomabkommen zu verhandeln, das das Regime belohnen würde, indem es Sanktionen aufhebt und ihm Geld und Investitionen zur Finanzierung neuer Drohnen- und anderer Angriffe in der gesamten Region und darüber hinaus zur Verfügung stellt.(...) Ein neuer Präsident mit harter Linie übernimmt die Macht in Teheran. Er hat gesagt, ein erneuerter Deal könne keine Grenzen für das Verhalten des Irans in der Region beinhalten. Statt weitere Zugeständnisse zu machen, sollte sich Herr Biden abwenden und die Sanktionen verschärfen.»

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