Wo Sherlock Holmes verschollen war…

Bergausflüge rund ums Wetterhorn in der Schweiz – Wasserfälle vom Feinsten

Das Wetterhorn mit seinem Gletscher speist die ganzen Wasserfälle in dieser Gegend. Fotos: hf
Das Wetterhorn mit seinem Gletscher speist die ganzen Wasserfälle in dieser Gegend. Fotos: hf

Der Sommerhitze in Europa entzieht man sich am besten, indem man in die Berge reist. Dazu sind das Wetterhorn und seine Umgebung bestens geeignet.

Temperaturen über 30 Grad sind in Zürich viel schlechter auszuhalten als in Thailand, weil Klimaanlagen fast unbekannt sind, aber auch simple Fans oder Ventilatoren in den Haushalten kaum vorkommen. An einem der ersten dieser so brutal heißen Tage bin ich – perfektes Timing – mit meinem Freund Dominik in die Berge gereist. Schon früh am Morgen um 07.10 Uhr verließ der Zug den Zürcher Hauptbahnhof in Richtung Luzern. Von dort ging es über den Brünig-Pass nach Meiringen und dann mit dem Postauto die kurvenreiche Strecke hinauf auf die Schwarzwaldalp.

Rettung eines frisch geborenen Kalbs

Nach einer ersten Stärkung (Ovomaltine mit Nusstörtchen) ging es zu Fuß in Richtung Rosenlaui, etwa eine Stunde leicht abfallend hinunter, alles am Fuß des sehr eindrücklichen Wetterhorns, durch eine intakte Berglandschaft mit Wildblumen und den in der Schweiz unvermeidlichen Kühen. Doch beinahe wurden wir Zeugen einer Tragödie: Ein offenbar frisch geborenes Kalb lag in steilem Terrain in einer Schneise. Die Mutterkuh konnte es unmöglich erreichen. Wir hätten zwar den elektrisch geladenen Zaun übersteigen können, um zu helfen, taten es aber nicht, da uns die Mutterkuh womöglich angegriffen hätte. Solche Angriffe können tödlich sein.

Ein elektrischer Draht für Kühe…
Ein elektrischer Draht für Kühe…

Dominik rief auf seinem Handy die Polizei an, doch die fühlte sich nicht zuständig. Später informierten wir am Eingang zu Gletscherschlucht Rosenlaui (zu Recht ein Weltkulturerbe) die Besitzer und noch später erfuhren wir, dass diese das Kalb bergen und so wohl retten konnten.

Diese Gletscherschlucht wurde vom Schmelzwasser des Rosenlaui-Gletschers, der oben am Wetterhorn liegt, über Jahrtausende gegraben. Hier versteht man das Sprichwort: „Steter Tropfen höhlt den Stein!“ Rund 45 Minuten dauert der Aufstieg über 115 Höhenmeter entlang des mächtigen Gewässers. Der steile Weg führt über 600 Meter entlang zahlloser Wasserfälle, Kavernen, Grotten, Gischtzonen und gurgelnden Wirbeln. Ein unvergleichliches, einmaliges Schauspiel wird einem hier geboten, ich werde das meinen zukünftigen Thai-Besuchern ebenso zeigen wie den Aletsch-Gletscher, der mich im vergangenen Jahr ähnlich stark beeindruckt hat.

Die Rosenlaui-Gletscher-Schlucht.
Die Rosenlaui-Gletscher-Schlucht.

Ein weiterer, toller Wasserfall am Weg

Auf dem Weg zurück nach Meiringen kann man entweder wandern oder teilweise wandern oder das Postauto benutzen. Auf jeden Fall sollte man bei der Station Zwirgi noch die Reichenbach-Wasserfälle besichtigen. Es ist immer noch dasselbe Wasser vom Rosenlaui-Gletscher, das hier viel weiter unten nochmals eine Natursensation, oder eine Serie von Natursensationen bildet. Auf einem teilweise recht steilen Weg folgt der Besucher den Fällen bis zur Bergstation einer Zahnradbahn, mit der man zum Abschluss eines eindrucksstarken Tages nach Meiringen zurückkehrt.

Einer der Reichenbach-Fälle.
Einer der Reichenbach-Fälle.

Es ist übrigens eben hier an den Reichenbach-Fällen, wo Sherlock Holmes verschollen ging. Sein Kumpan Dr. Watson war unter einem falschen Vorwand nach Meiringen zurückgerufen worden, während Sherlock unverdrossen einen Schurken jagte und dabei verloren ging. Dr. Watson konnte nicht anders als mutmaßen, dass Sherlock und der Bösewicht im Zweikampf jählings in die Wasserfälle gefallen waren und deshalb verschollen blieben…

Erst ein paar Jahre später auferstand Sherlock in einem Folgeroman und erklärte darin der Fangemeinde und Dr. Watson, wie er die Reichenbach Fälle überlebt hatte…


Hans Fritschi, Jahrgang 1957, ist ehemaliger Journalist und Buchautor, er lebt seit 1991 in Thailand. Mehrere Monate des Jahres reist er in der Welt herum, den Rest verbringt der Hobbygärtner in Pattaya und Nong Khai. Falls Sie Fragen und Anregungen an unseren Gartenkolumnisten haben, oder seinen Garten mal anschauen möchten, schicken Sie ihm eine E-Mail an oder besuchen Sie die Dicovery Garden Webseite oder Facebook. Für unterhaltsame und interessante Gartengeschichten in Bild und Ton besuchen Sie Hans Fritschis YouTube-Kanal – Teilen, Liken & Abonnieren erwünscht!

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