Winterspiele sollen zurück in heimische Gefilde

Österreichs Snowboardprofi Anna Gasser. Foto: epa/Guillaume Horcajuelo
Österreichs Snowboardprofi Anna Gasser. Foto: epa/Guillaume Horcajuelo

PYEONGCHANG (dpa) - Bis zum 31. März haben Interessenten noch Zeit, sich für die Olympischen Winterspiele in acht Jahren zu melden. Das IOC wünscht sich die Rückkehr in eine Region, in der Ski- und Eissport zu Hause sind. Anders als in Peking, das 2022 an der Reihe ist.

Die Österreicher zieren sich - auch wenn die Zeit drängt. Noch ist offen, ob Graz und Schladming als «Austria 2026» ins Rennen um die übernächsten Olympischen Winterspiele einsteigen. Bis Ende kommenden Monats haben Interessenten Zeit, sich beim IOC zu melden. Österreichs Sportminister Heinz-Christian Strache begegnet den Plänen mit Skepsis. «Es muss ein breites Wollen geben, der Region und der Menschen, die dort leben. Man kann das ja nicht gegen die Bürger in der Region machen», sagte der FPÖ-Chef der Nachrichtenagentur APA. Eine Volksbefragung ist in der Steiermark nicht geplant, die Stadt- und Gemeinderäte sollen über eine Bewerbung entscheiden.

Das Internationale Olympische Komitee will nach den Abenteuern an ungewöhnlichen Orten - Sotschi 2014, Pyeongchang 2018 und Peking 2022 - zurück in eine traditionelle Wintersportregion. Vier passende Städte sind im Rennen: Sion (Schweiz), Stockholm (Schweden), Calgary (Kanada) und Sapporo (Japan).

Bis 31. März müssen Interessenten offiziell in den Dialog mit dem Internationalen Olympischen Komitee einsteigen. Aus dem Kreis dieser Gesprächspartner wählt das IOC im Herbst voraussichtlich ein oder zwei Städte aus, die den Kandidatenstatus bekommen. Die endgültige Entscheidung über den Gastgeber 2026 fällt 2019 in Mailand. Zu Spekulationen, dass es wie im Fall der der Sommerspiele Paris 2024 und Los Angeles 2028 zu einer Doppelvergabe für 2026 und 2030 kommt, sagte IOC-Exekutivdirektor Christophe Dubi: «Es ist zu früh, um darüber zu spekulieren.»

Das Bewerbungs-Prozedere wird schlanker. Das IOC will verhindern, dass mögliche Anwärter durch ein zu aufwendiges und damit teures Verfahren verschreckt werden oder auf dem Weg bis zur Entscheidung viele Städte als Verlierer auf der Strecke bleiben. Überhaupt soll Olympia deutlich billiger für die Gastgeber werden, zum Beispiel durch die noch bessere Nutzung vorhandener Sportstätten. «Die Spiele müssen sich den Umständen anpassen, nicht umgekehrt», sagte IOC-Mitglieder John Coates.

Die Olympier sind nachdenklich geworden, als sie im Jahr 2015 nur noch die Wahl zwischen zwei asiatischen Standorten hatten: Peking und Almaty in Kasachstan. Dabei waren die Winterspiele 2018 schon nach Pyeongchang in Südkorea vergeben worden und Tokio hatte den Zuschlag für Sommer 2020 bekommen. Dieser asiatische Schwerpunkt spricht übrigens auch gegen Sapporos Chancen für 2026.

Das Wortgeklingel der Anwärter für die übernächsten Winterspiele ist schon zu vernehmen. Stockholms Bewerbungschef Richard Brisius sagt: «Meine Heimatstadt Stockholm ist die beste Stadt der Welt und ich bin überzeugt, dass wir mit einer starken Bewerbung die Spiele gewinnen können.» Der Schweizer Sportminister Guy Parmelin sagte der Nachrichtenagentur SDA: «Wenn die Schweiz das Risiko einer Durchführung von Olympischen Spielen nicht auf sich nehmen kann, dann kann es auch kein anderes Land.»

Allerdings findet im Kanton Wallis, zu dem Sion gehört, im Juni noch eine Volksbefragung statt. An solchen Referenden sind europäische Olympia-Bewerbungen zuletzt reihenweise gescheitert - auch die für Sommerspiele 2024 in Hamburg und Winterspiele 2022 in München. Für den Winter 2026 wird es keine deutsche Bewerbung geben. Sollte sich Österreich zu einer Bewerbung entscheiden, würden freilich die Bobbahn am Königssee und die Eisschnelllauf-Halle in Inzell zum Konzept gehören.

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