Neue US-Vorwürfe an die WHO überschatten Corona-Maßnahmen

Das Logo und das Gebäude des Hauptsitzes der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf. Foto: epa/Martial Trezzini
Das Logo und das Gebäude des Hauptsitzes der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf. Foto: epa/Martial Trezzini

WASHINGTON/GENF: Seine Vorwürfe gegen die WHO sind nicht neu, seine Drohungen dafür umso heftiger. US-Präsident Donald Trump will eine andere WHO - und zwar schnell. Die Botschaft aus Washington überschattet die Jahrestagung der Organisation.

US-Präsident Donald Trump hat der Weltgesundheitsorganisation (WHO) «China-Hörigkeit» vorgeworfen und mitten in der Coronavirus-Pandemie mit Austritt gedroht. Sollte sich die WHO innerhalb der kommenden 30 Tage nicht zu «wesentlichen Verbesserungen» verpflichten, werde er die US-Zahlungen an die Organisation endgültig einstellen und die Mitgliedschaft der USA in der Organisation überdenken, heißt es in einem Schreiben Trumps an den WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. Die Organisation reagierte zunächst nicht auf die heftigen Drohungen aus dem Weißen Haus.

Dafür sprachen ihr die 194 Mitgliedsländer auf der Jahrestagung in Genf ihr Vertrauen aus und forderten in einer Resolution «weltweiten, zeitnahen und gerechten Zugang und ebensolche Verteilung» von Impfstoffen und Medikamenten gegen die Krankheit Covid-19, die durch das neue Coronavirus ausgelöst werden kann. Ärmere Länder haben Sorge, dass die reichen Länder zunächst nur ihre eigene Bevölkerung bedienen. Der Chef der Organisation ging in seiner Ansprache nicht direkt auf Trump ein. «Wir begrüßen jede Initiative, die WHO zu stärken», sagte Tedros. «Aber jetzt müssen wir uns voll darauf konzentrieren, die Pandemie mit allem, was uns zur Verfügung steht, zu bekämpfen und Leben zu retten.»

Trump veröffentlichte den Brief am Montagabend (Ortszeit) nach dem ersten Tag der virtuellen Jahresversammlung der WHO-Mitgliedsländer, an dem er selbst nicht teilgenommen hatte. Er wirft der WHO China-Hörigkeit vor. Chinas Präsident Xi Jinping hatte zum Auftakt der WHO-Tagung dagegen zu größerer Unterstützung der WHO aufgerufen und die Bereitstellung von zusätzlich zwei Milliarden Dollar (1,85 Mrd Euro) Corona-Hilfen für ärmere Länder angekündigt.

Am Dienstag sagte Trump im Weißen Haus mit Blick auf die WHO: «Sie müssen einen besseren Job machen. Sie müssen anderen Ländern gegenüber, einschließlich den USA, viel fairer sein.»

Der US-Präsident hatte bereits vor einem Monat eine vorläufige Einstellung der US-Zahlungen an die WHO veranlasst und damit international Kritik auf sich gezogen. Er macht die Organisation für die hohe Anzahl der Toten in der Corona-Krise mitverantwortlich und bezeichnete die in Genf ansässige UN-Sonderorganisation als «Marionette» Chinas.

Jetzt bescheinigte er der WHO erneut einen «alarmierenden Mangel» an Unabhängigkeit von China. Die WHO habe es versäumt, glaubwürdigen Berichten nachzugehen, die in direktem Widerspruch zur Darstellung Pekings stünden, hieß es in seinem Brief. Zudem habe die WHO taiwanische Informationen über eine mögliche Übertragung des Virus von Mensch zu Mensch nicht unverzüglich mit dem Rest der Welt geteilt und das «wahrscheinlich aus politischen Gründen».

In der Krise, in der in den USA bereits mehr als 90.000 Menschen nach einer Corona-Infektion starben, ist der Präsident selbst schwer unter Druck geraten. Der Republikaner hatte die Gefahr des Coronavirus öffentlich lange heruntergespielt. Ein Vorwurf, den er gegen die WHO erhebt, wird auch gegen ihn gerichtet: China Ende Januar noch für die Transparenz im Zusammenhang mit dem Ausbruch gelobt zu haben.

In einem Tweet vom 24. Januar hatte Trump geschrieben: «China hat sehr hart daran gearbeitet, das Coronavirus einzudämmen. Die Vereinigten Staaten wissen ihre Anstrengungen und Transparenz zu schätzen.» In seinem Brief an Tedros heißt es dagegen nun: «China war alles andere als transparent.»

Was sich Trump konkret unter den nun geforderten «wesentlichen» Veränderungen bei der WHO vorstellt, bleibt vage. Die WHO müsse Unabhängigkeit von China zeigen, forderte er. Seine Regierung habe bereits Gespräche über eine Reform der Organisation begonnen. «Aber es muss schnell gehandelt werden. Wir haben keine Zeit zu verlieren.» Er könne nicht zulassen, dass das Geld von US-Steuerzahlern eine Organisation finanziere, die nicht amerikanischen Interessen diene.

Trotz der Kritik am Vorgehen Trumps gibt es Forderungen nach Reformen der WHO derzeit längst nicht nur in den USA, wie sich anlässlich der Jahrestagung zeigte. Die WHO müsse unabhängiger vom Einfluss einzelner Staaten und in ihrer koordinierenden Funktion stärker werden, sagte etwa Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.

Die WHO ist die wichtigste Sonderorganisation der Vereinten Nationen im Gesundheitsbereich. Ihr Budget speist sich vor allem aus Spenden und nur noch zu weniger als einem Viertel aus verpflichtenden Beiträgen der Mitgliedsstaaten. Die USA sind in diesem Kreis der größte Zahler: Für die Jahre 2020 und 2021 sind jeweils fast 116 Millionen US-Dollar fällig. Chinas Beitrag liegt für diese beiden Jahre bei jeweils rund 57 Millionen US-Dollar. Hinzu kommen freiwillige Beiträge, die sich im Fall der USA laut WHO in den Jahren 2018 und 2019 auf insgesamt mehr als 656 Millionen Dollar beliefen. China kam auf mehr als 10 Millionen US-Dollar.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) lobte den Beschluss der WHO in Genf: «Das ist ein großer Erfolg und ein wichtiges Zeichen unserer internationalen Geschlossenheit im Kampf gegen das Coronavirus.» Bislang gibt es weder Medikamente noch einen Impfstoff. Die Resolution verlangt auch eine unabhängige Untersuchung, wie die Welt und die WHO auf die Corona-Bedrohung reagiert haben. Weder die USA noch China erhoben Einsprüche. Allerdings distanzierten sich die USA später von einigen Formulierungen in der Resolution.

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Michael Meier 22.05.20 23:54
@ Swisshai
DT ist der Weltmeister im Schuldzuweisen . Bei jedem Eigenversagen sind andere schuld . WHO , China , die Demokraten sowieso u.a.m. Das alles stört seine bescheuerten Fans in keinster Weise . Armes Amerika !
TheO Swisshai 22.05.20 22:23
@Hansruedi Bütler /Was ging wohl durch seinen Kopf
Und warum steigen die Fallzahlen und die Toten in den USA immer noch an, in Europa hingegen nicht mehr ? Er denkt ja immer noch er macht alles richtig und Masken sind für die Katz. Ich frage mich nur, was genau hat er in der Krise bisher richtig gemacht, können Sie mir da auf die Sprünge helfen ? Seine bisherigen Leistungen beschränken sich auf Schuldzuweisungen und Jammern über die Chinesen die angeblich alles unternehmen um seine Wiederwahl zu gefährden. Masken sind zum Schutz der Mitmenschen, das interessiert ihn aber nicht, dafür nimmt er zu SEINEM EIGENEN Schutz Malariamittel. Für Trump gilt " TRUMP FIRST", "America First" ist nur sein Wahlslogan. Lieder gibt es immer noch viele die ihm jedes Wort glauben und jeden Fehler verzeihen, schon fast so als wäre er der wahrhaftige Messias. Das schlimmste daran ist, es ist nur Mangels vernünftiger Alternativen überhaupt soweit gekommen, leider bahnt sich das gleiche Übel in diesem Herbst nochmals an, zur Wahl stehen erneut nur Cholera oder die Pest. Die Amis tun mir leid, gibt es denn unter den 300 Millionen US-Amerikanern wirklich keine geeigneteren Kandidaten ? Die Auswahl ist natürlich etwas eingeschränkt, aber nicht etwa weil es zum Präsidentenamt diplomatische oder politische Erfahrung braucht, auch ehrlich und ehrbar muss man nicht sein, sondern nur genug reich, dann ist aller möglich in "Trumps USA". (wie Sie es ja kürzlich nannten)
Hansruedi Bütler 22.05.20 12:04
Was ging wohl durch seinen Kopf ...
Ich denke, dasselbige wie den Europäern.
TheO Swisshai 21.05.20 23:15
Was läuft falsch in den USA ?
Seit bald 6 Monaten kämpft die Welt mit dem Corona-Virus. Jeder Staat respektive deren Regierung tut sein bestes. Für alle war die Gefahr zur gleichen Zeit fassbar, mal abgesehen von China das logischerweise zuerst reagierte, da das Virus dort auch zuerst auftauchte. Das Fazit nach diesen 6 Monaten Kampf fällt allerdings je nach Staat sehr unterschiedlich aus. Einige Beispiele Stand heute: -TOP in jeder Beziehung: Thailand. -SEHR GUT, schnell reagiert: Taiwan, Südkorea, Japan, China, Australien, Neuseeland, Mongolei -GUT, die Ausbreitung hat den Peek beeits erreicht: DACH, Skandinavien mit Ausnahme Schweden, aber auch NL F, I, Spanien. -SCHLECHT: Weiterhin aufwärts geht geht die Kurve in Grossbritanien, Schweden, Kanada. -SCHLIMM. Nach wie vor steil aufwärts geht es in Brasillien, Indien, Bangladesch, Russland, Saudi Arabien, VAE, S.Afrika. -GANZ SCHLIMM sieht das Fazit für die USA respektive Trump aus. Für die grosse Ausbreitung und die vielen Toten in den USA, sind weder die WHO noch China verantwortlich, sie sind der schlechten Reaktion Trumps geschuldet. Seine Reaktion beruhte hauptsächlich darauf, für alles, allen anderen die Schuld zu geben. Was ging wohl durch seinen Kopf, als China im Dezember 60 Millionen Menschen unter Quarantäne stellte, hätten nicht bereits da bei ihm und seinen Geheimdiensten alle Alarmglocken laut läuten müssen ?
Thomas Sylten 20.05.20 21:55
@M.R.Berger: Ist ja wirklich erschreckend wie schnell sich der VT-Virus weltweit ausbreitet - hier jetzt auch schon. Tatsächlich finanziert Bill Gates die WHO übrigens zu 10%, nicht 80% - und dies auch nur, WEIL die Staaten so erbärmlich wenig zur Finanzierung beitragen: Würden sie der Wichtigkeit einer schlagkräftigen weltweiten Gesundheitsorganisation angemessen Gelder zuschießen, wäre Gates Anteil relativ kleiner. Es ist ja nicht Gates' Schuld dass er im Gegensatz zu den Staaten erkannt hat wie wichtig Impfungen im Kampf gegen Viren sind. Dies nur mal zur Richtigstellung dieser verschwurbelten Verdrehungen, auch wenn ich gar kein Gates-Freund bin. Herrlich auch die für jeden Eventualfall paraten Verleumdungen: Sollte sich (nach Trump) die reiche Welt zuerst bedienen, ist das eine Diskriminierung der armen Länder - gibt man es zuerst den Armen, werden sie als Testpersonen missbraucht. Wollte ausgerechnet Gates die Weltbevölkerung kontrollieren, könnte er das ja leicht mit seinem Betriebssystem tun - und möglicherweise ist das auch so. Aber Impfungen sind nun mal unsere einzige wirksame Waffe gegen Viren, auf die wir bei Corona dringend warten, um zu einem normalen Leben zurückkehren zu können. Aber ausgerechnet die Leute, die die Maßnahmen am heftigsten ablehnen, lehnen auch Impfungen ab - damit sind sie definitiv Teil des Problems, und erklärtermaßen nicht der Lösung. Herr lass Hirn wachsen..