WHO-Stiftung soll Gönner anziehen

WHO-Generalsekretär Tedros Adhanom Ghebreyesus. Foto: epa/Andy Rain
WHO-Generalsekretär Tedros Adhanom Ghebreyesus. Foto: epa/Andy Rain

GENF (dpa) - Eine gesündere Zukunft für Menschen in aller Welt - das war Auftrag der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und ist bis heute ihr Motto. Jetzt wird sie 70 Jahre alt. Eine Erfolgsgeschichte?

Ob Zika oder Schweinegrippe - in der durch Fluglinien global vernetzten Welt schrillen bei jedem Ausbruch einer gefährlichen Krankheit sofort weltweit die Alarmglocken. Dann tut die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das, wofür sie weltweit bekannt ist: Sie unterstützt betroffene Länder mit Helferteams, setzt Standards für die besten Laboranalysen und Behandlungen, empfiehlt Medikamente, führt Statistiken und entwickelt Strategien, um eine Ausbreitung zu verhindern.

In ihrer 70-jährigen Geschichte hat sie jede Menge Schlagzeilen gemacht, gute und schlechte. Am 7. April feiern die 194 Mitgliedsländer den runden Geburtstag. Zu Ehren der Gründung wird jedes Jahr an diesem Datum der Weltgesundheitstag begangen.

Zum Jubiläum hat die WHO eine Idee, die gleichzeitig chronische Geldprobleme und Kritik an zu viel Nähe der Organisation zu großen Geldgebern aus dem Weg räumen könnte: Eine WHO-Stiftung. «Dort könnte Geld zusammenfließen und völlig unabhängig von den Gebern ausgegeben werden», sagt Bernhard Schwartländer, Kabinettschef von WHO-Generalsekretär Tedros Adhanom Ghebreyesus und damit der ranghöchste Deutsche unter den 7.000 WHO-Mitarbeitern. Die Stiftung könne auch um einzelne Milliardäre buhlen, das geht bislang nicht. Die Idee soll beim WHO-Jahrestreffen im Mai zur Sprache kommen.

Die Kritik hält sich hartnäckig, dass die WHO nicht unabhängig sei. «Das finden wir sehr problematisch. Staaten, Stiftungen und erst recht die Pharmaindustrie verfolgen ihre eigenen Ziele und manipulieren, was für die Weltgesundheit getan wird - oder eben auch nicht», sagt Jörg Schaaber von der Buko-Pharma-Kampagne, die Aktivitäten der deutschen Pharmaindustrie in Drittweltländern überwacht, in einer Dokumentation des Fernsehsenders Arte.

«Wir haben sehr strikte Richtlinien, was den Umgang mit dem privaten Sektor angeht», sagt Schwartländer. Pharmafirmen hätten keinen Einfluss auf Medikamenten-Empfehlungen der WHO. Die Gates-Stiftung von Microsoft-Gründer Bill Gates und seiner Frau Melinda ist zwar der zweigrößten Geber der WHO, hinter der US-Regierung. Mit ihr gebe es aber strategische Vereinbarungen in Gesundheitsfeldern, in denen beide die gleichen Ziele verfolgten. Die Stiftung könne nicht bestimmen, wie genau die gespendeten Mittel verwendet werden.

Ein grundsätzliches Dilemma: Die WHO-Beiträge der Mitgliedsländer sind seit Jahren kaum gestiegen. Viele Regierungen geben zusätzliche Mittel nur zweckgebunden, für bestimmte Kampagnen oder Länder. «Wir brauchen aber einfach mehr Geld, um das zu leisten, was die Menschen von uns erwarten», sagt Schwartländer.

Negative Schlagzeilen machte die WHO wegen ihrer Reaktion auf die Ebola-Krise in Westafrika 2014/15. Zu Recht, wie sie selbst eingeräumt hat: Sie habe viel zu spät reagiert, das Virus breitete sich unkontrolliert über Guinea, Liberia, und Sierra Leone aus. 11.000 Menschen kamen ums Leben. Sie hat ihre Kapazitäten für schnelle Notfalleinsätze seitdem verbessert.

Im Rückblick auf ihre 70-jährige Geschichte gibt es aber einiges zu feiern, vor allem wegen der Impfprogramme: Die Ausrottung der Pocken, eines der gefährlichsten Krankheitserreger für die Menschen. Auch die Kinderlähmung ist nahezu besiegt. Die WHO hat zudem Abermillionen Durchfallerkrankungen durch Hygienekampagnen verhindert und Hunderte Millionen Menschen durch die Verbreitung von Moskitonetzen vor Malaria-Ansteckungen geschützt.

Sie hat Standards gesetzt für Luftsauberkeit, für Trinkwasser und vieles mehr, nach ihrer Tabakkonvention von 2003 haben sich 180 Länder zu Maßnahmen gegen das Rauchen verpflichtet. Sie hat wegen der Ausbreitung von Diabetes, Fettleibigkeit und Depressionen Alarm geschlagen, um Regierungen aufzurütteln, mehr in Vorbeugung zu investieren. Kein Land könne die massiven Krankheitskosten tragen, die sonst auf die Gesellschaften zukommen, sagt Schwartländer: «Gesundheit kann nicht heißen, dass wir nur Krankheiten behandeln.»

Die konkreten Ziele der WHO bis 2025: eine Milliarde Menschen mehr als heute sollen dank besserer Versorgung vor Ort vor Infektionen geschützt werden, eine Milliarde Menschen mehr sollen eine bezahlbare Krankenkasse bekommen und eine Milliarde mehr Menschen sollen durch Verbesserung ihrer Lebensumstände gesünder leben.

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