WFP warnt vor Hungersnot in Madagaskar

Foto: epa/Henitsoa Rafalia
Foto: epa/Henitsoa Rafalia

GENF: Im Süden von Madagaskar droht nach Angaben des Welternährungsprogramms (WFP) eine Hungersnot. «Die Menschen versuchen verzweifelt zu überleben und essen Heuschrecken, Blätter und rohe Kaktusfrüchte», berichtete WFP-Einsatzdirektor Amer Daoud Reportern in Genf am Freitag per Live-Schaltung aus Madagaskar. «Solche Bilder habe ich seit langer Zeit in keinem Land der Welt mehr gesehen», sagte Daoud. «Wir steuern auf ein Desaster zu.»

Er habe in abgelegenen Dörfern kleine Kinder gesehen, die nur noch aus Haut und Knochen bestanden und Mütter, deren Arme er mit Zeigefinger und Daumen umfassen konnte. Einige Mütter hätten ihre letzten Kochutensilien verkauft, um mit dem Geld Essen für ihre verhungernden Kinder zu besorgen. 1,35 Millionen Menschen bräuchten dringend Unterstützung.

Das WFP - die größte humanitäre Organisation der Welt - habe in letzter Zeit wegen völlig unzureichender Ressourcen nur 750.000 Menschen mit halben Rationen versorgen können. Es seien dringend 75 Millionen Dollar (rund 63 Millionen Euro) nötig, um die Versorgung zu verbessern und über Juli hinaus sicherzustellen.

In manchen Distrikten sei mehr als ein Viertel der Menschen akut unterernährt. Auslöser seien mehrere Dürre-Jahre hintereinander, klimabedingte Schocks sowie Sandstürme, die viele Felder unbestellbar gemacht hätten. Es habe auch in diesem Jahr bislang wenig geregnet, und die Regierung erwarte in der Region höchstens 40 Prozent der durchschnittlichen Ernte der vergangenen fünf Jahre.

Der arme Inselstaat Madagaskar vor der südostafrikanischen Küste im Indischen Ozean war einst französische Kolonie. Er ist 1,6 Mal so groß wie Deutschland und hat rund 28 Millionen Einwohner.

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