Afghanischer Luftschlag trifft eigene Kräfte

​Mindestens 13 Tote

Die afghanischen Sicherheitskräfte patrouillieren in einem Dorf, nachdem sie das Gebiet von Taliban-Kämpfern im Bezirk Achin in der Provinz Nangarhar geräumt haben. Foto: epa/Ghulamullah Habibi
Die afghanischen Sicherheitskräfte patrouillieren in einem Dorf, nachdem sie das Gebiet von Taliban-Kämpfern im Bezirk Achin in der Provinz Nangarhar geräumt haben. Foto: epa/Ghulamullah Habibi

KABUL: In Afghanistan sind bei einem offenbar fehlgeleiteten Angriff der afghanischen Luftwaffe mindestens 13 Sicherheitskräfte ums Leben gekommen. Das teilten lokale Behördenvertreter am Samstag mit. Mehrere weitere Mitglieder der Regierungseinheit seien bei dem Vorfall im Bezirk Kohistan der Provinz Badachschan im Nordosten des Landes verletzt worden, hieß es weiter.

Die Sicherheitskräfte seien gerade von einer Operation gegen die militant-islamistischen Taliban zu ihrer Basis zurückgekehrt, als sie «fälschlicherweise» getroffen worden seien, sagte ein Parlamentsmitglied aus der Provinz. Mindestens eine Person befinde sich noch in kritischem Zustand.

Erst am Freitag gab es widersprüchliche Angaben zu Opfern eines Luftschlags der afghanischen Luftwaffe im Bezirk Nahr-e Saradsch der Provinz Helmand im Süden des Landes. Manchen Berichten zufolge sind viele Zivilisten ums Leben gekommen. Von einem Behördenvertreter wiederum hieß es, es habe sich um unbewaffnete Taliban-Kämpfer gehandelt, die einen Kontrollposten plündern wollten, der davor an sie gefallen war.

Bei weiteren Gefechten in der Provinz Baghlan im Norden des Landes sind zudem mindestens sechs Polizisten, darunter zwei Bezirkspolizeichefs, ums Leben gekommen. Taliban-Kämpfer hätten versucht, in der Nacht zu Samstag den Bezirk Dschulga zu überrennen, sagten lokale Behördenvertreter.

Seit Beginn des offiziellen Abzugs der US- und anderer Nato-Truppen aus Afghanistan am 1. Mai haben die Taliban mehrere Offensiven im Land gestartet. Einige konnten Sicherheitskräfte zurückschlagen, andernorts stehen sie schwer unter Druck. Beobachter vermuten, dass diese Angriffe erst der Beginn der jährlichen Offensive der Taliban sind. Insgesamt sind seit Anfang Mai sieben Bezirke an die Islamisten gefallen. Der Abzug der internationalen Soldaten aus Afghanistan soll bis spätestens 11. September abgeschlossen sein.


Weiterer Bezirk fällt an die Taliban

KABUL: In Afghanistan ist ein weiterer Bezirk an die militant-islamistischen Taliban gefallen. Doab in der Provinz Nuristan im Osten des Landes sei kampflos an die Islamisten übergeben worden, bestätigten lokale Behördenvertreter am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. Damit sind seit Donnerstagnacht (Ortszeit) mindestens drei Bezirke an die Taliban gefallen.

Der Bezirk sei davor mindestens 20 Tage lang von den Islamisten belagert worden, sagte der Parlamentarier Ismail Atikan aus Nuristan der dpa. Die Sicherheitskräfte dort hätten so weder mit Essen, noch mit Munition versorgt werden können. Deswegen hätten sie sich gezwungen gesehen, den Bezirk zu verlassen. Über Vermittlung der Ältesten im Bezirk sei der Abzug der Armee- und Polizeieinheiten sowie der Bezirksverwaltung vereinbart worden. Die Taliban hätten davor zugesagt, sie nicht anzugreifen.

Mit Behördenvertretern von Doab verließen auch die Bezirksbehörden des Nachbarbezirks Mandol Doab. Diese waren dorthin übersiedelt, nachdem Mandol bereits früher an die Taliban gefallen war. Der Parlamentarier warnte, dass auch der Bezirk Nurgram in naher Zukunft an die Islamisten fallen könnte. Auch dieser sei belagert.

Seit Beginn des offiziellen Abzugs der US- und anderer Nato-Truppen aus Afghanistan mit 1. Mai sind somit mindestens sieben Bezirke an die Taliban gefallen. Donnerstagnacht (Ortszeit) fiel Schenkai in der Provinz Sabul im Süden des Landes nach rund einer Woche an Gefechten an die Islamisten. Am Freitag kam in der Provinz Urusgan im Süden des Landes das Bezirkszentrum von Gisab unter Kontrolle der Taliban.

Experten befürchteten eine Zunahme an Taliban-Angriffen mit Beginn des Abzugs der US- und anderer Nato-Truppen. Es ist unklar, wie sehr die internationalen Truppen aktuell die Sicherheitskräfte der Regierung noch unterstützen. Der Abzug soll bis spätestens 11. September abgeschlossen sein.

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