Weitere Löcher bohren und so Leben retten

Nachdem die zweite Wasserbohrung gelingt, verteilen wir das Nass, Gänse im Glück

Zuerst ein Luftloch in die Eischale bohren, damit wird das Ersticken vermieden. Und dann aus dem Ei helfen. Fotos: hf
Zuerst ein Luftloch in die Eischale bohren, damit wird das Ersticken vermieden. Und dann aus dem Ei helfen. Fotos: hf

Waren die Geister dagegen? Unsere erste Wasserbohrung misslingt und zwei Unfälle ereignen sich. Darauf flieht der Bautrupp entsetzt.

Die billigsten Sprinklerköpfe funktionieren gut.
Die billigsten Sprinklerköpfe funktionieren gut.

Wenn Sie meinen jüngsten Beitrag gelesen haben, mussten Sie den Eindruck gewinnen, dass mit unserer Wasserbohrung alles bestens geklappt hat. Das war aber leider nicht ganz so. Zwar hatte die Bohrung die angestrebte Tiefe von 60 Metern nach 72 Stunden endlich erreicht, aber danach ging alles schief. Die Röhre mit den Schlitzen ließ sich nicht versenken, es wurde erneut gebohrt, und dann gab es einen Unfall, in dessen Verlauf sich ein Arbeiter den Arm brach. Darauf zogen die Leute mit ihren Maschinen ab.

Neue Bohrung ist viel erfolgreicher

Genau genommen gab es sogar zwei Unfälle: Am Abend des zweiten Bohrtages, als eine Felsschicht durchbohrt war, schaute ich den Arbeitern zu und fiel urplötzlich hin, einfach so. Mein Knie wies gräss­liche Schürfwunden auf. Ich dachte mir nichts dabei.

Kurz nach ihrem Abzug kehrten die Arbeiter mit den Maschinen doch noch zurück und unternahmen zähneknirschend einen zweiten Bohrversuch. Der war sehr erfolgreich, innerhalb von 24 Stunden floss kristallklares Wasser mit großem Druck aus einer Tiefe von 52 Metern.

Am Morgen danach absolvierten meine Thais – sicher ist sicher – die bekannten animistischen Rituale zur Besänftigung der Geister mit Schweinsköpfen, Schnaps und Krimskrams. Für die Kosten kam selbstverständlich ich auf, und seitdem haben wir endlich Ruhe…

Wir haben ein Bewässerungssystem mit Sprinklern gebaut, und bis jetzt funktioniert das Ganze tadellos. Ein Gärtner kann damit große Flächen automatisch bewässern und gleichzeitig noch per Schlauch das wertvolle Nass dort hinbringen, wo die Sprinkler nicht hinkommen.

Das Schlüpfen ist sehr anstrengend

Gesottene Schweinsköpfe werden den Geistern als Opfer angeboten, aber nachher von Menschen gegessen.
Gesottene Schweinsköpfe werden den Geistern als Opfer angeboten, aber nachher von Menschen gegessen.

Wenn wir Gänseeier im Brutkasten ausbrüten, funktioniert das Schlüpfen mitunter sehr schlecht. Wahrscheinlich ist es dort einfach zu trocken, die schlupfbereiten Kerlchen schaffen es nicht, ein Luftloch in die Schale zu brechen. Wir können dann die Gänschen im Ei von außen fiepsen hören, – im Nest mit der Mutter kommunizieren sie so – dann gibt es Handlungsbedarf. Machen wir nichts, ersticken sie, deshalb schlagen wir in diesem Fall ein Loch ins Ei. Wir wissen mittlerweile, wo der Kopf liegt, weshalb die Verletzungsgefahr minimal ist.

Ist das Loch geschlagen, sieht man den Schnabel, der nach Luft schnappt. Erst jetzt beginnt die Lunge eigenständig zu arbeiten, also ähnlich wie beim Klaps auf den Po beim Menschenkind. Danach belassen wir das Ei mit Loch für weitere zwei Stunden im Brutkasten.

Der Gänseschnabel schnappt bereits nach Luft.
Der Gänseschnabel schnappt bereits nach Luft.

Entweder schafft es das Gänschen in dieser Zeit selbst das Ei zu sprengen, die Zwangsjacke zu öffnen, oder wir helfen eben auch dabei mit. Das ist eine ziemlich diffizile Aufgabe, aber wir haben schon große Erfahrung darin.

Ist das Gänschen erfolgreich herausgeschält, ist es total kaputt. Weitere 24 Stunden im Brutkasten folgen. In dieser Zeit wird der Dottersack, also der vorhandene Rest des Eidotters, nach und nach eingesogen, absorbiert.

Danach regen sich die Lebensgeister allmählich und vielleicht zwei Tage später können wir unsere neuen Gänschen mit einer Gruppe von früher Geschlüpften vereinen.


Hans Fritschi, Jahrgang 1957, ist ehemaliger Journalist und Buchautor, er lebt seit 1991 in Thailand. Mehrere Monate des Jahres reist er in der Welt herum, den Rest verbringt der Hobbygärtner in Pattaya und Nong Khai. Falls Sie Fragen und Anregungen an unseren Gartenkolumnisten haben, oder seinen Garten mal anschauen möchten, schicken Sie ihm eine E-Mail an oder besuchen Sie die Dicovery Garden Webseite oder Facebook. Für unterhaltsame und interessante Gartengeschichten in Bild und Ton besuchen Sie Hans Fritschis YouTube-Kanal – Teilen, Liken & Abonnieren erwünscht!

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