Weiter WM-Ärger um Schwimm-Streitfall Sun Yang - «Eine Frechheit»

Foto: epa/Patrick B. Kraemer
Foto: epa/Patrick B. Kraemer

GWANGJU (dpa) - Der Ärger um den WM-Titel des des Dopings beschuldigten Sun Yang hält bei der Schwimm-WM an. Die meinungsstarke Aktion des Australiers Mack Horton wird gelobt, der Chinese weiter kritisiert. Auch im deutschen Lager wird von einer «Frechheit» gesprochen.

Die Kritik am umstrittenen Schwimm-Weltmeister Sun Yang hält bei der WM in Südkorea an. Der australische Silbermedaillengewinner Mack Horton erhielt für seine demonstrative Ablehnung gegen den des Dopings verdächtigten Olympiasieger bei der Siegerehrung breite Zustimmung. Bei seiner Rückkehr ins Athletendorf soll es Beifall gegeben haben.

«Ich bin froh, dass endlich mal jemand ein Zeichen gesetzt hat», sagte Jacob Heidtmann am Montag in Gwangju. Er ist neben Sarah Köhler Athletensprecher der deutschen Mannschaft. «Mich hat's sau geärgert. Ich darf mich damit eigentlich gar nicht beschäftigen, weil das macht einen so fertig. Aber natürlich: Es frisst alle im Team an und alle waren froh, dass endlich mal ein Zeichen gesetzt wurde.»

Sun Yang hatte am Sonntag den Titel über 400 Meter Freistil gewonnen. Über 200 Meter trat er ebenfalls an und qualifizierte sich - anders als Heidtmann und der zweite deutsche Starter Poul Zellmann - locker für das Halbfinale. Und später am Montag auch für den Endlauf.

«Dass der hier schwimmt, ist eine Frechheit für alle sauberen Athleten, für jeden, der für den sauberen Sport einsteht», sagte Heidtmann. «Das ist ein Schlag ins Gesicht und ich hoffe, dass jetzt das Zeichen ausreicht, damit der Weltverband allgemein einsieht, dass der nie wieder auf so einer Bühne stehen darf.»

Die FINA ermahnte zunächst jedoch Horton und den australischen Verband. Veranstaltungen des Weltverbandes sollten nicht für persönliche Statements oder Gesten genutzt werden. In Bezug auf Sun Yang verwies die FINA auf eine anstehende Verhandlung vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS.

Nach Sun Yangs von vielen Chinesen lautstark umjubeltem Titel hatte der zweitplatzierte Horton öffentlich sein Missfallen zum Ausdruck gebracht. Der 23-Jährige verweigerte dem umstrittenen Schwimmer den Handschlag, ließ bei der Nationalhymne seinen Platz auf dem Podium frei und hielt beim Foto der Medaillengewinner reichlich Abstand. «Ich fand das Verhalten von Mack Horton aus meiner Sicht okay. Ich kann es nachvollziehen», sagte der deutsche Teamchef Bernd Berkhahn.

Bei einer unangekündigten Dopingkontrolle im September 2018 in China soll eine Probe mit Sun Yangs Blut mit einem Hammer zertrümmert worden sein. Der 27 Jahre alte dreimalige Olympiasieger soll daran direkt beteiligt gewesen sein, lautet der Vorwurf. Die FINA hatte ihn allerdings vom Betrugsverdacht freigesprochen. Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA legte Berufung gegen die FINA-Entscheidung ein. Der Fall soll im September vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS verhandelt werden. Sun Yang war bereits 2014 wegen Dopings für drei Monate gesperrt gewesen.

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