Warum feiert Russland am 9. Mai

​Sieg im Zweiten Weltkrieg

Foto: epa/Maxim Shipenkov
Foto: epa/Maxim Shipenkov

MOSKAU: Am Montag begeht Russland seinen wichtigsten Feiertag, den «Tag des Sieges», traditionell mit einer großen Militärparade am 9. Mai. Dabei hatte die deutsche Wehrmacht bereits vorher die bedingungslose Kapitulation erklärt. Das erste Dokument wurde am 7. Mai im Hauptquartier der Alliierten Streitkräfte in Reims unterzeichnet. Die Kapitulation und damit das Ende der Kampfhandlungen sollten am 8. Mai um 23.01 Uhr Mitteleuropäischer Zeit in Kraft treten. In Moskau weiter östlich war da aufgrund der Zeitverschiebung schon der 9. Mai angebrochen.

Stalin bestand zudem auf einer Ratifizierung des Dokuments, die bildwirksam auch im Hauptquartier der Roten Armee in Berlin Karlshorst vom Oberkommandierenden der Wehrmacht, Wilhelm Keitel, am 9. Mai kurz nach Mitternacht unterzeichnet wurde. In Moskau wird daher dieses Datum als Tag des Sieges gefeiert.

Die Siegesfeiern am 9. Mai berücksichtigen dabei nicht den Kriegseintritt der Sowjetunion gegen Japan auf Drängen der USA im August 1945. Der Krieg in Asien endete am 2. September mit der Kapitulation Japans.

Die Russen begehen generell nicht das Ende des Zweiten Weltkriegs, sondern das Ende des Großen Vaterländischen Kriegs. Damit wird in Moskau die Kriegsphase nach dem Überfall Nazi-Deutschlands auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 bezeichnet. Die Ereignisse der zwei Jahre zuvor - der deutsche Überfall auf Polen und die gemäß dem Hitler-Stalin-Pakt erfolgte Aufteilung Osteuropas - werden hierbei weitgehend ausgeblendet. Großer Vaterländischer Krieg heißt der Krieg in Abgrenzung zum Vaterländischen Krieg 1812, als Russland die Truppen Napoleons von seinem Gebiet vertrieb.

Militärparaden auf dem Roten Platz haben eine lange Tradition. Zu sowjetischer Zeit fanden sie jedoch hauptsächlich am 1. Mai (bis 1968) und am 7. November, dem Tag der Oktoberrevolution, statt. Nur zu großen Jahrestagen des Weltkriegsendes, 1965, 1985 und 1990, gab es auch am 9. Mai Paraden. Die jährlichen Militärparaden an diesem Datum gibt es erst seit 1995.

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David Ender 08.05.22 09:30
Verlogene Feier eines hoffnungslosen Kulturkreises
Bis heute kann das offizielle Russland nicht zugeben, dass der 2. Weltkrieg mit der Aufteilung Polens in den Zusatzprotokollen zum Hitler-Stalin Pakt begann. Zwei Diktatoren - nicht bloss Hitler - vielen 1939 ueber die Voelker Osteuropas her. Waehrend der deutsche Kulturkreis seit der totalen Niederlage gegen den Rest der Welt dem Totalitarismus final abgeschworen hat, finden Russen ihr "Vaeterchen Stalin", einen der groessten Schlaechter des 20. Jahrhdts, bis heute ganz toll. Angriffskriege gegen Finland/die Balten, Deportationen, Gulags, Saeuberungen, Unterstuetzung fuer Nordkoreas Angriffskrieg, sowjet. Unterjochung Osteuropas - nix wollen die Russen in ihrer Geschichte jemals falsch gemacht haben. In ihrer klaren Mehrzahl sind sie bis heute ein ziemlich hoffnungsloses Volk. Problem dabei: Wer aus seiner Geschichte nix lernt, der hat auch keine Zukunft. Russland ist ein armes Schwellenland mit einer Lebenserwartung wie in Ruanda. Die Selbstmord- und Totschlagsraten zaehlen zu den hoechsten der Welt. Immer rascher wird das rohstoffabhaengige Russland von modernen Nationen Asiens wie Suedkorea oder Japan abgehaengt. Kein einziges russisches Consumer Produkt ist internat. wettbewerbsfaehig. Die Korruption stnkt zum Himmel, Oligarchen verprassen das Volksvermoegen und die Gorbatschow'schen Freiheiten sind laengst abgeschafft. Also sollen sie feiern, die Russen. Ihren Fuehrer auf Lebzeit und einen Sieg der keiner ist. Der "Tag des Sieges" ist defacto ihr "Tag der Niederlage".