Wagnis Strassenverkehr (Teil1)

In Thailand gehen nicht nur die Uhren anders. Der Farang muss sich darauf einstellen, dass in Thailand viele Dinge anders sind als in seiner Heimat, wenn er nicht finanziellen, emotionalen oder körperlichen Schaden erleiden will. Das Letztere gilt vor allem dann, wenn er sich entschließt, sich mit einem Fahrzeug, egal ob auf zwei oder vier Rädern, auf Thailands Straßen zu begeben.

Wer Thailands Verkehrsverhältnisse und die Fahrpraxis in Thailand mit dem Verkehr auf deutschen Straßen gleichsetzt, der wird nicht lange auf seinen ersten Unfall zu warten brauchen. Es liegt weniger an den Straßenverhältnissen als an der typischen Thai-Mentalität der Verkehrsteilnehmer und auch der Aufsichtsbehörden, dass die Teilnahme am Straßenverkehr risikoreicher ist als bei uns zu Hause.

StrassenbauWährend bis zum Ende des 2. Weltkriegs der Zustand der ins Land führenden Strassen nicht mit europäischen Verhältnissen zu vergleichen war, hat sich das in den letzten Jahrzehnten grundlegend verändert. Einen wichtigen Impuls für die Entwicklung des Straßennetzes gab in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts der Bau von Militärbasen im Nordosten des Landes für die US-amerikanischen Truppen, die zu jener Zeit in Vietnam, Kambodscha und Laos verwickelt waren. In den letzten Jahrzehnten hat Thailand das umfangreichste Straßennetz Südostasiens aufgebaut. Die Hauptverbindungsstraßen werden von den lokalen Behörden unterhalten, die Strassen auf Provinzniveau durch die Provinzbehörden. Die Qualität der Fahrbahn und die Straßenbreite können sich daher auch beim Übergang in einen neuen Landkreis abrupt ändern. Die offizielle Höchstgeschwindigkeit innerhalb von Ortschaften beträgt 50 km/h und außerhalb 90 km/h. Auf der Autobahn beträgt die Höchstgeschwindigkeit 120 km/h.

Aber die Nutzung dieser Verkehrswege, die von über 30 Millionen registrierten Fahrzeugen befahren werden, ist alles andere als sicher. Thailand hat die relativ höchste Zahl von Straßenunfällen unter allen Ländern der Welt, mit jährlich 40 Toten auf 100.000 Einwohner. Einen übergroßen Anteil daran haben Motorradfahrer. Viele der Fahrer besitzen nicht die geringsten Kenntnisse der Straßenverkehrsordnung und oft auch keinen Führerschein. Nach offiziellen statistischen Angaben gibt es in Thailand etwa 20 Millionen registrierte Motorräder. Mit einer Bevölkerung von etwa 65 Millionen besitzt also fast ein Drittel der Bevölkerung ein Motorrad. Dagegen hat England mit etwa 50 Millionen Einwohnern nur 1,2 Millionen registrierte Motorräder. Auf dem Lande klettern schon die 12-Jährigen auf das Familienmotorrad und brausen durch die Gegend. Sobald sie etwas älter sind, wird mit dem ersten selbstverdienten oder mit dem von der in Pattaya anschaffenden großen Schwester überwiesenen Geld die erste Rate für ein eigenes Motorrad gezahlt. Von da an wird kein Schritt mehr zu Fuß gemacht. Keiner besucht eine Fahrschule, sie lernen "by trial and error”. Darüber, dass der "error” dann manchmal der letzte im Leben ist, macht sich niemand Gedanken. Sie fahren so, wie sie leben, ohne viel Rücksicht auf andere zu nehmen.

Verkehrsunfälle

Viele der tödlichen Motorradunfälle auf dem Land ereignen sich durch den Zusammenstoß mit einem Hund, der sich die Strasse als Schlafstätte ausgesucht hat, weil der Asphalt die Sonnenhitze hält. Da ergibt sich die Frage, wer nun dümmer ist, die Hunde, die sich einen schönen warmen Schlafplatz aussuchen oder die Motorradfahrer, die nachts, mit mehreren Personen auf dem Motorrad hockend, meist noch ohne Helm und oft betrunken über die dunklen Strassen rasen?

Jeder Autofahrer weicht einem auf der Fahrbahn liegenden Hund aus, selbst wenn er durch das plötzliche Abbremsen und Ausweichen hinter ihm fahrende Verkehrsteilnehmer gefährdet. Der auf der Fahrbahn befindliche Fußgänger kann nicht auf die gleiche Rücksichtnahme rechnen, schließlich ist er mit Verstand gesegnet und sollte wissen, dass die Strasse für Autos und Motorräder, aber nicht für Fußgänger da ist.

Einen großen Anteil an den Unfällen haben Pick-ups. Nicht Etwa, weil sie verkehrstechnisch unsicherer sind als andere Fahrzeuge, sondern wegen der in Thailand üblichen Praxis, die offene Ladefläche des Pick-up mit Personen zu beladen, oft zu überladen. Bei einem plötzlich notwendig werdenden Bremsmanöver riskieren zumindest die ungesichert auf den Boden der Pickup-Ladefläche hockenden Personen auf die Strasse zu fliegen. Und bei einem einfachen Überschlag, bei dem Fahrer und Beifahrer dank Gurt eine gute Chance haben, den Unfall unversehrt zu überstehen, haben die hinten auf der Ladefläche hockenden Leute kaum Aussichten, mit dem Leben oder ohne schwere Verletzungen davonzukommen.

Fortsetzung http://farangheute.com/de/pages/wagnis-strassenverkehr-teil-2

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