Wachsen die Zimtstangen auf Bäumen?

Zimt wurde einst mit Gold aufgewogen, vom Gurkenbaum und putzigen Gänschen

Zimtstangen kennt jedes Kind, aber wie wachsen die denn eigentlich am Baum? Fotos: hf
Zimtstangen kennt jedes Kind, aber wie wachsen die denn eigentlich am Baum? Fotos: hf

Jeder hat schon einmal Zimtstangen gesehen, doch wie entstehen sie? Wachsen sie wie Früchte auf Bäumen?

Zimtsterne sind ein archetypisches Weihnachtsgebäck und momentan gerade wieder sehr „in“. Neben geschlagenem Eiweiß, enthalten sie Zucker, Mandeln und eben viel Zimt. Doch was ist dieses braune Zimtpulver eigentlich? Klar, es handelt sich dabei um fein gemahlene Zimtstangen, aber woher kommen die denn nun eigentlich wieder?

Ein uraltes Gewürz für Monarchen

Der Gurkenbaum hängt voller Blüten.
Der Gurkenbaum hängt voller Blüten.

Schon die alten Ägypter kannten Zimt 2.000 Jahre vor Christi Geburt. Zimt war damals allerdings ein sauteures Gewürz, das nur Monarchen und ähnlich reichen Personen vorbehalten war: Für nur 300 g musste ein Arbeiter 50 Monate schuften. Das ist heute nicht mehr so, Zimt ist günstig in jedem Supermarkt zu haben. Warum soll man Zimt im eigenen Tropengarten anbauen? Zumal man bei der Ernte wissen muss, wie man es macht.

​Ich habe ein paar Zimtbäume im Garten, weil ich gerne interessante Pflanzen beobachte. Ich kenne Zimt seit meiner Kindheit, hatte aber keine Ahnung, wie das Zeugs aussieht, wächst und geerntet wird, und so geht es den meis­ten Gartenbesuchern auch. Eine sinnliche Annäherung ist schon einmal, ein Blatt zu nehmen, es zu erdrücken und daran zu riechen: Der Zimtgeruch ist dann schon sehr deutlich wahrnehmbar. Das ist übrigens auch bei Muskatnuss- oder Zitrusblättern so. Das Holz der drei genannten nehme ich aus dem gleichen Grund beim Räuchern, auch es enthält den typischen Geschmack des „Produkts“.

Zimtstangen sind eine Rindenschicht

Meine Zimtbäume erfreuen mich auch mit ihren schönen fleischigen Blättern, die anfänglich auch einen rötlichen Touch haben. Die Blüten hingegen sind eher nicht eindrücklich. Zimt kann durch Samen und Abmoosen vermehrt werden.

Zimtstangen habe ich noch nie geerntet, weil man dafür den Baum umhacken muss, und das widerstrebt mir. Denn beim Zimt handelt es sich um eine klar definierte, innere Schicht der Rinde. Wird diese aus dem Stamm herausgeschnitten, ist sie noch weich, härtet an der Sonne allerdings innerhalb Stunden und wird dann zerschnitten, es entstehen diese typischen Zimtstangen, wie wir sie aus dem Supermarkt kennen.

Warum ist Zimt trotz dieser „brutalen“ Erntemethode dennoch sehr günstig? Innerhalb eines Jahres wachsen um den abgehackten Zimtbaum etwa ein dutzend starke Schösslinge heran, die man eben wiederum ernten kann.

Vier putzige Gänschen sind am Grasen.
Vier putzige Gänschen sind am Grasen.

Eben blüht mal wieder der sogenannte Gurkenbaum (Averrhoa bilimbi) in unserem Garten in Pattaya. Er bringt eine ungeheure Menge von filigranen Blüten hervor und später viele kleine Früchte, die wie Cornichon aussehen, also kleine Gurken. Diese Früchte sind sehr sauer, man kann sie aber in einem Früchtekuchen (auf Schweizerdeutsch: Wähe) verwenden. Zusammen mit einem süßen Guss entsteht so eine Ersatz-Rhabarber-Wähe, eine wahre Köstlichkeit!

Gänse im Brutkasten aufzuziehen ist nicht ganz einfach. Deshalb freuen wir uns immer ganz besonders, wenn sie das erste Mal draußen sind und Gras fressen können, geschützt unter einem speziellen Netzkorb. Eben habe wir wieder zwei Neuankömmlinge vereint mit zwei, die schon etwa eine Woche alt sind. Sehr erfreulich! 

Pech hatten wir vergangene Woche, da ist ein solches Gänschen abgehauen und hat unseren Hund Cola besucht, ein finale Begegnung.

Sia dai, sagt da der Thai und hat leider recht.


Hans Fritschi, Jahrgang 1957, ist ehemaliger Journalist und Buchautor, er lebt seit 1991 in Thailand. Mehrere Monate des Jahres reist er in der Welt herum, den Rest verbringt der Hobbygärtner in Pattaya und Nong Khai. Falls Sie Fragen und Anregungen an unseren Gartenkolumnisten haben, oder seinen Garten mal anschauen möchten, schicken Sie ihm eine E-Mail an oder besuchen Sie die Dicovery Garden Webseite oder Facebook. Für unterhaltsame und interessante Gartengeschichten in Bild und Ton besuchen Sie Hans Fritschis YouTube-Kanal – Teilen, Liken & Abonnieren erwünscht!



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