VW bilanziert erstes Quartal

dicker Gewinn, aber Sorge ums Gas

VW-Mitarbeiter säubern ein Volkswagen-Logo an einem Fließband für Elektroautos. Foto: epa/Filip Singer
VW-Mitarbeiter säubern ein Volkswagen-Logo an einem Fließband für Elektroautos. Foto: epa/Filip Singer

WOLFSBURG: Bedrohliche Gemengelage, vorerst jedoch sprudelnde Erträge: Der Volkswagen-Konzern gibt Details zum Geschäftsverlauf am Jahresanfang bekannt. Der Beginn des Krieges in der Ukraine Ende Februar schlägt sich darin bislang nur bedingt nieder. Doch die Unruhe nimmt zu.

Inmitten wachsender Sorgen um die Energiesicherheit und steigende Inflation sowie um weltwirtschaftliche Verwerfungen des Ukraine-Krieges zieht Volkswagen am Mittwoch seine Zwischenbilanz zum ersten Quartal 2022. Aus vorläufigen Daten von Mitte April geht schon hervor, dass Europas größter Autokonzern bisher üppig verdient. Die Wolfsburger stellen sich aber auf weitere Risiken des Konflikts ein.

Für Januar bis März meldete Finanzvorstand Arno Antlitz ein um Sondereinflüsse aus der Dieselaffäre bereinigtes Betriebsergebnis von 8,5 Milliarden Euro. Davon kommen 3,5 Milliarden Euro aus Papieren, mit denen sich VW gegen anziehende Rohmaterialpreise absichert. Im Vorjahreszeitraum war der Gewinn im Tagesgeschäft leicht geringer ausgefallen (4,8 Mrd Euro), wenn man diesen Bucheffekt einbezieht. Auch damals gab es allerdings schon veränderte Rohstoffbewertungen.

Nimmt die Teuerung wie derzeit stark zu, steigt in der Bilanz der rechnerische Wert solcher Verträge. Zu Geld machen lassen sie sich aber kaum, weil der Konzern auf die zugehörigen Teile angewiesen ist.

In der Versorgung sowohl mit Mikrochips als auch mit verschiedenen Grundressourcen ruckelt es weiter erheblich, seit dem russischen Angriff auf die Ukraine Ende Februar verschärfte sich die Lage noch. Und im wichtigsten Einzelmarkt China führten neue harte Corona-Restriktionen dazu, dass die Bänder bei VW für längere Zeit stillstehen mussten. Es drohen zusätzliche Produktionsstopps.

Außerdem kostet Energie immer mehr. «Die Gefahr für Europa ist schon riesengroß», sagte Konzernchef Herbert Diess bei einer Veranstaltung der «Wolfsburger Allgemeinen Zeitung» und «Wolfsburger Nachrichten». «Die Inflation, die dadurch entsteht, kann Europa destabilisieren.»

Trotz hoher Nachfrage konnte die VW-Gruppe im Startquartal weltweit nur 1,9 Millionen Fahrzeuge ausliefern, gut ein Fünftel weniger als vor einem Jahr. In China gab es ein Absatzminus von 23,9 Prozent. Die Verknappung der Gesamtzahl an Autos und Umleitung noch vorhandener Elektronik in Oberklasse- und E-Modelle hält die Gewinne bisher oben.

VW äußerte sich zuletzt vorsichtig zum weiteren Verlauf. Einstweilen steht das Ziel, in diesem Jahr von 100 Euro Umsatz 7 bis 8,50 Euro in der Kasse zu behalten. Analysten glauben, dass die Erlöse noch einmal um bis zu 6 Prozent auf 266 Milliarden Euro zulegen können.

Doch vor allem die Energiesicherheit ist kaum kalkulierbar. Sollte es in Westeuropa zum flächendeckenden Stopp von Gasimporten aus Russland kommen, würden die übrigen Mengen wohl zunächst an Privathaushalte und öffentliche Einrichtungen verteilt - nicht an die Industrie.

«Wenn wir wirklich von den Lieferungen abgeschnitten würden, wäre das schon für Deutschland eine schwierige Situation», warnte Diess. «Das wollen wir uns gar nicht vorstellen.» Ein plötzliches Ausbleiben russischen Erdgases könnte auch den von VW betriebenen Umstieg der eigenen Elektrizitäts- und Wärmewerke von Kohle auf Gas verzögern.

Am Stammsitz versorgt das Unternehmen die Stadt Wolfsburg mit. «Die Bedrohung, dass wir keine Gasversorgung mehr haben, ist auch für Wolfsburg eine ernsthafte Bedrohung», meinte Diess. «Wir sind jetzt fieberhaft daran, unsere Kohlekraftwerke noch länger zu betreiben und zu sichern, dass wir bei der Gaszuteilung - wenn die denn kommt - so berücksichtigt würden, dass wir die Stadt weiter versorgen können.»

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