Vorwürfe gegen Sicherheitskräfte 

Nach Ansturm auf Exklave

Foto: epa/Miguel Oses
Foto: epa/Miguel Oses

MELILLA/MADRID: Hunderte Migranten versuchen, aus Marokko in die spanische Exklave Melilla zu kommen. Dabei gibt es mindestens 23 Tote und weitere Verletzte. Die Ereignisse lösen Empörung und scharfe Kritik aus. Spaniens Regierungschef findet hingegen ein Lob.

Nach dem Tod von mindestens 23 Menschen beim Ansturm Tausender Migranten auf die spanische Exklave Melilla in Marokko haben Menschenrechtler schwere Vorwürfe gegen die Sicherheitskräfte erhoben. Die marokkanischen Behörden hätten «ungerechtfertigte Gewalt» eingesetzt und Migranten «misshandelt», sagte der Leiter der Marokkanischen Vereinigung für Menschenrechte (AMDH) in der Stadt Nador, Amin Abidar, am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. Menschen seien stundenlang ohne medizinische Hilfe eingeschlossen auf der Erde liegengelassen worden. Nach Angaben der Organisation kamen dadurch mehrere Migranten ums Leben.

Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez machte hingegen die «Menschenhändler-Mafia» verantwortlich. «Es war ein gewaltsamer Überfall, der von der Menschenhändler-Mafia organisiert wurde», erklärte der sozialistische Politiker in Madrid. Für Marokkos Sicherheitskräfte fand Sánchez Lob, weil sie einen Angriff «auf die territoriale Integrität des Landes (Spaniens)» abgewehrt hätten.

Bis zu 2000 Menschen hatten am Freitag versucht, den Grenzzaun zwischen Marokko und Melilla zu überwinden. Nach einem Bericht des marokkanischen Staatsfernsehens von Sonntag kamen 23 Menschen ums Leben. Der Staatsagentur MAP hatte zuvor berichtet, dass 18 Migranten im Gedränge gestorben oder vom Zaun gefallen seien. AMDH sprach hingegen von 27 Toten. Nach Angaben des marokkanischen Behörden stammen die Migranten aus afrikanischen Ländern südlich der Sahara.

ADMH verbreitete Videos, auf denen zu sehen ist, wie Dutzende Migranten - umgeben von Sicherheitskräften - auf engstem Raum zusammengepfercht auf der Erde liegen. Ein Mann wird mit Blut am Kopf abgeführt. Eine Aufnahme zeigt, wie ein Uniformierter mit einem Schlagstock auf einen Mann einschlägt, der am Boden liegt. Die Aufnahmen seien von Aktivisten und Sympathisanten gemacht worden, erklärte Abidar.

Nach Angaben von MAP wurden Dutzende weitere Migranten sowie 140 Sicherheitskräfte verletzt. Das marokkanische Innenministerium warf den Migranten vor, selbst Gewalt eingesetzt zu haben. 133 Migranten sei es gelungen, über den Zaun auf spanisches Gebiet zu gelangen, meldeten spanische Medien. Marokko war 1956 von Frankreich und Spanien unabhängig geworden. Dennoch hält Spanien dort weiterhin zwei Exklaven: Melilla und das 250 Kilometer weiter westlich gelegene Ceuta an der Meerenge von Gibraltar. In der Nähe warten oft Zehntausende Afrikaner, vorwiegend aus Ländern südlich der Sahara auf eine Chance, auf eine Chance, in die EU zu gelangen.

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Ingo Kerp 26.06.22 13:50
Da muß es ja schlimm zugegangen sein, wenn die armen und mit Sicherheit friedliebenden Migranten jetzt auch noch unter "grausamen Blicken" der Sicherheitskräfte haben leiden müssen. Das hoert sich nach Folter pur an. Was in den Gutmenschenberichten nicht aufgeführt wurde ist, das die Migranten mit selbstgebauten Flammenwerfern gegen die Sicherheitskräfte am Zaun vorgegangen sind.