Vom Klimawissen zum Klimaschutz - Wie das gelingen kann

Ein Aktivist der Umweltorganisation Greenpeace steht während der Koalitionsverhandlungen zwischen Fotos, die Klimakatastrophen zeigen. Foto: epa/Clemens Bilan
Ein Aktivist der Umweltorganisation Greenpeace steht während der Koalitionsverhandlungen zwischen Fotos, die Klimakatastrophen zeigen. Foto: epa/Clemens Bilan

BERLIN: Die Klimaprognosen sind düster, das Thema Klimaschutz ist in aller Munde. Und doch fällt der Kampf gegen die Erderwärmung schwer. Wie lässt sich der Schalter umlegen?

Nach der Flutkatastrophe in Westdeutschland und den verheerenden Waldbränden dieses Jahres treibt das Thema Klimawandel die Menschen in Deutschland um wie nie. Gleichzeitig stößt eine Erhöhung der Sprit- und Energiepreise auf wenig Zustimmung. Die umstrittenen SUV erfreuen sich weiter großer Beliebtheit. Dabei will Deutschland doch bis 2045 klimaneutral werden - also nicht mehr Treibhausgase produzieren als wieder aufgenommen werden können. Wie kann das gelingen?

Entscheidend sei, die richtigen Prioritäten beim Klimaschutz zu setzen, sagt Michael Bilharz, Experte für nachhaltigen Konsum. «Wir haben ganz wenige «Big Points» beim CO2-Ausstoß, die wirklich stark ins Gewicht fallen. Da reden wir über den Kraftstoffverbrauch beim eigenen Auto, die Größe der Wohnung und deren Dämmstandard, über Flugreisen, über den Konsum tierischer Produkte.» Diese zentralen CO2-Quellen ließen sich nicht durch regionale Produkte, den Verzicht auf Plastikverpackungen oder «die Zahnbürste aus Holz» aufwiegen.

Anspruch und Wirklichkeit klaffen beim eigenen Klimaschutz oft weit auseinander. Der Klimawandel erscheine vielen als abstrakte Bedrohung, sagt Psychologin Julia Scharnhorst. «Der Mensch entscheidet häufig nicht rational, sondern - und das ist uns angeboren - eher emotional.»

Hinzu komme, dass Effekte beim individuellen Klimaschutz nicht sichtbar würden. Das Gefühl, dass der eigene Verzicht keinen Unterschied machen könnte, könne zu Resignation führen. «Natürlich kann man nicht alleine eine globale Krise lösen. Deshalb ist das Gefühl der Hilflosigkeit groß», erklärt die Expertin, die im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) die Sektion Gesundheits-, Umwelt- und Schriftpsychologie leitet. Manche neigten dann dazu, das Problem zu verdrängen oder sogar zu leugnen.

Der Psychologe Felix Peter vom BDP weist auf die Lage ärmerer Menschen hin: Für sie seien etwa steigende Spritpreise oft mit größeren finanziellen Sorgen verbunden. «Eine eigene finanzielle Notlage, die ja direkte Auswirkungen auf das aktuelle Leben hat, erscheint psychisch viel näher als die Sorge um klimatische Veränderungen.»

Ganz konkret kann jeder Einzelne laut Konsum-Experte Bilharz durch die langfristige Anpassung alltäglicher Strukturen einen großen Beitrag zur Einsparung von CO2 leisten - etwa durch die Wärmedämmung des Hauses. Die entsprechende Aufrüstung sei ein aufwendiger Schritt, «aber dann habe ich auch 40 Jahre das Thema Heizenergie erledigt», so Bilharz. Auch die Investition in eine Solaranlage auf dem Dach sei sinnvoll, wenn auch ein größeres Projekt. Einfacher, aber ebenfalls hochwirksam sei beispielsweise der Wechsel zu einem Ökostromanbieter oder - ganz banal - der Wechsel zu einem Duschsparkopf.

Doch nicht nur der eigene Fußabdruck lässt sich verbessern - auch durch eine Spende für klimawirksame Projekte auf der ganzen Welt könnten Emissionen wirksam reduziert werden, sagt Bilharz. Zudem ließen sich so lokale Lebensbedingungen verbessern, etwa durch neue Arbeitsplätze und Ökostrom in ärmeren Weltregionen.

Die Experten sehen neben den Bürgern aber auch die Politik und die Wirtschaft in der Pflicht. Für den Umschwung in Sachen CO2-Bilanz braucht es aus Sicht von Konsumforscherin Lucia Reisch große Veränderungen bei Angebot und Preisgestaltung von Konsumgütern: «Die nachhaltige Alternative muss auch die naheliegende, attraktive, bezahlbare und verfügbare sein.» Auch sei der Faktor Machbarkeit ganz entscheidend, damit nicht nur eine Minderheit der Menschen die klimafreundliche Alternative wähle: «Schmeckt das vegane Essen? Ist es erschwinglich? Brauche ich nicht viel zu lange mit dem Fahrrad? Gibt es eine Alternative zum Billigflug?»

Die Vorstellung, dass alles mit den gleichen Produkten und Preisen wie bisher weiterlaufe und Klimaziele dennoch erreicht werden könnten, sei eine Illusion, so Reisch. «Der Benzinpreis muss einfach steigen - und zwar nicht nur um ein paar Cents.» Auch Flüge müssten viel teurer werden. Etwaige Preisanpassungen müssten aber unbedingt sozialverträglich gestaltet werden.

Bilharz betont, wie nötig letztlich ein Dreiklang von Politik, Industrie und Verbrauchern für den Klimaschutz sei. Sich zurückziehen und sämtliche Verantwortung der Politik zuschieben - das sei zu kurz gedacht. «Die Politik muss sich bewegen und die Rahmenbedingungen gestalten, ohne die es nicht funktioniert.» Die Industrie müsse innovative, klimafreundliche Produkte entwickeln. «Aber in beiden Fällen brauchen wir eine kritische Masse an Menschen, die schon einmal freiwillig vorausgeht und Politik und Industrie zeigt, was beim Klimaschutz möglich ist.»

Damit sich im Denken vieler Menschen etwas tut, hält es Peter, der beim BDP in der Arbeitsgruppe Klima und Psychologie mitarbeitet, für nötig, die gedankliche Verbindung zwischen Wetterkatastrophen und der Klimakrise herzustellen, um den Klimawandel auch als akute Bedrohung begreifen zu können. Viele seien «nicht genug emotional aktiviert, um ausreichend motiviert zu sein, schneller angemessen zu handeln».

Psychologin Scharnhorst schlägt vor, sich in Sachen Klimafreundlichkeit aktiv mit Gleichgesinnten zusammenzutun - etwa gemeinschaftlich mit Familie und Freunden bestimmte Gewohnheiten umzustellen. So sei nicht nur der Effekt größer. Tatsächlich schaffe das Gefühl, als Teil einer sozialen Gruppe zu handeln, auch Motivation und Antrieb.

Der Klimaschutz bleibt eine Mammutaufgabe. Um Frustration zu vermeiden, rät Konsumforscherin Reisch zunächst zu kleinen, aber konsequenten Schritten in bestimmten Bereichen des Alltags. «Man sollte nicht versuchen, alles auf einmal zu verändern. Das schafft man nicht. Aber jeder kann Bereiche finden, die er oder sie verändern kann und die sich gut in den Alltag einbinden lassen.»

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Derk Mielig 25.10.21 02:20
@Spranz - Da haben Sie recht!
Der Hinweis auf die Migranten war hier fehl am Platze.
Peter Spranz 24.10.21 23:24
Kilma und Herr Mielig
Warum erwähnen Sie die Migranten
Ich bin kein Feind von denen , denn viele davon sind in der Not und sind keine Wirtschafttflüchlinhe
.Habe ja noch Kontakt zum Neuen Besitzer meiner Firma der hat 2 davon eingestellt und berichtet nur gutes also .
Aber es geht nicht um diese Menschen , und ich lasse mich nicht vom Ihnen als ein solcher hinstellen ok .
Und um desweiteren Ich mache mir keine Sorgen für Ihren langen Arbeitstag oder Alltag ok .
Es Wundert mich dass Sie mich nicht Heute als ein AFD ler hinstellen oder sonst zu einer dieser Gruppierungen zuordnen wie in der Vergangenheit .
Das Sie Ihren Alltag und Ihren Weg finden ist mir auch klar da Sie ja den Gut redner noch Mut machen das alles im bester Ordnung ist in D und das es So sein muss !
Nur frage ich mich muss es So sein , und dass ist nicht richtig .
Und sind wir mal Ehrlich wer in D facht das Feuer des Fremdenhasses am größten an , das ist doch die D. Regierung selbst .
Ein Beispiel da werden Wohnungen gebaut die später ein Mietpreis haben wo sich kein Normalverdiener leisten kann , und wer findet man Dann oftmals darin einen Möchte es ja nicht sagen aber viele wissen was ich meine.
Und dass ist es ja das dieser Hass das Feuer anfacht .
Aber egal D braucht solche Menschen wie Sie und viele ihre Kollegen schön reden und der Wahrheit aus dem Weg gehen .
Ein Hoch auf die neue Regierung 2022 in Deutschland , wie sagte Mutti einst wir schaffen das .

Derk Mielig 24.10.21 19:50
@Spranz
Wem Sie vertrauen, überlasse ich Ihnen selbst. Und um meinen Arbeitsalltag müssen Sie sich wahrlich nicht sorgen, der ist echt ok, und selbst gewählt. Migranten sind dafür ganz sicher nicht verantwortlich, dass sind in der Regel sowieso die am Ende der Nahrungskette.
Peter Spranz 24.10.21 19:00
Klima und Herr Mielig
Wem soll ich vertrauen 5555
Denen wo diesen die Hände reichen bestimmt nicht..
Und das Sie 14 Std am arbeiten müssen , das sind viele daran selbst schuld .
Und vieleicht müssen Sie demnächst noch ein paar Std dranhängen , um zu überleben denn Leben kann man es derzeit nicht nennen .
Wenn bei vielen in der Mitte des Monats schon der letzte ist ?
Ich weiß ja nicht ob Sie das Sprichwort kennen !!!!
Leben und Leben lassen ....
Also meine Angestellten wo ich hatte vor dem Verkauf meiner Firma und Patente konnte ich und diese mir in die Augen schauen .

,
Derk Mielig 24.10.21 13:40
@Spranz
Vielen Dank für Ihr Vertrauen. Also vertrauen Sie uns bitte, wenn wir Ihnen versprechen, dass der Untergang Ihres Abendlandes noch nicht nahe ist.
Und für mein Einkommen muss ich übrigens arbeiten, bis zu 14h/p.d..
Peter Spranz 24.10.21 13:40
Klima
Ich persönlich mache mir keine Sorge um die meinige Rente .
Bin nicht darauf angewiesen , aber man wäre ja Blöde diese nicht zu nehmen man hat ja genug eingezahlt !
Peter Spranz 24.10.21 13:20
Klima
Ja wie gesagt Herr. O UND HERR M
Solche Menschen wie euch brauchen diese Grünen dann ist der Untergang doch klar und vorraussehbar .
Danke an solche Befürworter und Schönredner.
Nur passt auf das man nicht an eure Rente bzw Pensionen geht....
Joerg Obermeier 24.10.21 09:30
Was kann man auch erwarten?
Von Unterstützer und Sympathisanten der rechtsdraußen Mörder und Terroristen? Wundern braucht man sich da nicht mehr. "Einfältig" ist dazu noch ein netter Kommentar.
Derk Mielig 24.10.21 02:00
„haben noch nie was gearbeitet„
Was für ein einfältiger Kommentar. Es fällt schwer, für solche Menschen ein Mindestmaß an Respekt zu empfinden.
Peter Spranz 23.10.21 21:50
Klima
Wie soll denn der Klimaschutz funktionieren
5555
Indem man die Atomkraftwerke in D abbaut und sich an neuen Atomkraft im Europäischen Nachbarland beteiligt das ist ja ein Hohn hoch 3 das kann doch nur von der D l
Grünen Partei kommen haben noch nie was gearbeitet außer 9 mal kluge Sprüche hervorrufen .
Dann die Frage woher soll die benötigte Energie kommen für die Neue Generation der E. Autos .
Da Windräder nicht mehr gebaut bzw keine neuen Verträge gemacht werden .
Und die Solar Dächer nicht ausreichen..
Auch wieder so ein sinnloser Spruch .
Stimmt ja der Strom kommt ja aus der Steckdose aber wie dieser dahinkommt wissen wohl Rot / Grün nicht
5555
Und was das Vegane Essen betrifft naja
Ist auch sowas dummes Gerede, soll man jetzt alle Nutztiere abschaffen nur um es den Veganer recht zu tun..
Also ich stehe auf ein Stück Fleisch , und nicht aus einem Brei wo man in eine Form presst und sich einbildet es sei ein Rindersteak / Schnitzel usw .
Man sollte denen wo sowas verkünden den Strom mal 2 Tage abschalten besonders in den Sommertagen und jetzt in dem kommenden kalte Jahreszeit .