Omikron in Deutschland angekommen

Virusvariante bereitet Sorgen 

Der Alltag inmitten einer Coronavirus-Pandemie in München. Foto: epa/Philipp Guelland
Der Alltag inmitten einer Coronavirus-Pandemie in München. Foto: epa/Philipp Guelland

BERLIN: Kurz nach ersten Berichten über eine neue Virusvariante wird Omikron auch in Deutschland nachgewiesen. Noch ist wenig bekannt über die Mutante. Die Bundesregierung zieht mit Blick auf Reisen aus dem südlichen Afrika vorsorglich die Reißleine.

Die im südlichen Afrika entdeckte neue Coronavirus-Variante bestimmt seit dem Wochenende die internationale Pandemie-Debatte - angesichts der Verbreitung von Omikron wächst die Beunruhigung auch in Deutschland. Am Wochenende wurde die als besorgniserregend eingestufte Variante in München vom Max-von-Pettenkofer-Institut bei drei Reisenden nachgewiesen. In Hessen bestätigte sich am Sonntag der Fall eines weiteren Reiserückkehrers aus Südafrika.

Die zuerst im südlichen Afrika nachgewiesene Variante B.1.1.529 wurde von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als «besorgniserregend» eingestuft. Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC spricht von ernsthaften Sorgen, dass die Variante die Wirksamkeit der Corona-Impfstoffe erheblich verringern und das Risiko von Reinfektionen erhöhen könnte. Welche genauen Auswirkungen die Variante hat, steht aber noch nicht fest.

Hessens Sozialminister Kai Klose teilte am Sonntag auf Twitter mit, dass eine Sequenzierung die Variante B.1.1.529 beim Reiserückkehrer aus Südafrika nachgewiesen habe. Die Person sei aus dem Rhein-Main-Gebiet. Bei den drei Fällen in München steht laut Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit eine Genomsequenzierung noch aus. Die Reiseanamnese habe jedoch zusammen mit einem speziellen, auf bestimmte Mutationen ausgerichteten PCR-Test (VOC-PCR) vom Max-von-Pettenkofer-Institut einen hochgradigen Verdacht erbracht. Auch in Nordrhein-Westfalen gibt es in Essen und in Düsseldorf erste Verdachtsfälle, die jetzt mittels Sequenzierung überprüft werden, wie NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Sonntag mitteilte.

Die Variante breitet sich offenbar schnell aus, aus vielen Ländern wurden inzwischen Fälle gemeldet, darunter Großbritannien, Israel, Dänemark, Belgien, Tschechien und Italien. In den Niederlanden wurden bei 13 Reisenden aus Südafrika Omikron-Infektionen festgestellt. Israel schließt seine Grenzen für Ausländer. Spanien lässt aus Großbritannien nur noch Geimpfte einreisen. Die Philippinen stellen von Sonntag an vorübergehend den Flugverkehr aus sieben europäischen Ländern ein. Wegen neuer Reisebeschränkungen auch in der Schweiz wird die Ministerkonferenz der Welthandelsorganisation nächste Woche in Genf nicht stattfinden. Das wichtige Treffen wird auf unbestimmte Zeit verschoben.

Auch die Bundesregierung schränkt die Einreise aus acht Ländern im südlichen Afrika drastisch ein. Südafrika, Namibia, Simbabwe, Botsuana, Mosambik, Eswatini, Malawi und Lesotho sind seit Sonntag als Virusvariantengebiete eingestuft. Fluggesellschaften dürfen im Wesentlichen nur noch deutsche Staatsbürger oder in Deutschland lebende Personen von dort nach Deutschland befördern. Für Einreisende gilt eine zweiwöchige Quarantänepflicht, die nicht durch negative Tests verkürzt werden kann - auch für Geimpfte und Genesene. Auch die USA schränken ab Montag Einreisen aus den Staaten des südlichen Afrikas ein.

Die deutsche Lufthansa hält die Flugverbindungen nach Südafrika vorerst aufrecht, wie ein Sprecher am Samstag auf Anfrage bestätigte. Natürlich würden dabei die geltenden Auflagen eingehalten.

Südafrika sieht sich durch die zahlreichen Reisebeschränkungen zu Unrecht bestraft. «Herausragende Wissenschaft sollte gelobt und nicht bestraft werden», hieß es in einer am Samstag veröffentlichten Stellungnahme des Ministeriums für Internationale Beziehungen unter Verweis auf die Arbeit südafrikanischer Wissenschaftler, die die Omikron-Variante sequenziert und identifiziert hatten. Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa kritisierte in einer Fernsehansprache am Sonntag die Reisebeschränkungen als «unfaire Diskriminierung».

Der US-Außenminister Antony Blinken lobte in einem Telefonat mit seinem südafrikanischen Amtskollegen Südafrika für sein Handeln im Zusammenhang mit der Omikron-Variante als vorbildlich. Auch der US-Immunologe Anthony Fauci sagte am Sonntag im US-Fernsehen: «Ich denke, wir müssen den Südafrikanern Anerkennung dafür zollen, dass sie uns diese Informationen so schnell und transparent zur Verfügung gestellt haben.»

Die bislang mit der neuen Coronavirus-Variante infizierten Menschen in Südafrika sind nach Angaben der dortigen Mediziner-Vereinigung (SAMA) bislang nicht schwer erkrankt.

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Joerg Obermeier 30.11.21 13:00
Omikron
Soweit diese Omikron Mutation auch nur im Ansatz so ansteckend sein sollte wie es derzeit ausschaut, dann kann nichts und niemand die Verbreitung aufhalten. Bestenfalls etwas verzögern. Doch auch das könnte durchaus Sinn machen, bis dafür angepasste Vakzine verfügbar sind. Und noch was könnte man daraus lernen. Dass es keinen Sinn macht Vakzine in reichen Ländern zu horten und weite Teile der Welt haben nichts. Ansonsten werden wir wieder und wieder von immer neuen Mutationen eingeholt.
Derk Mielig 30.11.21 04:59
"Wer glaubt, der soll in die Kirche gehen, denn...
... die sind für den Glauben zuständig!"
Ich dachte, dieser vollkommen überflüssige Hinweis wäre schon ausgestorben. Aber Einfalt stirbt nicht aus, dass ich das noch erleben darf, schnief!
Hartmut Wirth 29.11.21 22:53
Omikron
Ja, wer glaubt eigentlich, dass die Verbreitung der neuen Variane ohne strenge Kontrolle und Beschränkungen aufzuhalten wäre?
Dazu ist nur zu dagen: Wer glaubt, der soll in die Kirche gehen, denn die sind für den Glauben zuständig!