Videobeweis nun offiziell: Bedenken für die WM

​Reaktionen zur Aufnahme des Videobeweises in das FIFA-Regelwerk

Foto: epa/Filip Singer
Foto: epa/Filip Singer

ZÜRICH (dpa) - In der Bundesliga sorgt der Videobeweis weiter für Diskussionen, doch es gibt kein Zurück: Der Fußball-Weltverband hat die umstrittene Technik in ihr Regelwerk aufgenommen. Im Hinblick auf die WM gibt es aber so einige Fragezeichen.

Die FIFA-Zentrale feiert die Aufnahme des Videobeweises ins Regelwerk als «historischen Schritt». Doch in den Fußballstadien dieser Welt bleibt das umstrittene Hilfsmittel rund 100 Tage vor der WM eine Dauerbaustelle. Vor einer Zustimmung für den Einsatz bei der Weltmeisterschaft in Russland erinnert DFB-Präsident Reinhard Grindel den Weltverband an seine Hausaufgaben. Während die Bundesliga trotz einer schwierigen Testphase schon relativ vertraut ist mit der Neuerung, sieht es international anders aus.

Durch die einstimmige und grundsätzliche Entscheidung des International Football Association Boards (IFAB) mit den vier Stimmen der FIFA-Vertreter am Samstag in Zürich ist der Weg frei für den erstmaligen Einsatz des Videobeweises bei einer WM. Das FIFA-Council muss am 16. März in Bogotá allerdings noch Grünes Licht dafür geben. «Ich kann den Fans, Spielern und Trainern sagen: Natürlich wird das Auswirkungen auf die WM haben - aber diese werden positiv sein», versprach Präsident Gianni Infantino schon mal.

Grindel mahnte als Boss des Deutschen Fußball-Bundes jedoch: Voraussetzung für die Zustimmung sei, dass Infantino «uns die Zuversicht vermittelt, dass die Workshops und technischen Vorbereitungen ausreichen, damit die Schiedsrichter die Vorgaben des IFAB-Protokolls sachgerecht umsetzen. Wichtig ist auch, dass die Schiedsrichter-Teams so zusammengesetzt sind, dass eine klare Kommunikation gewährleistet ist.» Beim Confederations Cup im vergangenen Jahr in Russland hatte es einige Pannen gegeben.

Den Verbänden bleibt es trotz des IFAB-Beschlusses frei, ob sie den Videobeweis anwenden. In der Bundesliga gab es auch am Wochenende wieder Diskussionen. «Wenn es bei der WM kommt, interessiert es mich nicht so sehr, da steh' ich ja nicht an der Seitenlinie. Aber dass das Ding noch nicht so ausgereift ist, sehen wir Woche für Woche», sagte Ralph Hasenhüttl, Trainer von RB Leipzig. Beim 1:1 gegen Borussia Dortmund am Samstag hatte so mancher im RB-Lager wohl auf eine nachträgliche Abseits-Entscheidung beim Ausgleich durch Marco Reus gehofft.

Hasenhüttl prophezeite für die WM: «Wenn es stattfindet dort, wird man anfangs auch seine Probleme damit haben. Ich weiß nicht, wo es dann entschieden wird, ob auch in Köln - ich hoffe nicht.» Die Überprüfungszentrale für die Videoassistenten (VAR) bei der WM wird nach Infantinos Angaben in Moskau sein.

«Das ziehen wir jetzt alle gemeinsam durch. Ich denke, es ist in der Rückrunde bereits deutlich ruhiger geworden um das Thema», sagte der Mainzer Sportvorstand Rouven Schröder. Auch wenn die Deutsche Fußball Liga (DFL) am Samstag erklärte, dass sich die 36 Clubs der Bundesliga und 2. Bundesliga im Rahmen ihrer Mitgliederversammlung am 22. März mit der weiteren Vorgehensweise befassen werden: Von DFL-Boss Christian Seifert gibt es bereits klare Signale, dass es weitergeht mit dem Videobeweis.

Nach wie vor gibt es zu viele Unklarheiten, wann genau die Assistenten vor den Bildschirmen zum Einsatz kommen und wann nicht. So hätte das Siegtor für Eintracht Frankfurt durch Danny da Costa gegen Hannover 96 nicht zählen dürfen, weil es zuvor fälschlicherweise Eckball für Frankfurt statt Abstoß für Hannover gegeben hatte. Richtig lag der Videoassistent später bei einem dann doch nicht gegebenen Elfmeter für Hannover. Auch der Eingriff in Hamburg, als ein klares Abseitstor von Filip Kostic gegen Mainz aberkannt wurde, korrigierte eine Fehlentscheidung des Referees.

In der Champions League wird der Videobeweis in der kommenden Saison noch nicht zum Einsatz kommen, wie UEFA-Präsident Aleksander Ceferin bereits klar gemacht hat. Die spanische Fußball-Liga plant für die nächste Saison die Einführung. Während sich die Neuerung beispielsweise in Europa immer mehr durchsetzt, haben sich die Erstliga-Clubs im Land von Rekord-Weltmeister Brasilien gegen den Videobeweis ausgesprochen.

In England hatte das technische Hilfsmittel erst vergangene Woche für große Aufregung gesorgt: Beim 6:1 von Tottenham Hotspur (1:0) im FA Cup gegen Drittliga-Schlusslicht AFC Rochdale war die Partie im Wembley-Stadion von zahlreichen Unterbrechungen geprägt: Insgesamt fünf Treffer wurden erst nach VAR-Bestätigung anerkannt.

Ralph Hasenhüttl (Trainer RB Leipzig): «Wenn es bei der WM kommt, interessiert es mich nicht so sehr, da steh' ich ja nicht an der Seitenlinie. Aber dass das Ding noch nicht so ausgereift ist, sehen wir Woche für Woche. Und ich weiß nicht, in welche Richtung sich das entwickeln wird. Wenn es stattfindet dort, wird man anfangs auch seine Probleme damit haben. Ich weiß nicht, wo es dann entscheiden wird, ob auch in Köln - ich hoffe nicht.»

Deutsche Fußball Liga (DFL): «Nach der Entscheidung des International Football Association Board (IFAB) von heute, Video-Assistenten bei Fußballspielen künftig offiziell zuzulassen, werden sich die 36 Clubs der Bundesliga und 2. Bundesliga im Rahmen ihrer Mitgliederversammlung am 22. März 2018 mit der weiteren Vorgehensweise befassen.»

Niko Kovac (Trainer Eintracht Frankfurt): «Ich war und bleibe dafür, dass der Videoschiedsrichter immer zum Einsatz kommt.»

André Breitenreiter (Trainer Hannover 96). «Für eine Schwalbe will ich auch keinen Elfmeter haben. Und ich bleibe dabei: Der Videobeweis ist gut für das Spiel.»

Christian Heidel (Sportvorstand FC Schalke 04): «Ich finde, dass der Videobeweis bleiben soll, weil ich absolut den Eindruck habe, dass der Fußball gerechter wird. Wenn ich noch einen Änderungswunsch hätte, dann dass man einen kurzen Hinweis - keine Bilder oder Rückläufe - geben sollte auf den Videowänden. Wenn der Assistent kommt und er korrigiert eine Entscheidung, dass man da sagt: Aufgrund dessen ist die Entscheidung revidiert worden. Es gibt bestimmt auch Leute, die den Videobeweis nicht mehr haben wollen. Aber dann weiß ich, was die meist ausgesprochene Aussage nach jedem Bundesligaspiel ist: Hätten wir den Videoassistenten, dann wäre das nicht passiert!»

Rouven Schröder (Sportvorstand FSV Mainz 05): «Das ziehen wir jetzt alle gemeinsam durch. Ich denke, es ist in der Rückrunde bereits deutlich ruhiger geworden um das Thema. Heute wurde er bei uns wieder richtig angewendet. Aber wir müssen jetzt nicht jede Woche darüber reden.»

Stefan Reuter (Manager FC Augsburg): «Wir waren von vorneherein absolute Befürworter des Videobeweises. Ich habe immer gesagt, der Videobeweis ist sehr gut. Wichtig ist, dass die Regeln einheitlich angewendet werden und dass man da eine Klarheit hat. Daran arbeitet man.»

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