Vermodern, damit nun neues Leben entsteht

Der große Baum ist endlich identifiziert – von Mahagoni, Kapok und Kakao

Die vielen Kapok-Setzlinge sind in nur sieben Wochen ganz rasant gewachsen, Zeit für ein Umtopfen. Fotos: hf
Die vielen Kapok-Setzlinge sind in nur sieben Wochen ganz rasant gewachsen, Zeit für ein Umtopfen. Fotos: hf

Die Vermehrung von Pflanzen über Samen ist sicher die produktivste Methode, weil viele Gewächse enorme Mengen davon liefern. Doch manchmal sind „Umwege“ nötig, das heißt der Gärtner braucht ein wenig Know-how.

Die Schale ist beim Fall von der Höhe gesprungen.
Die Schale ist beim Fall von der Höhe gesprungen.

Meine ersten Kakaosamen bekam ich in Brasilien. Ich habe sie sehr sorgfältig an der Sonne getrocknet, um sie haltbar zu machen. Dann – das kann ja im Allgemeinen nicht schaden – habe ich sie über Nacht eingeweicht und schließlich gepflanzt. Das brachte gar nichts, weil sie – einmal aus dem schützenden Samenbehälter heraus – nur etwa zehn Tage keimfähig sind, also ganz rasch gepflanzt werden müssen. Mit meinem Trocknen habe ich sie kaputt gemacht.

Noch ein gravierender Anfängerfehler

Dann wollte ich es viel besser machen: Ich habe meine nächs­ten Kakaosamen also ganz frisch eingebuddelt, sicher 10 bis 20 Zentimeter tief, damit sie auch ein gutes Wurzelwerk bilden. Hat aber auch nicht funktioniert, weil Kakaosamen erst Wurzeln bilden und dann den Kern etwa 10 Zentimeter in die Höhe schieben, über den Grund. Wenn sie zu tief eingegraben sind, bricht ihnen dieser Schub nach oben (dem Licht entgegen) das Genick.

Richtig gemacht habe ich es hingegen vor etwa sieben Wochen mit den Kapok-Samen, die Dank der Watte, an der sie hängen, fliegen können. Ich habe sie ganz oben an der Oberfläche platziert und gut gegossen. Nicht nur haben sie gekeimt wie wild, sie sind auch rasant gewachsen, nämlich gegen 30 Zentimeter in dieser kurzen Zeit! Jetzt können sie bereits umgetopft werden.

Sehr seltsam sehen die jungen Kakaosetzlinge aus.
Sehr seltsam sehen die jungen Kakaosetzlinge aus.

Auch bei den Mahagoni-Samen, die in ihren Samenbehältern vom Nachbarn bei uns in den Garten plumpsen, habe ich es wohl richtig gemacht, sie einfach etwas an der Oberfläche verteilt und gegossen. Ich denke, da geht nun gelegentlich auch die Post ab.

Bei dem riesigen Baum, der so rasant gewachsen ist, habe ich hingegen immer noch nicht verstanden, wie man ihn vermehrt. Er hat schon mehrfach geblüht, aber Samen habe ich noch nie entdeckt, dafür aber nun Setzlinge in Pfützen gefunden. Die habe ich kurzerhand ausgegraben. Endlich kenn ich auch seinen Namen: Neolamarckia cadamba, auf Deutsch: Kadamba-Baum. Er ist für Wiederaufforstung sehr geeignet, weil er so rasch wächst und den Boden verbessert.

Die Frucht ist zwar essbar, stinkt aber…

Einer der faszinierendsten Gewächse in meinem Garten ist der Kanonenkugel-Baum. Er produziert zauberhafte, stark duftende Blüten und dann eine schwere braune Frucht, eben die „Kanonenkugel“. Zuerst gesehen habe ich Exemplare der Couroupita guaianensis in Rio de Janeiro. Ich habe dort im Schutz der Dunkelheit eine solche Frucht geklaut. Einige Wochen später ist sie in meinem Hotelzimmer aufgeplatzt, hat ganz furchtbar gestunken, das Hotelpersonal hat super peinliche Bemerkungen gemacht…

Die außerordentlichen Blüten des Kadamba-Baums.
Die außerordentlichen Blüten des Kadamba-Baums.

Wie ich nun herausgefunden habe, ist diese Kanonenkugel zwar essbar, riecht aber wirklich ganz eklig. Typischerweise fällt sie vom Baum ab, wenn sie reif ist. Durch den Fall platzt sie. Tiere fressen das Fruchtfleisch und die Samen wandern durch den Magen und Darm und werden dadurch keimfähig.

Ich habe nun ein paar aufgeplatzte Früchte in einem Topf – ausgestattet mit viel nasser Kokosnussschale und faulenden Blättern – verfaulen lassen, also den Gang durch den Magen eines Tiers simuliert. Das stinkt fürchterlich, hat aber funktioniert: So keimen die Samen auch.

Endlich kann ich den Kanonenkugel-Baum vermehren (den Gestank nehme ich gerne in Kauf)!


Hans Fritschi, Jahrgang 1957, ist ehemaliger Journalist und Buchautor, er lebt seit 1991 in Thailand. Mehrere Monate des Jahres reist er in der Welt herum, den Rest verbringt der Hobbygärtner in Pattaya und Nong Khai. Falls Sie Fragen und Anregungen an unseren Gartenkolumnisten haben, oder seinen Garten mal anschauen möchten, schicken Sie ihm eine E-Mail an hansfritschi1957[at]gmail.com oder besuchen Sie die Dicovery Garden Webseite oder Facebook.

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