Verkehr

Die Verkehrsverbindungen im Isaan, der noch vor 50 Jahren fast nur über Lehmstrassen verfügte, sind heute allgemein sehr gut. Der Strassenverkehr im Isaan ist nicht mit dem Verkehr in Bangkok zu vergleichen. Während man in Bangkok - zumindest zu den Stosszeiten - oft besser zu Fuss als im Auto vorwärts kommt, kann man im Isaan auf gut ausgebauten Strassen sehr gut und zügig fahren. Das noch vor wenigen Jahrzehnten abseits der grossen Verkehrswege liegende Land wurde vor allem durch den während des Vietnam-Krieges mit amerikanischen Geldern gebauten sogenannten Friendship-Highway, auf dem die Amerikaner den Nachschub für ihre Militärbasen im Grenzgebiet zu Kambodscha und Laos heranbrachten, verkehrstechnisch erschlossen. Ein Problem ist allerdings augenscheinlich der Strassenunterhalt. Selbst auf gut ausgebauten Strassen, die ohne weiteres das für Thailand geltende Höchsttempo von 90 km/h zulassen, kann man plötzlich ohne Warnung auf ein tiefes Schlagloch treffen, das vor allem dem Motorradfahrer zum Verhängnis werden kann.

Das ausgebaute Verkehrsnetz hat aber auch seine Schattenseiten, denn hier geht jeder, der genug Geld auftreiben kann, um sich einen fahrbaren Untersatz anzuschaffen, ohne jede Fahrpraxis und oft auch ohne Führerschein auf die Strasse. Die Fahrkünste sind dann auch entsprechend, und Unfälle gehen wegen der hohen Geschwindigkeiten meist nicht ohne Verletzte oder Tote ab. Die Polizei kontrolliert in letzter Zeit wegen der vielen Unfälle immer häufiger die Führerscheine, was allerdings auch nicht viel sagen will, was folgende Geschichte zeigt.

Der Führerschein

Wenn wir aus unserem Dorf im Isaan mal in die 30 km entfernte Stadt fahren müssen, weil ich zur Bank muss oder im Supermarkt einiges einkaufen will, um die doch ziemlich eintönige Küche etwas aufzubessern, so ist das, wenn man die Reise mit dem zweimal täglich verkehrenden Hühnerbus zurücklegen muss, eine halbe Weltreise. Wir brauchten also ein Fahrzeug, am besten einen Pick-up, den wir dann auch für unseren Reishandel einsetzen konnten. Als meine Frau immer mehr drängte, nun doch endlich den versprochenen Pick-up zu kaufen, versuchte ich mich zunächst mit der Auflage darum herumzudrücken, dass sie erst mal eine Fahrschule besuchen und ihren Führerschein machen müsse. Worauf sie erwiderte, dass es doch hier keine Fahrschule gebe, so dass ich ihr das Autofahren beibringen müsse. Solange wir aber kein Auto hätten, wäre das ja wohl nicht möglich. Diesen Argumenten konnte ich mich nicht verschliessen. Der Pick-up wurde also gekauft, und wir machten Fahrschule. Zunächst auf dem Schulhof des Dorfes (natürlich nach Schulschluss) und dann auf wenig befahrenen Dorfstrassen.

Als ich der Meinung war, dass sie schon ganz passabel fuhr, kam der Führerschein an die Reihe. In einem Schulheft unserer Tochter waren auf der letzten Seite Bilder der Verkehrszeichen abgedruckt, und ich gab meiner Frau auf, die Zeichen zu erlernen, da sie das für die Führerscheinprüfung brauchen würde. Sie sah sich die Bilder eine Viertelstunde lang an und meinte dann, sie könne nun alle Verkehrszeichen auswendig. Am nächsten Tag fuhren wir also in die Kreisstadt zum Strassenverkehrsamt, um die Führerscheinprüfung abzulegen. Der Beamte drückte ihr ein Formular in die Hand, mit dem sie zur nächsten Klinik gehen musste, um sich bescheinigen zu lassen, dass sie gesundheitlich zum Führen eines Kraftfahrzeugs in der Lage sei. Der Doktor in der Klinik fühlte nur kurz den Puls und fragte, ob sie gesund sei. Eine Schwester mass dann noch den Blutdruck, kassierte 200 Baht, händigte ihr die unterschriebene und abgestempelte Bescheinigung aus, und die erste Hürde war genommen.

Zurück im Verkehrsamt gab der Beamte ihr einen Testbogen und liess sie an einem Tisch hinter der Barriere Platz nehmen, wo schon ein paar Kandidaten schwitzten. Ich sass vor der Barriere und sah zu, wie mein Goldstück auf ihrem Bleistift herumkaute und mir verzweifelte Blicke zuwarf. Nach zwei Stunden war die Mittagspause gekommen, und der Beamte sammelte die Testbögen ein. Als er das Blatt meiner Frau ansah, schüttelte er mit dem Kopf: nicht bestanden. Er hatte aber Mitleid mit ihr und sagte, sie könne nach der Mittagspause wiederkommen und ihr Glück noch mal versuchen. Als sie ganz niedergeschlagen mit mir in einer Nudelküche sass, klärte ich sie auf, dass neben ihr an der Wand ein Plakat mit allen Verkehrszeichen und deren Bedeutung gehangen habe, sie hätte nur abzuschreiben brauchen. Was sie dann am Nachmittag beim Ausfüllen eines neuen Testbogens auch tat. Jetzt war sie in einer Viertelstunde fertig und konnte ihr Blatt abgeben. Der Beamte warf einen Blick darauf, nickte zustimmend mit dem Kopf und händigte ihr den schon fertig ausgefüllten Führerschein aus. Auf meine Frage, ob sie denn nicht auch zumindest eine Runde um den Strassenblock drehen müsse, um ihre Fahrkünste zu beweisen, meinte er, das sei nicht nötig. Meine Frau nahm freudestrahlend ihren Führerschein in Empfang. Jetzt war sie amtlich geprüfter Kraftfahrzeugfahrer für alle Klassen bis 6 Tonnen.

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